Grenzgänge zwischen Spind und Schlafsaal
Christian Holz ist Frühaufsteher — gezwungenermaßen. Jeden Morgen ab sechs Uhr arbeitet der 19-jährige Abiturient in der Pressestelle der 13. Panzergrenadierdivision der Bundeswehr in Leipzig. Kurz vor dem Ende seines Grundwehrdienstes zieht er Bilanz und erzählt von Gewaltmärschen und Gemeinschaft.
Zu seiner Arbeit bei der Pressestelle gehört es auch, Journalisten die Kaserne zu zeigen. Foto: Privat
6 Uhr morgens: Während andere gerade vom Feiern nach Hause kommen, wälzt Christian Holz schon die Tagespresse. Der junge Wehrdienstleistende ist in Leipzig seit dem Ende der Grundausbildung für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr mitverantwortlich. Zeitungen auswerten, mit Journalisten telefonieren, bei Feierlichkeiten fotografieren – ein „abwechslungsreicher Job“, erzählt der 19-Jährige zufrieden. Doch: aller Anfang war schwer.
Besonders die ersten Wochen der damals noch dreimonatigen Grundausbildung machten dem Abiturienten zu schaffen. Statt mit Freunden im Cafe zu sitzen standen Gewaltmärsche mit den Kameraden auf dem Programm. „Da kam jeder von uns an seine Grenzen“, erinnert sich der Naumburger. „Obwohl ich ein sportlicher Typ bin.“ Doch nicht nur körperlich wurde Christian Holz gefordert. Auch Konzentration und Hirn sind gefordert, dank ausführlicher Ausbildung an der Waffe, Vorbereitungen auf das Biwak und theoretischem Unterricht über Rechte und Pflichten eines Soldaten. „Abends war ich oft nur noch froh, endlich im Bett zu sein“, gesteht der Wehrdienstleistende.
Bereits nach zwei bis drei Wochen hatte sich Christian Holz aber an den Alltag in der Kaserne gewöhnt. Und nutzte ihn als Chance zur Selbstständigkeit: „Es war gut, unter der Woche auch mal von zu Hause weg und auf sich alleine gestellt zu sein.“ Zwar habe der junge Soldat seine alten Freunde vermisst, allerdings auch neue innerhalb der Truppe gefunden. „Außerdem gab es ja noch die Wochenenden, an denen ich oft in meine Heimat gefahren bin.“ Bei einer Stationierung etwa 70 Kilometer vom Elternhaus und einer flotten ICE-Verbindung kein Problem.
„Nicht gleich aufgeben“
Seine Entscheidung, Wehrdienst zu leisten, hat der 19-Jährige nach eigenen Aussagen nicht bereut. „Es ist eine gute Möglichkeit, um das eigene Leben nach dem Abi zu planen“, begründet er seinen Gang zur Armee. Außerdem habe er gelernt, eigene Interessen im Sinne der Gemeinschaft zurück zu stellen. Und: „Hier darf ich nicht gleich aufgeben, wenn es Probleme gibt. Das stärkt das Durchhaltevermögen.“
Dennoch: Eine freiwillige Verlängerung des Wehrdienstes ist für Christian Holz keine Option. In Kürze verabschiedet sich der Obergefreite von Spind und Schlafsaal beginnt im Oktober ein Studium an der Technischen Universität in Dresden. „Ich hatte mich dort bereits vor dem Soldatendienst für Maschinenbau beworben und eine Zusage erhalten. Dann kam der Einberufungsbescheid dazwischen“, berichtet der Abiturient. Verloren hat er seinen Anspruch auf den Platz dadurch nicht – er wird bis nach dem Ende des Wehr- oder Ersatzdienstes reserviert.
Der 19-Jährige ist sich sicher, dass die Zeit bei der Truppe auch dazu beigetragen hat, seinen Studienwunsch zu festigen. „Bei der Bundeswehr wurde ich mit vielen Berufsrichtungen konfrontiert und durfte in zahlreiche Bereiche schnuppern“, resümiert der Naumburger. Besonders interessant sei dabei die Tätigkeit im Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gewesen. Trotzdem: Christian Holz ist mit seiner Entscheidung, eine technisch-akademische Laufbahn einschlagen zu wollen, jetzt erst recht sicher. Da klingelt der Wecker dann vielleicht auch nicht ganz so früh wie in der Kaserne.





