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Erfahrungsbericht Freiwilliges Soziales Jahr in London

Betreuung zwischen Pub und Big Ben

Christine Mitru aus Nürnberg betreut als Freiwillige in London eine körperbehinderte Frau. Von ihrer Arbeit, aber auch davon, was sie so nach Dienstschluss macht, erzählt sie bei abi>>.

Christine Mitru und andere FSJ'ler auf einem Sofa in einem englischen Pub.

Abends geht Christine Mitru (auf dem Sofa mit grünem Schal) gerne mit Freunden in Pubs oder auf Konzerte.

Foto: Privat

Steckbrief

Name: Christine Mitru

Alter: 19 Jahre

Fachhochschulreife: 2009

Fachliche Richtung: Sozialwesen

Macht gerade: Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in London

Und danach? Studium Soziale Arbeit

Nach meiner Fachhochschulreife wollte ich nicht sofort wieder die Schulbank drücken, beziehungsweise in Vorlesungen sitzen. Ich wollte noch etwas erleben. Die Idee ein FSJ zu machen, kam mir dann eher spontan.

Im Internet bin ich beim Surfen auf die Organisation VIA e.V. aufmerksam geworden, bei der ich mich gleich beworben habe. Die haben mir dann SHAD (Support and Housing Assistance for People with Disabillities) in London vorgestellt. Das sprach mich an. Ziel von SHAD ist, dass die Behinderten so gut es geht eigenständig leben und entscheiden können. Wir, die Freiwilligen, helfen eben immer dann, wenn es nicht weitergeht und sie unsere Hilfe brauchen.

Eigenständiges Leben ermöglichen

Seit Juli 2009 bin ich nun also in London. Ich bin dort sozusagen die persönliche Assistentin einer körperlich behinderten Frau. Ich helfe ihr bei so ziemlich allem: Angefangen bei alltäglichen Aufgaben wie Kochen und Putzen bis hin zu Baden, sie zu Arztterminen begleiten oder ganz einfache Sachen wie E-Mails schreiben. So ein Arbeitstag dauert zwölf Stunden, weil die meisten Behinderten bei so ziemlich allem unsere Hilfe brauchen.

Oft teilen sich die Freiwilligen auch „ein Projekt“. Dann wird in Schichten gearbeitet. Natürlich haben wir aber auch freie Tage. Wir arbeiten je zwei Tage und haben dann zwei Tage für uns. Die Arbeit ist sehr interessant, weil man nicht nur viel über Behinderungen lernt, sondern auch, wie es ist, behindert zu sein, mit welchen Einschränkungen ein Rollstuhlfahrer (“Wheelchairuser”) zu leben hat.

Die Anfangs- und Eingewöhnungszeit in London war gar nicht so schwer. Ich konnte mich schnell einleben, vor allem weil die Leute aus der Organisation sehr nett und freundlich sind. Das Einarbeiten haben andere Freiwillige übernommen, die das Ganze schon länger gemacht haben. Die konnten mir dann alles erklären und mir London zeigen. Die Behinderten selbst sind auch sehr nett und erzählen einem viel über Kultur und Geschichte Londons.

Hilfe bei Studienwahl

London ist wirklich eine einzigartige und tolle Stadt. Ich glaube man hat kaum irgendwo so viele Freizeitmöglichkeiten wie hier. Jeden Tag, von Montag bis Sonntag, ist was los: Ob Livemusik, Theater oder einfach nur Freunde treffen im Pub um die Ecke. Die Menschen hier sind alle nett, freundlich, sehr offen und gehen direkt auf dich zu. Aber es ist auch sehr hektisch hier. Alles muss sofort und auf der Stelle passieren.

Ich wohne hier in einer eigenen Wohnung, die von SHAD zur Verfügung gestellt wird, mit meiner Projektkollegin zusammen. Ich bekomme 260 Pfund (rund 300 Euro) im Monat. Zusammen mit dem Kindergeld reicht das schon zum Leben, auch wenn London an sich sehr teuer ist.

Noch bis Juli 2010 werde ich hier wohnen und arbeiten. Danach werde ich erstmal eine kleine Europareise machen und dann mit dem Studium anfangen, am liebsten Soziale Arbeit. Das Jahr hier zeigt mir, dass mir das sicher liegt und Spaß macht.

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