Tüfteln wie ein Ingenieur
"Es war eine tolle Woche." Das ist nicht das einzige Fazit, das Lea Deuter (18) aus Freising aus dem Forscherinnen-Camp gezogen hat, an dem sie in den Herbstferien teilnahm, sondern es war ihr auch eine Hilfe für die Studienwahl.
Auch Lea Deuter konnte beim Forscherinnen-Camp ihre technische Ader ausleben.
Fotos: Privat
Die Vorliebe für Mathematik liegt in der Familie: der Vater ist Ingenieur, die Mutter Betriebswirtschaftlerin. Kein Wunder, also, dass auch die Tochter nun überlegt in diese Richtung zu gehen. „Aber ich schwanke bei der Studienwahl zwischen Mathematik und Ingenieurwissenschaften“, erklärt die 18-jährige Schülerin, die ein mathematisches Gymnasiums besucht.
Es war eine Durchsage an ihrer Schule, die Lea Deuter auf das Forscherinnen-Camp aufmerksam machte. Jedes Jahr neunmal veranstaltet das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V., mit Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, den Verbänden der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie BAyME und VBM und verschiedenen Unternehmen, dieses Camp um junge Frauen ab 15 Jahren die Ingenieurwissenschaften näher zu bringen – alles kostenlos. Das fand Lea Deuter interessant, füllte die Anmeldung aus, in der sie in ein paar Sätzen erklärte, warum sie daran teilnehmen möchte, schickte das Fax los und bekam ihren Platz.
Fräsen und Druckdüsen
In den Herbstferien 2009 durfte Lea Deuter dann am Forscherinnen-Camp teilnehmen. „Am ersten Tag besuchten wir die Firma Deckel Maho in Kempten.“ Der Betrieb, der unter anderem Fräsmaschinen herstellt, stellte den zwölf Teilnehmerinnen zwei Ingenieure an die Seite, die die Mädchen bei ihrer Projektarbeit in dieser Woche unterstützen sollten. „Unsere Aufgabe war folgende: Bei Fräsmaschinen gibt es ein Sichtfenster, das aber immer wieder mit Kühlmittel verschmutzt wird. Wir nannten das schmutzige Milch. Unsere Aufgabe bestand darin, etwas zu erfinden, damit diese Scheibe nicht mehr schmutzig wird.“
Schon ab dem ersten Tag begannen die Mädels – in zwei Gruppen aufgeteilt – also zu knobeln und zu tüfteln. Ideen wurden gesammelt und wieder verworfen. Alleine waren sie dabei nicht. Auch bei den Besuchen der Hochschule Kempten, bei denen Lea Deuter Vorlesungen zum Beispiel zu dem Thema „Luftströmung“ besuchte, konnte sie die Professoren zu ihrem Projekt befragen und um Rat bitten. „Außerdem konnten wir mit ihnen und Studentinnen über das Studium sprechen.“ Denn auch an der Hochschule wurden den Mädels zwei Betreuerinnen, genauer gesagt eine Maschinenbaustudentin und eine Pädagogin, an die Seite gestellt.
Viele Erkenntnisse
Nachdem Lea Deuter und ihre Mitstreiterinnen sich am dritten Tag für eine Lösung ihres Problems entschieden hatten, konnten sie es am vorletzten Tag auch gleich in die Tat umsetzen. Im Experiment im Betrieb bauten sie Druckdüsen, mithilfe derer das Fenster gereinigt werden sollte – es klappte!
Und weil Ingenieure nicht nur tüfteln und basteln, sondern ihre Ergebnisse auch präsentieren müssen, stellten die jungen Frauen am letzten Tag ihr Projektergebnis vor.
„Es war eine tolle Woche. Ich habe einen guten Einblick in den Beruf des Ingenieurs bekommen. Ich schwanke zwar immer noch, was ich studieren soll. Aber ich tendiere momentan zu Mathematik und Sport auf Lehramt, weil ich gerne mit Jugendlichen arbeiten möchte.“ Nicht nur eine Unterstützung bei der Suche nach dem richtigen Studium hat ihr das Camp gebracht. Auch die Erkenntnis, dass sehr wenige Frauen in diesem Bereich arbeiten: „Das in dem Betrieb nur zwei Ingenieurinnen gearbeitet haben, hat mich geschockt. Das hätte ich nicht gedacht.“





