Kaufmännisches Wissen für Handwerker
Johanna Döben (20) hat im Herbst 2009 ihre Ausbildung zur Augenoptikerin begonnen. Aber das alleine reicht ihr nicht. Parallel dazu qualifiziert sie sich zur Betriebsassistentin im Handwerk.
Viele Unternehmen bieten ihren Azubis die Möglichkeit, eine Zusatzqualifikation zu erwerben.
Foto: Ritter
An zwei Tagen in der Woche fährt Johanna Döben von ihrem Wohnort Warstein in das rund 75 Kilometer entfernte Robert-Bosch-Berufskolleg nach Dortmund. Dort nimmt sie an einem Tag am regulären Berufsschulunterricht für Augenoptiker teil, am anderen hat sie Unterricht im Rahmen einer Zusatzqualifikation: Johanna Döbens Ausbildungsbetrieb ermöglicht seinen Azubis mit Hochschulreife nämlich eine Doppelqualifikation Augenoptiker plus Betriebsassistent im Handwerk. Dem Ausbildungsvertrag ist eine entsprechende Zusatzvereinbarung beigefügt.
Wenn sie nach dem Ende der Weiterbildung ihr Zertifikat erhält, hat die Auszubildende damit gleichzeitig einen Teil der Meisterprüfung abgelegt. „Wer später noch seinen Meister macht, muss den Stoff in sechs Wochen lernen. Jetzt habe ich zwei Jahre Zeit dazu“, freut sie sich. Ein weiterer Vorteil: Während für die Teilnahme an Meisterkursen in der Regel eine Lehrgangsgebühr anfällt, ist die Zusatzqualifikation kostenfrei.
Hohes Lernniveau
Als „Betriebsassistentin im Handwerk“ wird Johanna Döben über kaufmännische Kenntnisse verfügen, die sie sonst im Rahmen ihrer Ausbildung nicht erlernen würde. Sie kann dann Aufgaben an der Schnittstelle zwischen dem technischen und dem kaufmännischen Bereich übernehmen. Die Zusatzqualifikation umfasst 480 Stunden Unterricht in Fächern wie Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Vertrags-, Arbeits- und Sozialrecht. Außerdem erhalten die Azubis Unterricht in Wirtschaftsenglisch. „Im Moment sieht der Unterrichtstag so aus: drei Stunden Betriebswirtschaft, drei Stunden Recht und Rechnungswesen sowie zwei Stunden Wirtschaftsenglisch“, berichtet Johanna Döben. Dabei ist das Lernniveau höher als im Berufsschulunterricht, hat sie festgestellt. „Der Stoff ist anspruchsvoller. Man muss sich konzentrieren, aber es ist zu schaffen“, meint die Nordrhein-Westfälin. Um sich auf Klausuren vorzubereiten, die sie im Rahmen des Berufsschulunterrichts wie auch für ihre Zusatzqualifikation schreibt, lernt sie manchmal auch abends oder am Wochenende.
Trotzdem ist sie mit ihrer Entscheidung rund um zufrieden. „Durch die Zusatzqualifikation erfahre ich Dinge, die ich vorher nicht wusste und die völlig neu für mich sind“, sagt sie. Im Fach Recht hat sich die Auszubildende zum Beispiel mit den verschiedenen Vertragsarten – angefangen vom Kaufvertrag bis zum Mietvertrag – auseinandergesetzt. Im Fach Rechnungswesen lernt sie Buchführung und in Betriebswirtschaft hat sie sich beispielsweise mit unterschiedlichen Fertigungsverfahren wie Fließbandproduktion oder Einzelanfertigung beschäftigt.
Um am Ende der Zusatzqualifikation ein Zertifikat zu erhalten, muss Johanna Döben nicht nur ihre Gesellenprüfung erfolgreich ablegen, sondern auch vor der Handwerkskammer eine schriftliche und praktische Prüfung bestehen. Hinzu kommt eine Sprachprüfung in Wirtschaftsenglisch an der Berufsschule. Ob sie später die Meisterprüfung machen möchte, steht für die Auszubildende noch nicht hundertprozentig fest: „Zunächst will ich mich auf meine Gesellenprüfung konzentrieren, alles Weitere will ich mir noch offen lassen“, sagt Johanna Döben.






