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Erfahrungsbericht Au-pair

Was ist ein "teeter-totter"?

Seit ein paar Tagen ist Stefanie Lingk (20) wieder zu Hause in Mommenheim, in der Nähe von Mainz. Zuvor hat sie sieben Monate in Neuseeland als Au-pair gearbeitet.

Das Foto zeigt Stefanie Lingk in den Alpen der neuseeländischen Südinsel. sie hat blonde lange Haare, trägt ein langärmeliges T-Shirt, ein Tuch und eine Sonnenbrille.

Zwei Wochen lang hat Stefanie Lingk die Südinsel Neuseelands mit dem Bus erkundet.

Foto: Privat

Nach dem Abitur wollte ich nicht gleich mit dem Studium beginnen, sondern ins Ausland gehen. Da ich gerne Kinder betreue, lag für mich die Möglichkeit, als Au-pair zu arbeiten, auf der Hand. Ich habe viele Filme über Neuseeland gesehen: die grünen Täler, das Meer, Fjorde, Berge, Vulkane, Geysire und Delfine, das alles hat mich fasziniert. Neuseeland liegt zudem nicht gerade um die Ecke, so dass ich beim ersten Anflug von Heimweh nicht einfach in den nächsten Zug hätte steigen können.

Bei der Suche nach einer seriösen Vermittlungsagentur war mir wichtig, dass ich erst bezahle, wenn eine Vermittlung wirklich zustande kommt, und dass die Agentur Mitglied in einem Fachverband ist. Zwar habe ich oft gelesen, man brauche mindestens sechs Monate Vorlaufzeit, bei mir ging aber alles sehr schnell. Zwei Wochen nach der Kontaktaufnahme saß ich bereits im Flugzeug nach Auckland. Als Referenzen für Kinderbetreuung konnte ich ein Praktikum in einer Grundschule, Erfahrung als Babysitterin und Kursleiterin angeben. Teil der Bewerbung waren zudem ein Brief an die Gasteltern und ein Beleg meiner Englischkenntnisse. Dafür reichte aber das Abiturzeugnis. Für die Einreise musste ich ein Working Holiday Visum mit einer Aufenthaltsgenehmigung für zwölf Monate beantragen.  Das ging aber ganz unkompliziert über die Webseite der neuseeländischen Botschaft in Berlin.

Stefanie Lingk läuft auf Spikes durch eine Gletscherspalte. Sie hat blonde Haare, trägt eine blaue Winterjacke, einen Schal und eine Sonnenbrille.

Stefanie Lingk

Foto: Privat

Meine Gasteltern und die beiden Kinder, ein fünfjähriger Junge und ein siebenjähriges Mädchen, leben in Campbells-Bay, einem Vorort von Auckland, direkt am Meer. Mit den Kindern dort am Strand zu spielen war natürlich toll. Dass ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt habe, lag an der herzlichen Art der Familie. Schon die Ankunft war toll: Alle standen am Flughafen, um mich abzuholen. Die Kinder hatten sich ganz schüchtern hinter der Mutter versteckt. Aber schon am Abend, nachdem ich kleine Mitbringsel verteilt hatte, tauten die beiden auf. Hilfreich war auch, dass die Gastmutter die ersten drei Tage zu Hause war und wir uns langsam aneinander gewöhnen konnten.  

Strukturierter Tagesablauf

Da ich nicht das erste Au-pair in der Familie war, bemühten sich die Kinder langsam zu sprechen. Gerade in der Kindersprache gibt es wirklich lustige Begriffe, die man in der Schule nicht lernt, „teeter-totter“ etwa für Wippe.  Morgens habe ich zuerst das Frühstück für die Kinder zubereitet und sie dann zur Schule gebracht. Nachdem ich das Haus aufgeräumt hatte, hatte ich bis zum Schulende um drei Uhr Zeit für mich. Danach standen Hausaufgaben, Kinderfreizeit und ein gemeinsames Abendessen auf dem Programm. Einen Führerschein sollte man in Neuseeland auf jeden Fall mitbringen, allein schon um die Kinder nachmittags zu ihren Aktivitäten fahren zu können.

Einmal im Monat gab es ein Au-pair Treffen in einem Café in Auckland. Dort habe ich viele Leute kennengelernt, mit denen ich an den Wochenenden oft Ausflüge unternommen habe. Interessant war aber auch der Urlaub mit der Familie. Wir waren bei den Großeltern auf einer Schaffarm, wo ich zum ersten Mal Schafe geschoren habe. Ansonsten konnte ich noch zwei Wochen auf eigene Faust die Südinseln bereisen. Das alles kostet sehr viel Geld und lässt sich nicht von den 400 Euro Taschengeld finanzieren. Da aber jedes Au-pair in Neuseeland Zugriff auf ein Konto mit mindestens 2.000 Euro im Heimatland haben muss, konnte ich dieses Geld dafür verwenden. Alles in allem bin ich wirklich froh, nach Neuseeland gefahren zu sein.

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