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Schulfächer und Berufswahl

Interessen und gute Noten richtig interpretieren

Bei der Entscheidung für einen Studien- oder Berufsweg orientieren sich viele Schüler an ihren Lieblingsfächern oder an den Fächern, in denen ihre Noten am besten sind. Daraus ergibt sich aber oft ein zu einseitiges Bild der eigenen Interessen und Stärken.

Auf dem Bild ist eine Schulklasse von hinten zu sehen. Vorne an der Tafel steht ein Lehrer und erklärt etwas. dabei hält er ein Blatt Papier in der Hand.

Bei der Studien- und Berufswahl können Lieblingsfächer in der Schule Ausgangspunkt sein, allerdings sollte man seine Entscheidung nicht alleine davon abhängig machen.

Foto: Schwelle

Wo andere sich die Haare raufen und das alles viel zu trocken finden, ist Jonathan Rauwolf in seinem Element: Geschichte sowie ‚Politik und Wirtschaft’ waren in der Schule seine Lieblingsfächer. „Ich vertiefe mich gern in historische Texte und kann mir Jahreszahlen gut merken“, erklärt der 22-Jährige, der gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Wohnheim für Demenzkranke beendet hat.

Auf dem Bild ist ein junger Mann mit braunen Haaren und Brille zu sehen, der freundlich in die Kamera lacht. Er hat schöne, gerade Zähne und trägt ein grün gestreiftes Hemd.

Jonathan Rauwolf

Foto: Privat

„Außerdem habe ich schon als Schüler regelmäßig die Zeitung gelesen.“ Was also jetzt beruflich daraus machen? Ein Geschichtsstudium? Oder doch Gerontologie, weil die Seniorenarbeit ihm auch gefallen hat?

„Bei der Entscheidung für einen Studien- und Berufsweg ist es sinnvoll, nicht nur Lieblingsfächer, Leistungskurse und gute Noten, sondern auch Hobbys, Erfahrungen aus Praktika oder Ehrenämtern in die Überlegungen mit einzubeziehen“, sagt Kerstin Koch, Berufsberaterin für akademische Berufe in der Arbeitsagentur Darmstadt. „Wichtig ist zu fragen: Was ist es denn genau, was mich daran interessiert?“ So lassen sich Querverbindungen zwischen Interessen herstellen, die auf den ersten Blick gar nichts gemeinsam haben. Und genau darauf baut die fundierte Berufsentscheidung auf.

Schulfach ist nicht gleich Studienfach

Sich allein auf seine Lieblingsfächer und guten Noten zu verlassen, kann problematisch sein, weil sie oft vom Lehrer abhängen. Auch Leistungskurse werden nicht immer nach Interessen gewählt, sondern manchmal mangels Alternativen. „Das größte Problem sehe ich darin, dass die Schüler in der Sekundarstufe II strategisch vorgehen müssen“, erklärt Bernd Nixdorff,

Auf dem Bild ist ein Mann mit rotem Pulli zu sehen. Er sitzt in einem Sessel und hat seinen Kopf an seine linke Hand gestützt. Er schaut direkt in die Kamera.

Bernd Nixdorff

Foto: Privat

Studienberater an der Universität Hamburg. „Entweder sie wählen leichtere Fächer, um den Numerus Clausus für ihr Traumstudium zu erreichen, verpassen dabei aber die Chance, das Fach auszuprobieren, was ihnen wirklich Spaß macht. Oder sie wählen ihren Neigungen entsprechend, riskieren schlechtere Noten und damit unter Umständen das Aus für ihr Traumstudium.“

Nur im Idealfall fallen die Leistungskurse mit den Interessen, den guten Noten und den Talenten eines Schülers zusammen. Und selbst dann ist es nicht ratsam, eine Berufsentscheidung in diese Fachrichtung ohne weitere Hintergrundinformationen zu fällen. Zum einen unterscheiden sich Schulfach und Studienfach vom Inhalt her zum Teil doch gewaltig, auch wenn sie genauso heißen. Und zwischen Schulfach und Berufsalltag liegen ganze Welten. „Wenn ein Schüler zu mir sagt, er will Französisch studieren, weil er im Französischunterricht gern Vokabeln gelernt hat, dann muss ich ihm sagen: Im Französischstudium geht es aber um etwas ganz anderes“, sagt Bernd Nixdorff. „Da beschäftigt man sich schwerpunktmäßig mit Literaturwissenschaft und Linguistik, die Sprachpraxis ist nur ein Teil des Studiums.“

Zum anderen geht die Rechnung „Gute Note im Musik-LK = gute Examensnote im Musikstudium“ nicht unbedingt auf. Der Studienerfolg hängt nicht nur vom Schulerfolg, sondern zum Beispiel auch von den Lernbedingungen an der Universität und den individuellen Lebensumständen während des Studiums ab. „Forscher suchen schon lange erfolglos nach einer Möglichkeit, die Examensnote vorherzusagen. Bisher wissen sie nur, dass auf die Abiturnote nur in knapp 50 Prozent der Fälle eine ähnliche Examensnote folgt“, erläutert Studienberater Nixdorff. „Sicher ist dagegen, dass Studienerfolg von guter Beratung abhängt. Wer seine Entscheidung wohlüberlegt fällt, wird auch besser in seinem Fach zurechtkommen.“

Richtig suchen im abi>> Portal

Jede Menge Hintergrundinformationen zu einzelnen Schulfächern und damit verbundenen Studien- und Berufsfeldern gibt es im abi>> Portal in der Rubrik „Orientieren & Entscheiden“ unter dem Menüpunkt „Schulfachsuche“ (erscheint rechts oben). Per Klick auf „erweiterte Suche“ öffnet sich ein Suchfenster, in dem sich ein Schulfach auswählen lässt, zu dem Artikel und weiterführende Links im abi>> Portal gesucht werden. Die Rubrik „Berufs-/Arbeitsfelder“ unter „Orientieren & Entscheiden“ bietet die Möglichkeit, Informationen über Berufe zu suchen, die mit bestimmten Schulfächern, Qualifikationen oder Branchen in Verbindung stehen.

Am Ende spricht nichts dagegen, aus dem Lieblingsschulfach ein Studienfach abzuleiten, solange die Entscheidung wohlüberlegt zustande gekommen ist. Jonathan Rauwolf hat sich schließlich für den Studiengang Geschichte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz eingeschrieben: „All die Dinge, die mich außer Geschichte interessieren, sei es Theaterspielen oder die Seniorenarbeit, haben eines gemeinsam: Sie haben mit Menschen zu tun. Ich bin ein kommunikativer Mensch, und darum werde ich mich während des Studiums auf eine Karriere als Dozent oder Fachjournalist vorbereiten und nicht ins Museum oder Archiv gehen.“

Was man sonst noch beachten sollte

Zwei Dinge noch, die im Zusammenhang mit dem Thema Schulfächer und Berufswahl von Bedeutung sind: Erstens gibt es Schulfächer, in denen es sich für alle Schüler lohnt, ein Grundinteresse aufzubringen und auf gute Noten hinzuarbeiten: Mathe und Deutsch. Denn die Fähigkeiten hier spielen in vielen Auswahlverfahren eine große Rolle und helfen als gute Basis in fast allen Studien- und Berufsfeldern. „Es ist ein Irrtum zu denken: Ich will Maschinenbau studieren oder ein Handwerk lernen, darum brauche ich kein Deutsch“, warnt Hermann Sengfelder, Studien- und Berufswahlkoordinator im Berufsorientierungsbüro der Städtischen Gesamtschule Leverkusen Schlebusch. „Arbeitgeber legen viel Wert auf die Rechtschreibung und die Fähigkeit, sich logisch auszudrücken.“

Zweitens ist natürlich auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt für viele Schüler ein ausschlaggebender Faktor bei der Berufswahl. Oft lohnt sich eine Entscheidung gegen die völlig überlaufenen Studiengänge zugunsten anderer Interessen. Doch Hermann Sengfelder betont in seinen Beratungen immer wieder: „Wenn du beruflich etwas machst, was dich leidenschaftlich interessiert, wirst du dich immer gegen diejenigen durchsetzen, die den Job aus pragmatischen Gründen, zum Beispiel wegen der guten Verdienstmöglichkeiten, gewählt haben.“ Und da ist sie wieder, die wichtigste Frage von allen: Was macht mir Spaß? Und warum?

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