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Interview

"Sich informieren und anregen lassen"

Dr. Ulrike Struwe ist Leiterin der Initiative "Komm, mach MINT". abi>> sprach mit ihr über die Chancen von Frauen in MINT-Berufen (also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und wie sich junge Frauen als Forscherinnen ausprobieren können.

Eine Frau steht verpackt in einem Schutzanzug im Labor und macht ein Experiment.

MINT-Berufe bieten spannende Möglichkeiten, auch in der Forschung.

Foto: WillmyCC

abi>>: Wo haben Frauen besonders gute Chancen?

Ulrike Struwe: Wer sich für eine Ausbildung oder ein Studium in einem MINT-Beruf entscheidet, ist generell gut beraten. In allen Fächern, insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, gibt es sehr gute berufliche Möglichkeiten. Deutschland ist das Land der Tüftler und Entwickler, „Made in Germany“ ist ein Markenzeichen. Zählt man die dualen Studiengänge hinzu, gibt es in diesem Bereich mehr als 10.000 Studienangebote.

abi>>: Bisher sind Frauen in den MINT-Berufen eher unterrepräsentiert. Zeichnen sich bereits neue Trends ab?

Ulrike Struwe: Je nach Fach gibt es Unterschiede. Im Jahr 2009 waren zum Beispiel 52 Prozent der Studienanfänger in Mathematik weiblich. Im gleichen Jahr lag der Anteil der von Frauen eingereichten Doktorarbeiten im Fach Chemie beispielsweise bei 37,1 Prozent, der Frauenanteil unter den Habilitierenden bei 22,5 Prozent. Betrachtet man in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften die einzelnen Studienbereiche, und zwar Maschinenbau/Verfahrenstechnik, Bauingenieurwesen und Elektrotechnik, so ist festzustellen, dass der Studienbereich Bauingenieurwesen mit 27,4 Prozent den höchsten Frauenanteil aufzuweisen hat. Hingegen entscheiden sich noch immer deutlich mehr Männer als Frauen für ein Fach wie Elektrotechnik. Allerdings ist der Frauenanteil 2009 mit zehn Prozent erstmalig im zweistelligen Bereich.

abi>>: Welche innovativen Forschungsbereiche sprechen Frauen besonders an?

Ulrike Struwe: Innovativ sind zum Beispiel interdisziplinäre Gebiete wie die Bionik*. Auch die erneuerbaren Energien stehen im Interesse der technikinteressierten Frauen, die sich sehr einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen verschrieben haben. Deshalb sind für junge Frauen Bereiche besonders interessant, in denen sie Themen in einem Gesamtzusammenhang sehen und verändernd auf Umwelt und Gesellschaft einwirken können.

abi>>: Was können Mädchen und junge Frauen mit einem Interesse an MINT tun, um in ihrer Studienwahl sicherer zu werden?

Ulrike Struwe: Wichtig ist es, sich umfassend zu informieren, um aus einer Vielzahl von Anregungen das passende Angebot für sich zu finden. Auf unserer Website gibt es beispielsweise eine Landkarte, über die Projekte und Schnupperangebote (http://www.komm-mach-mint.de/MINT-Projekte2) in der eigenen Region gesucht werden können. Mit einem großen Vorteil starten die Mädchen, wenn sie bereits in der Schule ein entsprechendes Fächerspektrum gewählt haben. Voraussetzung ist dies jedoch nicht, um sich für einen Studiengang aus dem MINT-Bereich zu entscheiden. Entscheidend ist das Interesse!

*In der Bionik wird Wissen aus der Natur auf die Lösung technischer Probleme übertragen. Häufig arbeiten Naturwissenschaftler und Ingenieure zusammen.

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