Porzellandosen und Schmiedekunst
Restaurieren, inventarisieren und jede Menge Action auf Seminaren: Ina Rupprecht (19) aus der Nähe von Heidelberg absolviert gerade ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege (FJD). Für abi>> hat sie sich die Zeit genommen, davon zu erzählen.
Zwischen historischen Gebäuden und traditionellem Handwerk: Ina Rupprecht absolviert ihr freiwilliges Jahr in einem Freilichtmuseum.
Foto: Privat
Steckbrief
Name: Ina Rupprecht
Alter: 19 Jahre
Abitur: 2009
Hauptfächer: Mathe, Deutsch, Englisch, Bio und Kunst
Macht gerade: Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege
Und danach? Noch habe ich keine konkreten Pläne, ich interessiere mich aber für den Bereich Museum und Theater.
Die Entscheidung, ein Freiwilliges Jahr zu absolvieren, fiel mir nicht schwer. Ich hatte noch keinen konkreten Berufswunsch, und ich wollte nach der ganzen Theorie der Schule endlich auch mal etwas praktische Erfahrung sammeln. Da sich alle meine Überlegungen um Berufe in Museum und Theater drehten, informierte ich mich über das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur und stieß dabei auf die Jugendbauhütten.
Diese sind ein gemeinsames Projekt der internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) und der deutschen Stiftung Denkmalschutz und richten das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege aus. Man bewirbt sich bei den inzwischen zwölf Jugendbauhütten und bekommt anschließend einen Katalog, in dem die Einsatzstellen kurz beschrieben sind. Davon sollte man sich zwei bis vier aussuchen, bei denen man sich vorstellt, und hoffen, dass eine zusagt … Bei mir war es das Freilichtmuseum „Hessenpark“ im Taunus bei Frankfurt, wo ich seit September mitarbeite.
Die Stelle liegt noch vergleichsweise nah bei meinen Eltern, die bei Heidelberg wohnen, so dass ich noch einmal im Monat zuhause bin. Da die Gegend etwas abgelegen ist und man meinen Arbeitsplatz schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht, hab ich auch ein Auto bekommen – und inzwischen kann ich sogar einigermaßen fahren. Ich musste mir dennoch eine Wohnung mieten – aber dank den 410 Euro, die ich für mein FJD bekomme, und der Unterstützung meiner Eltern klappt es recht gut.
Neues Inventar
Eine unserer Hauptaufgaben ist die Annahme und Inventarisierung von Museumsgut. Dafür muss ich alle neu inventarisierten Teile fotografieren und die Bilder in die digitale Karteikarte einbinden. Hin und wieder inventarisiere ich auch ein Objekt selbst. Dafür wird es beschrieben, vermessen, datiert und mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Wenn die Objekte fotografiert sind, werden sie verpackt und in das jeweilige Lager transportiert. Da das Museum sehr groß ist und eine sehr differenzierte Sammlung hat, bekommen wir so sehr verschieden geartete Objekte zu sehen.
Meine Arbeitszeiten sind sehr flexibel dank unserer Gleitzeitregelung: Ich muss jeden Tag nur mindestens vier bis sechs Stunden anwesend sein und insgesamt vierzig Stunden die Woche arbeiten. Es ist aber natürlich sinnvoll, ungefähr zu der Zeit zu kommen, zu der die meisten anderen auch da sind, damit es was zu tun gibt. Ich teile mir die Stelle in der Restaurierungsabteilung mit einem anderen Freiwilligen.
Ist es hessisch?
Etwa einmal wöchentlich ruft jemand bei uns an und bietet uns neue, besser gesagt alte Objekte an. Dabei kann es sich um Einzelgegenstände handeln oder auch um ganze Sammlungen. Was wir annehmen, hängt davon ab, wie viele ähnliche Objekte wir bereits in der Sammlung haben. Das heißt, ob das Objekt auch aus Hessen stammt und ob es in unsere Sammlung passt.
Gelgentlich übernehme ich den Telefondienst. Weiterhelfen kann ich nur den wenigsten Leuten, aber ich notiere ihre Nummern und vertröste sie auf einen Rückruf. Restauriert wird natürlich auch. Im Augenblick arbeite ich an einer kaputt gegangenen Porzellandose. Dafür musste ich zunächst abgebrochene Stücke ankleben und fehlende Teile mit Kitt ersetzen. Wenn ich das fertig geschliffen habe, wird das Ganze noch retuschiert und versucht die Patina zu erhalten - bis die Dose keine sichtbaren Schäden mehr hat, ihr aber Alter und Geschichte anzusehen sind. Dazu kommen noch gewöhnliche Büroarbeiten, und ich bin voller Hoffnung, dass der Kopierer irgendwann anfängt, das für mich zu tun, was ich von ihm will. Ich arbeite auch mit beim Museumstheater und führe für die Besucher Stücke auf. Und es bietet sich reichlich Gelegenheit, vielen Handwerkern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und sich hier und da auch mal selbst an einem Stück zu versuchen.
Gruppenerfahrungen
Eine weitere Gelegenheit, neue Erfahrungen zu sammeln, bieten die Fachseminare, bei denen man mit einer bestimmten Technik ein eigenes Werkstück anfertigt. Gerade bin ich auf einem Schmiedeseminar. Es gibt insgesamt fünfunddreißig Seminartage während des FJD, die sich auf sieben Seminare verteilen. Je eins am Anfang und Ende und dazwischen fünf Fachseminare, während derer auch jedes Mal ein Baustil behandelt wird.
Alle Freiwilligen einer Jugendbauhütte besuchen diese Seminare gemeinsam, und so wächst die Gruppe schnell zusammen. Besonders für die, die allein an ihrer Einsatzstelle sind, ist das eine Gelegenheit, Gleichaltrige zu treffen. So kann man sich über die jeweiligen Erfahrungen austauschen. Diese Seminare sind immer ein Highlight und so vollgepackt mit Action, dass es schwer ist, zwischendrin Zeit zu finden, um so einen Bericht zu schreiben. Das passiert dann schon mal nebenbei während dem DVD-Abend und morgens beim Auschecken aus der Jugendherberge.
Aus diesem Jahr werde ich sicher einiges mitnehmen denn es hat mir für meine persönliche Entwicklung bereits unglaublich viel gebracht. Nur mein Ziel der Berufsfindung habe ich noch nicht erreicht, aber noch hab ich ja ein halbes Jahr Zeit.





