"Mut beweisen"
Dr. Ulla Siebert ist in diesem Jahr Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke und Leiterin des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung. abi>> sprach mit ihr über die Zukunft der Stipendien und die Chancen einer Bewerbung.
Dr. Ulla Siebert, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke und Leiterin des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung.
Foto: Privat
abi>>: Die Mittel für die Begabtenförderung wurden aufgestockt. Wie wird die Entwicklung weitergehen?
Ulla Siebert: In den vergangenen vier Jahren haben wir erreicht, dass ein Prozent aller Studierenden ein Stipendium von einem der elf Begabtenförderungswerke erhält. Zu Beginn der Legislaturperiode lag die Quote nur bei 0,7 Prozent. Welche Mittel im nächsten Bundeshaushalt bereitgestellt werden, ist noch nicht abzusehen. Unser Ziel ist es, die Ein-Prozent-Marke auch in Zukunft zu halten.
abi>>: Neben der finanziellen Unterstützung werden Stipendiaten ideell gefördert. Was bedeutet das?
Ulla Siebert: Die Begabtenförderung mit der Kombination aus ideeller und finanzieller Förderung gibt es nur in Deutschland. Die Stipendiaten werden im Studium individuell beraten, gefördert und qualifiziert. Sie bekommen Zugang zu den Netzwerken der Begabtenförderungswerke. Gerade in den ersten Semestern, in denen angesichts der Anonymität der Hochschulen viele Studierende orientierungslos sind, ergeben sich schnell Kontakte mit anderen Stipendiaten und Vertrauensdozenten vor Ort.
abi>>: Was bringt die ideelle Förderung?
Ulla Siebert: Je nach politischer oder weltanschaulicher Ausrichtung des Begabtenförderungswerkes gibt es differenzierte Begleitprogramme. Sie tragen dazu bei, dass die Stipendiaten sich fachlich weiterentwickeln, sich interdisziplinär austauschen, ihre Soft Skills ausbauen oder gemeinsam gesellschaftspolitische und wissenschaftliche Diskussionen führen können. Eines der Vorteile, die nicht hoch genug angesehen werden können, ist das Netzwerk, das die Stipendiaten vorfinden. Die politischen Stiftungen etwa haben weltweit Landesbüros, in denen Praktika absolviert werden können.
abi>>: Können Sie Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung geben?
Ulla Siebert: Es ist wichtig, sich vor der Bewerbung gründlich zu informieren. Die Begabtenförderungswerke beschreiben ihre jeweiligen Zielgruppen sehr genau. Anhand dieser Kriterien kann man erkennen: Passe ich dort hinein? Bewerber sollten sorgfältig begründen, warum sie sich bei dem jeweiligen Werk oder der Stiftung bewerben. Sie sollten mutig sein und selbstbewusst davon ausgehen, dass sie etwas zu bieten haben. Alle Stiftungen sind sehr offen, was das Engagement der jungen Leute betrifft. Viele Interessenten glauben, dass für die Bewerbung bei einer politischen Stiftung ein Parteibuch notwendig ist. Das ist nicht der Fall. Wichtig ist es, dass Bewerber aktiv sind und zeigen, dass sie bereit sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen und im Rahmen ihres Engagements Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.

