abi>> Ist Musiker zu sein ein Traumberuf für dich?
Max Prosa: Es ist natürlich toll, dass ich das, was ich liebe, tun kann und davon leben kann. Aber ich hatte nie den ausdrücklichen Wunsch, Musiker zu werden. Vor sechs Jahren hätte ich auf jeden Fall noch nicht gedacht, dass ich heute auf der Bühne stehen würde.
abi>> Was wolltest du denn werden?
Max Prosa: Erst wollte ich Richter werden, weil ich mal ein interessantes Buch darüber gelesen habe. Dann Physiker wie der Vater von meinem besten Freund. Immer wenn wir ihn an der Uni besucht haben, standen dort komplizierte Formeln an der
Tafel. Das hat mich fasziniert. Spannend finde ich auch Naturphänomene wie zum Beispiel den Weltraum.
abi>> Deshalb hast du nach dem Abi begonnen, Physik zu studieren.
Max Prosa: Genau, aber nach zwei Semestern habe ich gemerkt, dass noch mehr in mir schlummert, was mit dem Lebensweg, den ich eingeschlagen hatte, nicht klar kommt. Das Ticken wurde so laut, dass ich spontan beschlossen habe, in den Semesterferien nach Irland zu fahren. Dort habe ich viel auf der Straße musiziert und viele Künstler getroffen. Damals hat es ganz schön in mir gewerkelt und ich wusste irgendwann, dass ich nicht mehr weiterstudieren kann.
abi>> Du singst ausschließlich auf Deutsch. Hat die deutsche Sprache eine besondere Bedeutung für dich?
Max Prosa: Die deutsche Sprache ist meine Muttersprache und sie ist deshalb für mich der einzige Weg, mich in dem Maß auszudrücken, wie ich das möchte. Lyrik ist etwas sehr Feines und wenn ich jetzt auf Englisch texten würde, das wäre in etwa so, wie wenn ein Arzt ein Fleischermesser bei einer OP verwenden würde. Außerdem gefällt mir sehr gut, dass Deutsch so adaptiv ist. Man kann Wortaneinanderschachtelungen bilden wie Kapitänkajüten. Das ist toll.
abi>> Deine Texte haben viel Tiefgang, es geht um Liebe und Trauer. Was inspiriert dich?
Max Prosa: Ich lese sehr viel, auch klassische Literatur wie Dostojewski oder Tolstoi. Darin gibt es manchmal Sätze, an denen ich etwas finde. Ich mache mir dann Notizen und damit ist es dann wie mit einem Samen, den man einpflanzt. Man braucht Zeit und Wasser, manchmal vielleicht ein bisschen Dünger. Jeder Baum ist anders. Und nach und nach entsteht dann ein Text.
abi>> Wie sehr hat sich dein Leben in den vergangenen Monaten verändert?
Max Prosa: Ich bin ständig unterwegs und bekomme natürlich viele neue Eindrücke. Früher war ich ja immer in Berlin, jetzt bin ich mal einen Monat auf Tour oder pendle auch viel zu meinem Management nach Erfurt. Das strengt mich natürlich an. Auf der anderen Seite sind meine Freunde die gleichen geblieben und unser Verhältnis ist toll, wenn wir uns sehen. Meine Eltern freuen sich auch, dass es im Moment so gut läuft. Obwohl sie sich erst daran gewöhnen mussten, dass mein Beruf Künstler sein würde.
abi>> Hast du einen Tipp für Nachwuchsmusiker?
Max Prosa: Da fällt mir das Buch „Briefe an einen jungen Dichter“ von Rilke ein. Die Kernaussage ist, dass man es sich nicht aussucht, Künstler zu sein. Wenn man dazu berufen ist, kann man gar nichts dagegen tun. Rilke antwortet deshalb dem jungen Dichter, der ihn um Rat bittet, dass man es selbst spüren muss. Es ist weniger eine eigene Entscheidung, als man glaubt.
Max Prosa über
Träume… sind wichtig, weil sie unser einziger Zugang zum Unterbewusstsein sind. Je mehr wir uns damit befassen, desto besser erinnern wir uns auch daran.
Kreativität… bedeutet Chaos, ist eine Vorbedingung der Kunst.
Literatur… für mich eine wichtige Inspiration und die einzige Form, sich in einer anderen Welt wiederzufinden.
Karriere… ist Beiwerk zur Kunst, hat aber nichts damit zu tun, Songs zu schreiben. Ist nichts, was die Kunst direkt betrifft.
Liebe… versuche ich abseits von Konventionen und Erwartungen zu sehen. Liebe ist bedingungslos und ohne Voraussetzung.






