Selbstständig, kinderlieb und offen für Neues
Seit 24 Jahren ist Susanne Caudera-Preil im internationalen Jugendaustausch tätig. Sie vermittelt selbst Au-pairs und hat bereits mehrere Bücher zum Thema geschrieben.
Susanne Caudera-Preil Foto: Privat
abi>>: Junge Menschen, die als Au-pair ins Ausland gehen, wollen natürlich sicher sein, dass sie in einer netten Familie landen und sich dort wohl fühlen. Woran erkennt man eine seriöse Au-pair-Agentur?
Susanne Caudera-Preil: Inzwischen ist es relativ einfach, eine gute Agentur zu finden, weil es nämlich Au-pair-Verbände gibt. Wenn eine Agentur in einem der Fachverbände Mitglied ist, dann kann man sicher sein, dass sie und deren Partneragenturen im Ausland seriös und zuverlässig arbeiten. Es gibt drei solcher Verbände: die International Au Pair Association (IAPA), den Bundesverband Au Pair Society e.V. und die Gütegemeinschaft Au Pair e.V. Außerdem wurde 2006 das Gütesiegel RAL für Au-pair-Vermittler eingeführt. Für eine Agentur ist es enorm aufwändig, dieses Gütezeichen zu bekommen und zu halten, weil viele Auflagen zu erfüllen und hohe Qualitätsstandards einzuhalten sind. Außerdem müssen sich diese Agenturen einer jährlichen, unabhängigen Prüfung unterziehen.
abi>>: Könnte man sich auch auf eigene Faust eine Gastfamilie suchen?
Susanne Caudera-Preil: Das sollte man auf keinen Fall tun! Wenn man als Au-pair ohne Agentur zu einer Gastfamilie geht und es dort Probleme oder Konflikte gibt, ist man auf sich alleine gestellt. Wurde man hingegen über eine seriöse Agentur vermittelt, bekommt man Unterstützung vor Ort und notfalls wird auch ein Gastfamilienwechsel organisiert.
abi>>: Über welche Charaktereigenschaften sollte man verfügen, wenn man Au-Pair werden möchte?
Susanne Caudera-Preil: Man sollte relativ selbstständig sein und nicht darauf spekulieren, dass man erst im Ausland selbstständig wird. Man sollte Kinder sehr, sehr gerne haben und allgemein den Umgang mit Kindern lieben. Denn das ist der Job! Außerdem sollte man offen für Neues sein. Man kommt aus seiner vertrauten Umgebung in ein anderes Land mit einer fremden Kultur und Sprache. Alles ist zunächst neu und ungewohnt. Das ist spannend, aufregend und überwältigend. Es erfordert aber auch Offenheit, Toleranz und Kompromissbereitschaft.
abi>>: Welche Aufgaben haben Au-pairs in den Familien?
Susanne Caudera-Preil: Vor allem in den USA geht es überwiegend um die Kinderbetreuung. Dazu gehört, dass man das Kinderzimmer aufräumt, die Kinder in den Kindergarten oder die Schule bringt oder das Mittagessen zubereitet. In den Ländern außerhalb der USA erwarten die Familien von den Au-pairs auch Mitarbeit im Haushalt, etwa Staubsaugen, Spülmaschine ausräumen oder Bügeln.
abi>>: Wenn es dann doch mal Streit zwischen dem Au-pair und der Gastfamilie gibt, woran hakt es da meistens?
Susanne Caudera-Preil: Bei den Au-pairs kommt es öfter mal vor, dass sie sich überfordert fühlen und mit den Arbeitszeiten nicht einverstanden sind. Manche Gastfamilien beklagen sich, dass das Au-pair sich ihrer Meinung nach nicht genug in die Familie integriert, sondern lieber ausgeht. Sie wünschen sich ein Au-pair, das sich wie die große Schwester verhält. Diese Streitpunkte können von Anfang an verhindert werden, wenn beide Seiten genau wissen, was sie voneinander erwarten.
abi>>: In einigen Bundesländern haben wir dieses Jahr einen doppelten Abiturjahrgang. Inwiefern spüren Sie das bei der Vermittlung von Au-pairs?
Susanne Caudera-Preil: Wir haben deutlich mehr Bewerbungen als letztes Jahr zur gleichen Zeit. Dieses Jahr ist es wichtig, sich früh zu bewerben. Wer sich bis spätestens April beworben hat, hat gute Chancen in eine Gastfamilie vermittelt zu werden. Wenn wir irgendwann zu viele Anfragen haben, nehmen wir keine Bewerbungen mehr an.
abi>>: Früher waren ja ausschließlich Mädchen Au-Pairs. Ist das immer noch so, oder gehen auch immer mehr Jungs auf diesem Weg ins Ausland?
Susanne Caudera-Preil: Es ist immer noch so, dass es zu 95 Prozent Mädchen sind. Auch 95 Prozent der Gastfamilien wollen nur Mädchen als Au-Pairs. Dennoch haben Jungs, die sich bewerben, auch gute Chancen. Sie sollten allerdings die gleichen Qualifikationen mitbringen, wie die Mädels. Das heißt, sie sollten schon mal kleine Kinder betreut haben. Beim Babysitten oder bei einem Praktikum im Kindergarten etwa. Denn die meisten Familien, die sich ein Au Pair suchen, haben sehr kleine Kinder.




