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Berufe im Luftverkehr

Die Freiheit über den Wolken

In der Luft oder auf dem Boden, in der Technik oder im kaufmännischen Bereich - Flughafenbetriebe und Fluggesellschaften haben viel zu bieten, vor allem eine Vielzahl an spannenden Berufsmöglichkeiten.

Das Foto zeigt den Flughafen Nürnberg aus der Vogelperspektive. Man sieht die beiden Hauptgebäude, Terminal 1 und 2. Außerdem sieht man den Tower und im HIntergrund die Start- und Landebahn.

Ein Flughafen wie der Airport Nürnberg bietet viele verschiedene Berufsmöglichkeiten.

Foto: Reinhold

„Der Flugverkehr wächst weltweit, die Jobchancen bei Airlines und an Flughäfen werden auch künftig zunehmen“, erläutert Berufsberater Bernd Filla vom Hochschulteam der Arbeitsagentur in Frankfurt am Main die gleichermaßen guten Aussichten für Flug- und Bodenpersonal.

Jeder, der genug Kerosin im Blut hat, um sich eine berufliche Zukunft als Pilot oder Pilotin vorzustellen, benötigt eine Berufspilotenlizenz von einer Flugschule – Airline-Piloten sogar die Verkehrsflugzeuglizenz, da sie Maschinen fliegen, die für zwei Piloten vorgesehen sind. Die Ausbildung wird von verschiedenen Flugschulen angeboten. Ein Tipp von Bernd Filla: „Die zweijährige Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen. Bei der Lufthansa wird die allgemein sehr kostspielige Verkehrsflugzeugausbildung komplett vorfinanziert. Den Eigenanteil von 60.000 Euro zahlt der Betreffende erst zurück, sobald er eine feste Anstellung in der Tasche hat.“ Kernvoraussetzung für die Zulassung zum Bewerbungsverfahren ist die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife. Auch eine gute räumliche Orientierung, hohe Konzentrationsfähigkeit und psychische Belastbarkeit sind unerlässlich. Bevor der Lehrgang jedoch startet, gilt es noch verschiedene komplexe Testverfahren wie die Berufsgrunduntersuchung, die Firmenqualifikation und die Flugtauglichkeitsprüfung zu bestehen.

Alternativ zur Verkehrspilotenausbildung bei der Lufthansa oder anderen Fluggesellschaften können Interessierte diese auch auf eigene Faust an einer Flugschule absolvieren. „Rund 80 Prozent der Piloten werden eh an freien Flugschulen ausgebildet. Finanzieren lässt sich das in der Regel über einen Bankkredit oder ein Darlehen“, weiß Udo Harter, Vorsitzender des Verbands deutscher Verkehrsfliegerschulen (VDV). Über Verkehrsflugschulen informieren kann man sich etwa auf der Homepage des Verbands. Oder man verpflichtet sich bei der Bundeswehr und macht dort eine Pilotenausbildung. Die Einstellungschancen für Piloten hängen dann davon ab, ob die Bewerber die Bedingungen der jeweiligen Fluggesellschaft erfüllen: „Die Voraussetzungen für sogenannte ‚Ready Entries’ sind überall anders und verändern sich auch“, sagt Udo Harter. „Zum Beispiel was die Zahl der geforderten Flugstunden angeht.“ Verkehrspiloten, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, arbeiten zunächst mehrere Jahre als Copilot im Offiziersrang bis sie als Kapitänsanwärter zum Kapitän aufsteigen können.

Die Pilotenausbildung lässt sich bei der Lufthansa und anderen Flugschulen übrigens gut mit einem Studium verbinden, wie beispielsweise dem achtsemestrigen Bachelorstudiengang Luftfahrtsystemtechnik und -management (ILST) an der Hochschule Bremen. Weitere Studiengänge mit einer Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer bieten etwa auch die Fachhochschule Aachen, die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes oder die Fachhochschule Osnabrück. Bei letztgenannten Hochschulen variieren die Kosten für die Pilotenausbildung. In jedem Fall bietet das zusätzliche ingenieurwissenschaftliche Studium dem Piloten ein zweites Standbein, wenn es mit der Flugtauglichkeit nicht mehr klappen sollte, sagt der Berufsberater.

Mit Bodenhaftung

Berufe im Luftverkehr gibt es aber nicht nur über den Wolken. „An einem Airport wie beispielsweise Frankfurt/Main umfasst der technische Bereich einen großen Teil der täglichen Arbeit: Flugzeuge müssen gewartet und gepflegt, die Elektronik sowie die Triebwerke überprüft und auf dem neuesten Stand gehalten werden“, weiß Berufsberater Bernd Filla. Um in einer Flughafenwerft zu arbeiten, sind etwa Maschinenbau, Elektrotechnik oder Luft- und Raumfahrttechnik gängige Studiengänge. „Man sollte schon während des Studiums ein Praktikum an einem Flughafen machen, das erhöht die Jobchancen später erheblich“, rät Bernd Filla. Luft- und Raumfahrtingenieure etwa planen und überwachen bei Fluggesellschaften den Flugbetrieb und die Instandhaltung der Flugzeugflotte. Ausbildungen sind im technischen Bereich natürlich auch möglich, beispielsweise zum/zur Elektroniker/in für luftfahrttechnische Systeme.

Das Foto zeigt Bernd Filla, der helle, gelockte Haare und einen Bart hat. Er trägt eine Brille und ein helles, kariertes Sakko.

Bernd Filla

Foto: Privat

„Frühzeitig bewerben sollte man sich auch für die Ausbildung zum Fluglotsen“, sagt Bernd Filla. Rund 150 Ausbildungsplätze jährlich vergibt ausschließlich die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) in Langen. Fluglotsen arbeiten entweder im Kontrollturm (Tower) eines Flughafens, wo sie den startenden und landenden Flugzeugen Freigaben und Anweisungen erteilen, oder als Centerfluglotsen in einem der vier deutschen Radarkontrollzentren in Langen, Bremen, Karlsruhe oder München. Diese Sonderausbildung erfordert neben Abitur technisches Verständnis sowie Stressresistenz. Auf Europaebene gibt es bei der European Organisation for the Safety of Air Navigation (EUROCONTROL) die Möglichkeit, eine Fluglotsenausbildung in circa zweieinhalb Jahren in Maastricht zu absolvieren.

Im hoch technisierten modernen Flughafen und bei Fluggesellschaften arbeiten aber auch Fachkräfte mit kaufmännischem Hintergrund. Betriebswirte für Verkehr beispielsweise überprüfen unter anderem die Wirtschaftlichkeit von Transportmitteln oder Flugplänen, erstellen Gewinn- und Verlustrechnungen oder planen den Personaleinsatz. Servicekaufleute im Luftverkehr betreuen die Fluggäste vor und während des Flugs, checken sie am Abfertigungsschalter ein und kümmern sich im Flugzeug um ihre Sicherheit und ihr Wohl. Zudem stellen sie die Unterlagen zur Flugvorbereitung zusammen und erstellen Ladeanweisungen. Luftverkehrskaufleute organisieren und kontrollieren die Arbeitsabläufe, wenn Passagiere und Frachten befördert werden. Sie beraten und betreuen Kunden, fertigen Flugzeuge ab und verkaufen Frachtraum. Darüber hinaus bilden Flughafenbetriebe und Fluggesellschaften auch Reiseverkehrskaufleute, Kaufleute für Bürokommunikation, Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen oder Informatikkaufleute aus. Gerade als gute Überbrückungsmöglichkeit erweist sich etwa die Flugbegleiterausbildung, die direkt von den Fluggesellschaften oder von privaten Bildungsträgern durchgeführt werden.

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