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Bring dich auf den richtigen Kurs!

Zu sehen ist ein gelbes Schild mit der Aufschrift Audimax als Wegweiser.
Das Schnupperstudium als Wegweiser für angehende Studenten.
Foto: Rehm/WillmyCC

Vorbereitung auf das Studium

Bring dich auf den richtigen Kurs!

Abiturienten können aus fast 7.000 Bachelorstudiengängen wählen. Damit sie sich besser entscheiden können, haben die Hochschulen ihre Orientierungsangebote aufgerüstet: Von Schnuppertagen bis hin zum 'studium generale? können Studieninteressierte Fächer testen.

Auf der Kinoleinwand werden Passwörter in Sekundenschnelle gehackt und Geheimcodes entschlüsselt. Alles nur Dramaturgie: „In Wirklichkeit würden die Cracker beim Entschlüsseln wohl graue Haare bekommen“, vermutet Belinda Wesenfeld (18). Mit Verschlüsselungstechnik hat sie sich nämlich schon beschäftigt. Seit der siebten Klasse besucht die Abiturientin jeden Mittwoch eine 90 Minuten lange Mathematikvorlesung. Das Ganze ist Teil des Berliner Schülerzirkels, in dem mathematisch begabte Schüler aus unterschiedlichen Schulen von Dozenten der Humboldt-Universität Einblicke in Fragen erhalten, mit denen sich die Mathematiker an der Hochschule beschäftigen: „Das hat mit Schulunterricht nicht viel zu tun“, berichtet Belinda Wesenfeld. „Es ist eine Vorlesungsreihe über verschiedene mathematische Disziplinen, neben Verschlüsselungsmethoden geht es zum Beispiel auch um Logik und welche unterschiedlichen Arten von Beweisen es gibt. Manchmal geht es auch um abgehobene Fragen wie: Was, wenn sich zwei Parallelen in der Unendlichkeit doch treffen?“

Belinda Wesenfeld steht vor einer Tafel mit mathematischen Formeln. Sie trägt einen lilafarbenen Pullover und eine schwarze Hose. Sie lächelt in die Kamera und hat dunkles Haar.

Belinda Wesenfeld

Foto: Privat

Für die 18-jährige ist das ein Hobby. Positiver Nebeneffekt: Sie konnte ihre Studienwahl näher definieren. „Der Schülerzirkel ist wie eine Art vorgezogenes Ministudium. Natürlich hat mich das geprägt. Es ist aber nicht so, dass alle, die dabei sind, deshalb gleich Mathematik studieren. Ich habe eine ziemlich klare Vorstellung davon bekommen, welche Themen im Mathematikstudium vorkommen und wie Probleme angegangen werden. Ich möchte mich auf jeden Fall mit Mathematik beschäftigen, aber stärker anwendungsbezogen. Daher habe ich mich für den Studiengang Elektrotechnik entschieden.“

Eine andere Möglichkeit, Uniluft zu schnuppern, ist das Frühstudium. Beispielsweise an der Universität Erlangen-Nürnberg und an der Universität Würzburg können besonders begabte und leistungsstarke Schüler schon während der Kollegstufe als Frühstudierende an Lehrveranstaltungen in bestimmten Studienfächern teilnehmen. Die Schüler werden für die Zeit der Vorlesung vom Schulunterricht freigestellt. Wer nach dem Abitur ein Studium im entsprechenden Studiengang aufnimmt, kann sich sogar die erbrachten Leistungsnachweise anerkennen lassen. „Auf diese Weise sollen motivierte Begabte gemäß ihren Interessen gefördert werden“, erklärt Dr. Eva Stumpf von der Begabungsberatungsstelle der Universität Würzburg (siehe auch morgens Schule, nachmittags Uni).

Nicht nur für Hochbegabte

„Während sich ein Frühstudium klar an leistungsstarke Schüler richtet, gibt es auch viele leistungsunabhängige Orientierungsangebote. Das reicht von Schnuppertagen, Orientierungsstudium, Sommeruniversitäten und Schnupperstudium bis hin zu einem ‚studium generale‘“, zählt Beraterin Birgit Dömkes von der Agentur für Arbeit in Heidelberg auf. Doch nicht immer sind die Begriffe klar definiert. ‚studium generale‘ ist eigentlich eine bunt gemischte Vorlesungsreihe, die sich an alle Studierenden richtet. Es kann aber auch ein in der Regel einjähriges Studium oder Lernprogramm für noch Unentschlossene meinen, die Veranstaltungen aus unterschiedlichen Studiengängen besuchen können. „Das ist empfehlenswert für die, die sich überhaupt nicht für eine Fachrichtung entscheiden können", erklärt Birgit Dömkes. Zudem können erbrachte Leistungen in der Regel im späteren Studium angerechnet werden. Das älteste ‚studium generale‘ in Deutschland ist das Leibniz-Kolleg, in dem jedes Jahr rund 50 Abiturienten in Tübingen Seminare aus den Naturwissenschaften, den Geisteswissenschaften, den Rechts- und den Sozialwissenschaften wählen können. Ein Angebot, das auf naturwissenschaftlich interessierte Schüler zugeschnitten ist, ist beispielsweise das ‚studium naturale‘ der TU München: „Mit dem Angebot wollen wir nicht nur orientieren, sondern zudem die Abbrecherquoten reduzieren“, erklärt Dr. Miriam Mann, Studienkoordination am Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München (siehe auch Welche Naturwissenschaft soll es werden?).

Neben dem Leuphana Semester der Universität Lüneburg, das Vorlesungen, Übungen und Seminare aus den Modulen „Wissenschaft macht Geschichte“, „Wissenschaft nutzt Methoden“, Wissenschaft kennt disziplinäre Grenzen“ und „Wissenschaft trägt Verantwortung“ anbietet, ist auch das sogenannte Schnupperstudium beliebt. Es wird von vielen deutschen Hochschulen, beispielsweise der Universität Stuttgart, der Universität Heidelberg und der Hochschule Niederrhein, angeboten. Die Abläufe sind unterschiedlich: Bei manchen Angeboten können Interessierte ausgewählte Veranstaltungen verschiedener Fachrichtungen im laufenden Semester ohne Anmeldung besuchen, bei anderen finden die Veranstaltungen als Block während der Schulferien statt. Immer mehr Hochschulen bieten ein sogenanntes Orientierungssemester an, das sich an Schüler der Oberstufe richtet. In der Regel ist man nicht regulär eingeschrieben und zahlt somit keine Studiengebühren. Das Programmangebot variiert von Hochschule zu Hochschule. An der Universität Oldenburg haben Dozenten aus dem regulären Lehrangebot einen Veranstaltungskatalog zusammengestellt. Die freigegeben Lehrveranstaltungen können ohne Voranmeldung einmalig besucht werden. Wem das nicht reicht, der kann wie Bell-Yvonne Schnalle (23) auch als dauerhafte Gasthörerin kommen. Sie meldete sich für Wirtschaftswissenschaften, Englisch und Mathematik an. „Ich habe erst eine Berufsausbildung abgeschlossen und mache gerade mein Abitur. Um keine Zeit zu verlieren, möchte ich mir bei der Wahl meines Studiengangs ganz sicher sein.“ Vormittags Schule, nachmittags Studium: „Da ich als Gasthörerin keine Hausaufgaben machen muss, ist das nicht viel Aufwand, hilft mir aber bei meiner Entscheidung.“

Anders verhält es sich mit den sogenannten Vor- oder Brückenkursen. Sie richten sich an Erstsemester bestimmter Studienfächer: „Sie dienen dazu, Wissenslücken zu schließen und Wissen aufzufrischen“, erklärt Beraterin Birgit Dömkes (siehe auch In Mathe den Einstieg finden – und mehr).

MINT für Abiturientinnen

Einige der Angebote richten sich speziell an Abiturientinnen, gerade in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). An der Universität Magdeburg können sie etwa Praktika machen: Drei Wochen können Schülerinnen ab der Klassenstufe 11 in den Sommerferien an den Fakultäten für Maschinenbau, Verfahrens- und Systemtechnik, Informatik, Mathematik, Naturwissenschaft sowie Elektro- und Informationstechnik mitarbeiten. Nach Abschluss des Abiturs gibt es die Variante für zwei Monate.

An der Hochschule Osnabrück hat Barbara Schwarze, Professorin der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik und zugleich Leiterin des Kompetenzzentrums „Technik-Diversity-Chancengleichheit“, das MINT-Technikum ins Leben gerufen. Das Praktikum findet in einem Betrieb statt und ist kombiniert mit einem Schnupperstudium an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik: „Wir wollten zeigen, dass die guten Kontakte, die eine technische Fakultät zu den Unternehmen in der Region hat, für neue, erfolgreiche Konzepte genutzt werden können. Junge Frauen erhalten die Chance, in Betrieb und Hochschule für sechs Monate technische oder naturwissenschaftliche Aufgaben kennenzulernen und parallel dazu an einer ganz normalen Lehrveranstaltung für Erstsemester teilzunehmen“, erklärt Barbara Schwarze. Es geht aber auch kürzer: zum Beispiel in den Ferien. Während der Campus-Thüringen-Tour beispielsweise reisen interessierte Mädchen in einem Bus gemeinsam zu verschiedenen Hochschulen in Thüringen, beim Schnupperstudium der Fachhochschule Köln werden eine Woche lang Veranstaltungen aus den Bereichen Informatik und Ingenieurwissenschaften angeboten.

Nicht zu verwechseln sind all diese Angebote mit den Orientierungswochen und Erstsemestertagen, die zu Beginn eines jeden Semesters abgehalten werden und die dazu dienen, den „Erstis“ durch Campus- und Bibliotheksführungen, Infoveranstaltungen und Kneipenabenden den Start ins Studium zu erleichtern.

abi>> 30.04.2012