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Wartesemester sinnvoll nutzen

Mehr Bezug zur Praxis

Andreas Albrecht (28) studiert an der Ludwig-Maximilians-Universität in München im sechsten Semester Medizin. Um die Wartezeit für seinen Studienplatz zu überbrücken, hat er zunächst eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemacht.

Bei einem Patienten wird der Blutdruck gemessen. Zu sehen ist die Hand des Patienten, die auf der Bettdecke liegt, das Blutdruckmessgerät und die Hand des Gesundheits- und Krankenpflegers.

Wenn es mit dem Studienplatz in Medizin nicht sofort klappt, kann eine Ausbildung eine Alternative sein. Zum Beispiel als Gesundheits- und Krankenpfleger.

Foto: Weishart

„Ohne die vorhergehende Ausbildung würde ich mir mit dem Lernen im Studium schwerer tun, ich brauche den praktischen Bezug“, sagt Andreas Albrecht. Der 28-jährige Bayer hat schon als Schüler in einem Altenheim gearbeitet. Seinen Zivildienst hat er auf der Station eines Krankenhauses geleistet. „Geholfen habe ich bei der Grundpflege, habe mich mit den alten Menschen unterhalten und sie mobilisiert. Später im Krankenhaus habe ich bei pflegerischen Tätigkeiten, beispielsweise beim Verbandwechsel, assistiert. Damals haben einige Patienten und Mitarbeiter zu mir gesagt, ich solle unbedingt Medizin studieren.“

Sein Abitur hat Andreas Albrecht mit der Durchschnittsnote 2,5 bestanden. „Gerade beim Medizinstudium herrscht immer noch die Vorstellung, es sei nur etwas für Leute, die das Gymnasium mit einer Top-Note verlassen haben. Die Chance, das Fach auch mit einem schlechteren Notendurchschnitt später zu beginnen, wird dann leicht vertan“, findet der Student. Auch er war sich zunächst unsicher, ob ein Medizinstudium tatsächlich das richtige für ihn ist. Darum hat er im Wintersemester 2002/03 zunächst ein Semester lang Geografie studiert, stellte aber schnell fest, dass er doch in den Medizinbereich gehen wollte.

Auf dem Foto ist Andreas Albrecht zu sehen. Er hat lange, rote, lockige Haare, die zu einem Zopf gebunden sind. Er trägt ein grünes T-Shirt und eine Brille. Er lächelt in die Kamera.

Andreas Albrecht

Foto: Privat

Zum darauffolgenden Sommersemester bewarb er sich bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), der Vorgängereinrichtung von hochschulstart.de, um einen Studienplatz in Medizin, erhielt jedoch eine Absage. Daraufhin fasste er den Entschluss, im Oktober 2003 zuerst eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger an einem Münchner Krankenhaus zu machen. In der Zeit bis zum Ausbildungsbeginn jobbte er in einem Altenheim als Pflegehelfer, außerdem war er eine Zeit lang im Ausland. „Die Ausbildung wollte ich auf jeden Fall abschließen und mich erst dann wieder um einen Studienplatz bemühen“, sagt Andreas Albrecht. Im letzten Ausbildungsjahr bewarb er sich erneut bei der ZVS, zum Wintersemester 2006/07. Über die Wartezeitquote erhielt er schließlich einen Studienplatz an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Ich habe München als erste Präferenz angegeben, aber natürlich auch noch weitere Studienorte“, erinnert sich der Medizinstudent. „Ich habe mir damals in der ZVS-Statistik die N.C.-Werte der einzelnen Unis angesehen und mich auch über die Auswahlverfahren informiert. Davon ausgehend habe ich dann meine Präferenzen angegeben und mir für München gute Chancen ausgerechnet.“ Insgesamt betrug seine Wartezeit neun Semester.

Leichteres Lernen

Dass er zunächst die Ausbildung absolviert hat, empfindet der 28-Jährige rückblickend als guten Weg. „Oft höre ich von Dingen, die ich bereits in meiner Ausbildung gelernt habe. Dazu bekomme ich jetzt viel mehr Hintergrundwissen, die Themen werden tiefer behandelt und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Dass ich die Arbeit im Krankenhaus aus eigener Erfahrung kenne, macht es für mich leichter. Denn besonders in den ersten Semestern ist oft alles recht abstrakt, weil man wenig Kontakt mit Patienten hat.“

Neben dem Studium arbeitet der Student in einem Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München auf der Intensivstation als Gesundheits- und Krankenpfleger. „Die praktische Arbeit ist für mich ein guter Ausgleich zum theoretischen Lernen. Außerdem habe ich inzwischen viel Erfahrung im Umgang mit Patienten“, meint er. Einigen Kommilitonen, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben, fällt der Kontakt mit den Patienten nicht immer ganz so leicht: „Sie müssen manchmal eine gewisse Scheu überwinden, wenn es darum geht, Patienten zu untersuchen.“ Ob er nach dem Studium weiter im Krankenhaus arbeiten möchte oder lieber eine eigene Praxis eröffnet, steht für Andreas Albrecht noch nicht fest. „Wichtig ist mir auf jeden Fall ein guter Kontakt zu den Patienten.“

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