Poesie und harte Fakten
Sprechen, Schreiben, Lesen: Der Umgang mit Sprache spielt bei vielen Tätigkeiten eine Rolle. Doch welche Berufe bieten sich an, wenn Deutsch ganz klar im Vordergrund stehen soll? Markus Bremer vom Team Akademische Berufe der Agentur für Arbeit Göttingen kennt die Antworten.
Wer "etwas mit Deutsch machen möchte", dem fällt häufig ein Germanistik-Studium ein. Dafür ist es unter anderem wichtig, gerne zu lesen.
Foto: Schwelle
Seine Taktik: Er durchleuchtet mit den Ratsuchenden zunächst die Beweggründe: Was bedeutet „Ich mag Deutsch“ konkret? „Meistens sagen die Schüler, dass sie große Freude am Deutsch-Unterricht haben und sehr gerne lesen. In der Regel wollen sie dann auch gleich Germanistik studieren“, schildert Markus Bremer eine typische Beratungssituation. Gerne zu lesen, sei zwar wichtig für dieses Studium, reicht aber nicht als alleinige Motivation, so der Berufsberater: „Ich erkläre deshalb zunächst, was die Inhalte des Germanistikstudiums sind. Das ist nämlich nicht einfach nur ein fortgesetzter Deutschunterricht, wie manche glauben. Es geht hier zum Teil um ganz spezifische Inhalte, die einem liegen müssen, etwa Literatur des Mittelalters oder Sprachwissenschaften.“ Wer also Interesse an allen Aspekten der deutschen Sprache hat, der ist bei einem Germanistikstudium gut aufgehoben.
„Wenn sich jedoch herausstellt, dass der Betreffende Deutsch vor allem deshalb mag, weil er gerne selbst schreibt, der sollte sich vielleicht für das Fach ‚Kreatives Schreiben‘ entscheiden“, rät Markus Bremer. „Die öffentliche Kommunikation lässt sich wiederum mit Medienwissenschaften besser erschließen.“ Eine weitere Option: Wer Wissen über deutsche Sprache und Literatur vermitteln möchte und sich vorstellen kann, vor einer Klasse zu stehen, für den bietet sich vielleicht das Lehramtsstudium Deutsch oder Deutsch als Fremdsprache an.
Berufliche Möglichkeiten
Eine Tätigkeit als Autor, Journalist, Lektor, Pressesprecher oder Lehrer fällt einem da sofort ein. Hier ist der Umgang mit deutscher Sprache eine Kernkompetenz. Arbeitsorte sind klassischerweise Verlage, Fernseh- und Hörfunkanstalten oder die Presse- und Öffentlichkeitsabteilung in Unternehmen. Wer ein wenig um die Ecke denkt, findet noch weitere Arbeitsfelder und damit Möglichkeiten, sein Faible für deutsche Sprache beruflich einzusetzen: So werden gute Texte auch in Drehbüchern oder in der Werbung gebraucht, und Germanisten können mit einer entsprechenden Schwerpunktsetzung im Studium auch als klinische Linguisten arbeiten, um Patienten mit Sprechstörungen zu helfen.
Mit den Einsatzbereichen variieren auch die Fähigkeiten, die außer Sprachgefühl verlangt werden: Ein Lehrer ist zugleich Pädagoge, ein Lektor muss auch betriebswirtschaftlich denken.
Neben den genannten Berufen ist der gewählte Umgang mit der deutschen Sprache noch in vielen anderen Positionen ein Erfolgsfaktor, etwa für Bibliothekare, Psychologen, Juristen oder auch für Tätigkeiten im Verkauf. Denn jedes gesprochene oder geschriebene Wort weckt bestimmte Vorstellungen bei Kunden oder Patienten.
„Karriere beginnt im Studium“
Manchmal ist der berufliche Werdegang eindeutig vorgezeichnet: Wer Deutschlehrer werden will, muss Deutsch studieren und ein Referendariat durchlaufen. Doch bei einigen Berufen ist das Studienfach sekundär, etwa für Journalisten. Für diese Tätigkeit muss man nicht unbedingt Germanistik studieren, sondern vor allem Praxiserfahrung sammeln. Das rät auch Markus Bremer, und der Berufsberater kennt die Medienbranche; er hat zuvor selbst als Werbetexter und freier Mitarbeiter bei einem niedersächsischen Radiosender gearbeitet.


