(K)eine Frage des Geldes
Ein Studium ist für viele heute eine finanzielle Herausforderung. Doch es gibt Mittel und Wege, diese Hürde gut zu nehmen.
Das Geld muss während des Studiums nicht unerreichbar sein.
Foto: Schwelle
Susanne Schmitz (21) studiert im vierten Semester BWL an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen). Das Thema Studienfinanzierung wurde in ihrer Familie bisher immer im Einvernehmen mit den Eltern gelöst. Die haben schon ihre beiden älteren Geschwister in ihrer Ausbildung unterstützt und können auch das Studium ihrer jüngsten Tochter mitfinanzieren. Allerdings wohnt die 21-Jährige derzeit auch noch zu Hause, so dass Ausgaben wie Miete, Nebenkosten, DSL-Flatrate nicht zusätzlich anfallen.
BAföG in Anspruch zu nehmen, wäre eine gute Möglichkeit für Susanne Schmitz, ihre Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Die Bundesregierung hat Ende April beschlossen, den Förderungshöchstsatz auf 670 Euro monatlich anzuheben. Einen Antrag auf BAföG hat die Studentin allerdings gar nicht erst gestellt, da sie selbst über eine zu große Rücklage verfügt, die bei einem solchen Antrag mit angerechnet würde, ganz abgesehen von der Situation ihrer Eltern. In einem achtstündigen Hiwi-
Job an ihrem Lehrstuhl verdient sich Susanne Schmitz noch regelmäßig 300 Euro im Monat dazu. Damit entlastet sie nicht nur das Budget ihrer Eltern, sondern ist weitgehend unabhängig, wenn es um ihre privaten Interessen wie Freizeitaktivitäten, Kultur, Urlaub, Bücher und Kleider geht.
Einsparpotenzial
„Man kann durchschnittlich mit 700 Euro rechnen, die Studierende heute für ihr Studium im Monat benötigen“, sagt Walter, Leiter des Kunden Service Center im Studentenwerk Aachen. Miete, Telefon, Internet, Essen, Freizeit — feste Ausgaben, die für Studierende jeden Monat anfallen. Dazu kommen in einigen Bundesländern noch jedes Semester die Studiengebühren dazu. Walter Meurer empfiehlt deshalb jedem, der studieren möchte, sich nicht nur über die Kosten, sondern zuvor auch über die Einsparmöglichkeiten Gedanken zu machen. „Schon die Wahl des Studienortes ist ein Kostenfaktor“, sagt er. In vielen ostdeutschen Studienorten fallen beispielsweise keine Studiengebühren an, auch der Mietspiegel einer Stadt kann ein wichtiges Entscheidungskriterium sein. Diejenigen, die kein BAföG bekommen, denken womöglich im zweiten Schritt an ein Stipendium bei einer Stiftung – dazu muss man allerdings wissen, dass auch die meisten dieser Stipendien elternabhängig gezahlt werden und der Bedarfssatz häufig noch unter dem des BAföGs liegt“, erklärt Walter Meurer.
Bleibt noch die Möglichkeit, sich das Studium durch Nebenjobs selbst zu finanzieren, oder zumindest die Studiengebühren über einen so genannten Studiengebührenkredit vorfinanzieren zu lassen. „Ein solcher verzinslicher Kredit über die NRW-Bank hätte beispielsweise den Vorteil, dass die aufgenommene Summe dem BAföG-Darlehen zugeschlagen wird und die Schuldensumme die festgesetzte Rückzahlsumme von 10.000 Euro nicht überschreitet“, sagt Walter Meurer.
Wer BAföG bekommt, ist deshalb im Vorteil, denn diese Form der Studienfinanzierung ist nicht nur zinslos, sondern wird auch nur zur Hälfte als Darlehen und zur anderen Hälfte als Zuschuss gezahlt. BAföG ist außerdem in der Rückzahlungssumme auf 10.000 Euro beschränkt. Birgit van Meegen, Berater im Team Akademische Berufe der Agentur für Arbeit, sieht das Thema Nebenjob dagegen eher kritisch: „Die Zeitvorgaben sind durch den Bachelor- und Masterstudiengang deutlich strikter geworden und viel Zeit zum Jobben bleibt da kaum.“ Erhält man BAföG, kann man noch 400 Euro pro Monat dazu verdienen, ohne dass die Förderung gekürzt wird.
Finanzierung nach Maß
Neben Studienkrediten diverser Banken und Kreditinstitute sind noch die Darlehenskassen der Studentenwerke interessant, die ein Überbrückungsgeld beispielsweise bis zum Studienabschluss finanzieren. Allerdings sind an diese zinslosen Darlehen Bedingungen geknüpft, das Studium sollte ordnungsgemäß verlaufen und Bürgen werden in jedem Fall gebraucht.
Susanne Schmitz hat von diesen Möglichkeiten bereits gehört und erwägt, ab dem sechsten Semester ein Studiendarlehen aufzunehmen. „Ich möchte dann von zu Hause ausziehen und mir eine eigene Wohnung in Aachen nehmen.“ Vorher wird sie noch ein Auslandssemester in Dänemark einlegen, das sie aus ihren Rücklagen weitestgehend selbst finanziert. Ist die Klippe des Bachelor-Studiums für die Studentin erstmal genommen, kann sie das Masterstudium unter neuen finanziellen Voraussetzungen angehen. Sie erwägt nämlich, ein Unternehmen in der Region zu suchen, das ihr das Studium im Rahmen einer Kooperation mit ihrer Hochschule finanziert. Ein Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen vorausgesetzt, würde sie je drei Monate im Wechsel studieren und arbeiten und könnte zwischen 700 und 800 Euro im Monat verdienen. Damit würde dieses Studium finanziell auf sicheren Füßen stehen.







