Kundennähe mit guten Aussichten
Handel ist gleich Kasse oder Theke — dieses Bild ist längst überholt. Deutsche Einzelhandelsunternehmen haben mehr zu bieten als duale Ausbildungen im Verkaufsraum: Neben spannenden Sonderausbildungen speziell für Abiturienten gibt es auch zunehmend duale Studienangebote, weiß Berufsberater Christoph Dräger von der Agentur für Arbeit Köln.
Der Handel bietet Abiturienten spannende Berufsmöglichkeiten, beispielsweise über eine Sonderausbildung oder ein duales Studium.
Foto: Trabandt
In Deutschland gehört der Einzelhandel zu den größten und umsatzstärksten Wirtschaftszweigen. Und gehandelt wird so einiges: Ob Lebensmittel, Bekleidung, Schmuck, Möbel, Elektrogeräte oder Spielwaren – was der Kunde nachfragt, findet sich auch in den Kaufhäusern, Fachmärkten oder Discountern. „Viele verbinden mit Handel in erster Linie den Beruf Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel. Und hier gab es im vergangenen Jahr auch die meisten Ausbildungsplätze“, erklärt Christoph Dräger. Für Abiturienten, die im Einzelhandel ihre berufliche Zukunft sehen, gibt es jedoch viel mehr zu entdecken: „Etwa speziell auf sie zugeschnittene Sonderausbildungen im betriebswirtschaftlichen Bereich wie den Handelsassistenten“, sagt der Berufsberater. „Hierbei wird der Nachwuchs gleich von Beginn an für das mittlere Management ausgebildet.“ Alternative Bezeichnungen sind unter anderem Abteilungsleiterassistent oder Substitut. Handelsassistenten & Co. übernehmen zum Beispiel Aufgaben im Einkauf oder kümmern sich um eine kundenwirksame Warenpräsentation im Verkaufsraum. Auch interessant: Die Sonderausbildung für angehende Textilbetriebswirte, die dann zum Beispiel in Modehäusern im Wareneinkauf und in der Sortimentsgestaltung mitwirken können. Solche Ausbildungen für Abiturienten qualifizieren doppelt: Die Azubis absolvieren eine duale Ausbildung im kaufmännischen Bereich und erwerben den zusätzlichen Weiterbildungsabschluss.
„Nicht selten fragen Abiturienten auch die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel nach“, erklärt Christoph Dräger. „Wer diesen Beruf ergreift, kann etwa zum Großkundenbetreuer, zum Vertriebsrepräsentanten für verschiedene Gebiete oder zum Zentraleinkäufer aufsteigen.“ Aber natürlich sind im Einzelhandel auch andere Ausbildungsberufe gefragt: zum Beispiel Kaufleute für Bürokommunikation, Informatikkaufleute, Gestalter für visuelles Marketing oder Fachinformatiker.
Praxis und Studium verbinden
Was im Einzelhandel ebenfalls steigt, ist dem Handelsverband Deutschland (HDE) zufolge die Nachfrage nach Akademikern – gerade für Führungspositionen. „Immer mehr Handelsunternehmen bieten duale Studiengänge an“, bestätigt Christoph Dräger. Ein Tipp für alle Abiturienten, die gerne etwas Praktisches machen möchten, weil sie die Kundennähe schätzen, und dennoch nicht auf ein Studium verzichten wollen. Die dualen Studiengänge verknüpfen eine theoretische Ausbildung an einer Hochschule oder Berufsakademie mit Praxisphasen oder gar einer Berufsausbildung im Unternehmen. „In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein betriebswirtschaftliches Studium, beispielsweise mit dem Schwerpunkt Handel.“ Dabei sind die Aussichten, später etwa als Personalleiter eines Lebensmitteldiscounters, als erster Sortimenter im Buchhandel oder als Abteilungsleiter bei einem Modehaus übernommen zu werden, sehr gut. „Solche Studienangebote sind allerdings häufig ganz auf den speziellen Bedarf der Unternehmen im Einzelhandel zugeschnitten.“
Der Berufsberater ergänzt: „Übrigens bieten Handelsunternehmen auch zunehmend Technikern interessante Perspektiven. Entwicklungen wie der E-Commerce, also der Warenhandel via Internet, oder komplexer werdende Warenwirtschaftssysteme verlangen zunehmend nach Informatikern.“ Darum gibt es beispielsweise auch Angebote wie die Kombination eines Wirtschaftsinformatikstudiums und einer Fachinformatikerausbildung.
BWL-Studium für höhere Positionen
Für Führungspositionen in einem der größeren Handelsunternehmen ist man auch mit einem Studium der Betriebswirtschaftslehre gut aufgestellt. Als Geschäftsführer oder Prokuristen, den Vertretungsberechtigten des Chefs, die eigenverantwortlich Verträge abschließen dürfen, kommen jedoch auch zunehmend Volkswirtschaftler, Juristen oder Ingenieure zum Zug, weiß Christoph Dräger. „Beim betriebswirtschaftlichen Studium werden die Soft Skills immer wichtiger, wie beispielsweise die Beratung von Kunden oder der Umgang mit Mitarbeitern.“ Nach wie vor sollten Bewerber aber gute Kenntnisse in Mathematik mitbringen.





