"I love you, Juju"
Nach ihrem Abitur flog Judith Warnke (22) als Au-Pair nach San Francisco. Sie war so begeistert, dass sie ihr Jahr um zwölf Monate verlängerte.
Nicht nur Babysitting stand auf dem Programm, Judith Warnke belegte auch einen Spanisch- und einen Kulturanthropologiekurs und machte etwas mit Freunden.
Foto: Privat
„Heimweh hatte ich nicht. Es war immer so viel los, ich war eigentlich immer beschäftigt.“ Wenn Judith Warnke von ihrem Au-Pair Aufenthalt erzählt, tut sie das mit großer Begeisterung. Schließlich hat sie in San Francisco, „der schönsten Stadt der Welt“, nicht nur zwei tolle Jahre in zwei Familien verbracht, die sie sofort ins Herz schloss, sondern ihren Freund kennengelernt, viele neue Freundschaften geschlossen und die Vereinigten Staaten bereist.
Viele Interviews
Die Idee, ein Au-Pair-Jahr zu machen, kam Judith in der 12. Klasse. Zuvor hatte sie mit der Organisation AYUSA ein Austauschjahr in die USA gemacht. Dieselbe Organisation bietet auch Au-Pair-Aufenthalte in den USA und Australien an. Judith Warnke ging mit einer Freundin zu einer Informationsveranstaltung. „Danach waren wir Feuer und Flamme“, erzählt sie lachend. Die Bewerbung war für sie kein Problem. Es werden 200 Stunden in der Betreuung kleiner Kinder vorausgesetzt. Diese hatte sie durch verschiedene Babysittingjobs längst zusammen. Was sie bei möglichen Gastfamilien besonders beliebt machte, war ihr Austauschjahr und damit verbunden ihr sehr gutes Englisch.
Insgesamt sprach sie mit fast 20 Gastfamilien bevor sie sich für eine, die Familie Kent, entschied. Kurz nach ihrem Abitur, im Juli 2007, ging es dann auch schon los. Die ersten Wochen waren sehr anstrengend. „Es ist eben doch ein großer Unterschied, ob man mal einen Nachmittag oder fünf Tage die Woche jeweils neun Stunden auf Kinder aufpasst“, sagt sie, aber erzählt weiter, wie sie die beiden Kinder sofort in ihr Herz schloss. Besonders hängen geblieben ist ihr der Moment, in dem Alexander, eines „ihrer“ Kinder, sie plötzlich umarmte und „I love you, Juju“ sagte.
Alexander war damals eineinhalb und seine kleine Schwester Jacky kam im November 2007, also nachdem Judith schon drei Monate in der Familie war, auf die Welt. Mit den beiden verbrachte sie den Tag. Morgens ging es nach dem Frühstück raus zum spazieren gehen und Vögel füttern. Nach dem Mittagsschlaf kochte Judith und ging dann mit den beiden auf den Spielplatz, damit Alexander sich austoben konnte. Sobald ihre Gastmutter am Nachmittag nach Hause kam, hatte sie Freizeit. Die verbrachte sie mit anderen Au-Pairs, später mit amerikanischen Freunden und ihrem Freund. Außerdem belegte sie zwei Spanisch- und einen Kulturanthropologiekurs. Diese Collegekurse sind Pflicht und Voraussetzung für die Bewilligung des Visums. Sie werden von den Gasteltern bezahlt. Sechs Credits, beziehungsweise 60 Stunden, muss man in dem Jahr sammeln. Da bieten sich natürlich Sprachkurse an, oder solche, die in die Richtung des späteren Wunschstudiums gehen.
Heimweh nach San Francisco
Mitte 2008 zog ihre Gastfamilie nach Utah. Sie selber wollte aber in San Francisco bleiben und wechselte daher die Familie. Hier hatte sie drei Kinder zu betreuen. Die elfjährige Jessica, die neun Jahre alte Sarah und den zweijährigen Ben. Ihre Aufgaben waren in etwa dieselben: kochen, spielen, spazieren gehen. Außerdem
noch Sarah von der Schule abholen und mit ihr Hausaufgaben machen. Auch in dieser Familie gefiel es ihr sehr gut, und sie verlängerte den Aufenthalt. Sie hatte noch viel Zeit, das Land zu erkunden, und die US-Amerikaner besser kennenzulernen. „Amerikaner sind unglaublich freundlich und hilfsbereit, doch enge Freundschaften entwickeln sich nur langsam. Was wir Deutsche oft als oberflächig bezeichnen, sind dort einfach die höflichen Umgangsformen.“
Im April 2009 war ihre Au-Pair-Zeit vorbei. Wieder zurück zu kommen, vom hügeligen San Francisco ins flache Berlin, war für die 22-Jährige ein kleiner Schock. „Auf einmal sprachen alle Leute um mich herum wieder deutsch. Es fühlte sich einfach falsch an.“ berichtet sie. „Ich habe einige Zeit gebraucht um mich hier wieder zu Hause zu fühlen.“ San Francisco vermisse sie immer noch sehr. Demnächst wird sie auch wieder dorthin fliegen und die beiden Familien besuchen, zu denen sie weiterhin Kontakt hält.
„Au-Pairs gewinnen unglaublich viel“, ist auf der Homepage von AYUSA zu lesen. Im Falle von Judith Warnke, die ab Herbst Psychologie studieren will, trifft das auf jeden Fall zu. Sie hat sich in einer fremden Stadt ein neues Zuhause geschaffen, hat Freunde gefunden und ist selbstständig geworden. Sie hat gelernt, schwierige Situationen zu meistern, kann Englisch nahezu perfekt sprechen und weiß jetzt, wie es sich anfühlt, einen Full-Time-Job zu haben. „Für mich war der Au-Pair-Aufenthalt der letzte und wichtigste Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden.“






