Im Land der Grachten und Windmühlen
Immer mehr deutsche Studieninteressenten zieht es in die Niederlande. Gründe für die wachsende Beliebtheit der Hochschulen im Königreich gibt es reichlich: Ein Numerus clausus ist selten, das Verhältnis zu den Lehrenden unkompliziert und unterrichtet wird meist in kleinen Gruppen.
Niederländischkenntnisse kann jeder in Hochschulkursen erlernen.
Foto: NBTC/Jochen Tack
Mit über 12.000 deutschen Studierenden gelten die Niederlande mittlerweile als beliebtestes Ziel für ein Auslandsstudium. Allein an der Maastricht University mit insgesamt etwa 11.500 Studierenden sind mehr als 3.000 Studierende mit deutschem Pass eingeschrieben. Besonders beliebt ist der englische Bachelorstudiengang „International Business". Solche englischsprachigen Wirtschaftsstudiengänge gibt es an mehreren akademischen Einrichtungen, aber die niederländische Hochschullandschaft hat noch mehr zu bieten: Es werden Studiengänge und Schwerpunkte angeboten, die keine deutsche Hochschule im Repertoire hat, zum Beispiel Pferdemanagement als Spezialisierung eines landwirtschaftlichen oder betriebswirtschaftlichen Studiengangs an der DAH Dronten (http://www.cahdronten.de/), oder der Schwerpunkt feministische Theologie für Studierende der Katholischen Theologie an der Universität Nimwegen (http://www.ru.nl/deutsch/bachelor/item_752601/studiengange/theologie/).
Zwar gibt es einige Studiengänge in deutscher Sprache, doch in den meisten Fällen sind Holländischkenntnisse notwendig. Um sich die nötigen Sprachkenntnisse anzueignen, können ausländische Studierende an den meisten Hochschulen vor Beginn des Studiums einen Intensiv-Kurs belegen
Niederlande
Offizieller Name: Königreich der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
Einwohnerzahl: 16,4 Millionen
Größe: 41.528 qkm
Hauptstadt: Amsterdam (743.000 Einwohner)
Vergleichbares Hochschulsystem
Ähnlich wie in Deutschland existieren auch in den Niederlanden zwei unterschiedliche Arten von Hochschulen: Für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind die Universitäten („universiteiten", abgekürzt „WO") zuständig. Von ihnen gibt es landesweit 14, hinzu kommt eine Fernuni. Praxisbezogene Studiengänge bieten die 44 Fachhochschulen („hogeschoolen", abgekürzt „HBO") an. Dort ist neben mehreren kürzeren Praktika ein Praktikumsjahr vorgesehen. Darüber hinaus werden Internationale Studien („internationaal onderwijs", abgekürzt „IO") immer bekannter. Das sind englischsprachige Studiengänge und Kurse, die entweder an eigens eingerichteten Instituten oder an Hochschulen und Universitäten absolviert werden.
Abgeschlossen wird das Studium entweder mit dem Bachelor oder einem Master. Zudem gilt - wie in Deutschland - das ECTS-Creditsystem. Für den Bachelorabschluss nach drei oder vier Jahren sind 180 beziehungsweise 240 Credits notwendig. Danach kann man ein Masterstudium aufsatteln. Beide Abschlüsse werden europaweit anerkannt, so dass man damit auch in Deutschland arbeiten kann. Einzige Ausnahmen bilden solche Studienwege, die hierzulande mit einem Staatsexamen enden sowie Bereiche wie Rechtspflege, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung.
Problemorientiertes Lernen
Während sich das niederländische Hochschulsystem also nicht besonders vom deutschen System unterscheidet, ist das bei den Lernformen anders. Denn an den meisten niederländischen Hochschulen findet problemgesteuerter Unterricht („probleemgestuurd onderwijs") statt. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht! Die Studierenden arbeiten in Kleingruppen zusammen und setzen sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit einer Fragestellung auseinander. Dabei unterstützt ein Lehrender sie wie ein Coach. Wenn nötig, gibt er Hilfestellungen, verrät die richtige Lösung aber nicht gleich. Auch wenn der Umgang mit den Dozenten und Professoren meist ungezwungen ist, bedeutet das nicht, dass das Studium leichter ist als in Deutschland. Auch in den Niederlanden wird der Wissensstand regelmäßig überprüft!
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