Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei XING empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei LinkedIn empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei Facebook empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • bei Twitter empfehlen (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Schiff ahoi

Ein Kutter beim Auslaufen aus einem Hafen. Im Hintergrund sieht man das Meer und einen Kiesstrand mit einer Bank, auf der zwei Menschen sitzen.
Ein Studium schadet nicht, wenn man einen Beruf auf See ergreifen will. Aber es gibt auch Ausbildungsmöglichkeiten.
Foto: Rathke

Berufe auf See

Schiff ahoi

Die Schifffahrt ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft: Der Warenverkehr zwischen den Kontinenten wird größtenteils über die Weltmeere abgewickelt, das heißt, ohne große Containerschiffe wäre der Welthandel kaum möglich. Da wundert es nicht, dass die Berufe auf See bei Abiturienten nach wie vor sehr gefragt sind.

Die verhältnismäßig schnellen Aufstiegsmöglichkeiten, der gute Verdienst und die Möglichkeit, die Welt zu sehen, machen die Seefahrt für viele Abiturienten sehr attraktiv“, berichtet Susann Marohl, Berufsberaterin bei der Zentralen Heuerstelle für Seeleute der Arbeitsagentur Hamburg. Sie erlebt, dass viele Abiturienten einen Beruf auf See ergreifen wollen. Was sie dabei jedoch grundsätzlich beachten sollten: An Bord unterscheidet man zwischen den zwei Arbeits- und Karrierebereichen Nautik und der Offizierslaufbahn bis zum Kapitän sowie Schiffsbetriebstechnik und der Offizierslaufbahn bis zum Leiter der Maschinenanlage. Für die verschiedenen Stufen der beiden Offizierslaufbahnen sind Befähigungszeugnisse, sogenannte Patente, sowie eine bestimmte Anzahl von Berufsjahren auf See nötig.

Der erste wichtige Schritt ist das Patent zum Nautischen oder Technischen Wachoffizier. Anwärter mit Hochschulreife können dieses entweder über eine Ausbildung – zum Schiffsmechaniker, zum Nautischen oder Technischen Offiziersassistenten – und dem anschließenden Besuch einer Fachschule oder Fachhochschule erwerben oder auch direkt über ein Studium. Auf dem Weg zum Kapitän oder Leiter der Maschinenanlage gibt es noch „Zwischenpatente“: das des Ersten Nautischen Offiziers beziehungsweise das des Zweiten Technischen Schiffsoffiziers.

Studium empfohlen

Für Berufsberaterin Marohl stellt die Ausbildung zum Schiffsmechaniker den idealen Einstieg in das Berufsleben auf See dar: „Man lernt einfach den gesamten Schiffsbetrieb von der Pieke auf kennen und bekommt umfassendes und sehr gutes Rüstzeug für das Berufsleben.“ Außerdem lernen angehende Schiffsmechaniker in ihrer Ausbildung beide Bereiche kennen – die Nautik und die Schiffsbetriebstechnik – und müssen sich erst im Anschluss daran auf eine Fachrichtung festlegen, anders als es bei der Ausbildung zum Nautischen oder Technischen Offiziersassistenten der Fall ist.

Obwohl man das Patent zum Nautischen oder Technischen Wachoffizier auch an Fachschulen erwerben kann, empfiehlt Susann Marohl Abiturienten auf jeden Fall ein Studium an einer Fachhochschule: „Wenn jemand die Hochschulreife mitbringt, sollte er auch studieren. Ein Studium eröffnet einfach mehr Möglichkeiten, auch für den Arbeitsmarkt an Land.“ Außerdem gibt es einige wenige Reedereien, die Wert darauf legen, dass gerade ihre Offiziere das Patent an einer Hochschule erworben haben.

Wer studieren möchte, kann je nach Neigung zwischen den Studienrichtungen Schiffsbetriebstechnik und Nautik wählen und erwirbt das nötige Patent mit dem erfolgreichen Bachelorabschluss automatisch. Im dualen Studiengang Schiffsbetriebstechnik an der Hochschule Wismar erwerben die Studierenden das Befähigungszeugnis zum Technischen Wachoffizier. Die Berufsausbildung zum Schiffsmechaniker ist in diesem Fall sogar integriert und die Studierenden sammeln dadurch genügend Fahrtzeit auf See. Wer wiederum etwa den Studiengang Nautik an der Jade Hochschule Wilhelmshaven absolviert, bekommt das Befähigungszeugnis zum Nautischen Wachoffizier. Diejenigen, die eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker oder Nautischen Offiziersassistenten mitbringen, sparen sich dabei die zwei vorgesehenen Praxissemester an Bord.

20 Mann auf einem Boot

Praxis ist auf jeden Fall wichtig, denn dadurch erfahren die angehenden Offiziere, was die Seefahrt so mit sich bringt. „Ein Schiff, egal ob 100 oder 300 Meter lang, ist Arbeitsplatz und Wohnort zugleich. Diesen begrenzten Raum muss man sich für mehrere Monate mit 20 anderen Menschen teilen. Freizeitgestaltungsmöglichkeiten hat man dabei kaum und der Kontakt zur eigenen Familie und den Freunden ist oft nur schwer zu halten“, skizziert Susann Marohl den Alltag auf See. „Auch die große weite Welt sieht man nicht immer, weil die Liegezeiten in den Häfen immer kürzer werden.“ Mit Seefahrerromantik hat dieser Arbeitsalltag also nur bedingt etwas zu tun.

Natürlich müssen alle Interessierten, die zur See fahren wollen, die dafür nötigen Voraussetzungen erfüllen: Das Mindestalter ist 16 Jahre, außerdem muss die Seediensttauglichkeit ärztlich nachgewiesen werden. „Dabei geht es in erster Linie um ein gutes Seh- und Hörvermögen. Außerdem muss eine Rot-Grün-Schwäche ausgeschlossen sein, da die Positionslichter der Schiffe in der Nacht rot und grün leuchten.“ Wichtig sind zudem gute Englischkenntnisse, da die Besatzungen meist international sind und die Bordsprache in der Regel Englisch ist.

Wer es als Offizier auf See schafft, kann mit einem guten Verdienst rechnen: Ein Nautischer oder Technischer Wachoffizier verdient im ersten Berufsjahr 4.300 Euro monatlich und erwirbt pro gefahrenem Monat an Bord einen Urlaubsanspruch von elf bis dreizehneinhalb Tagen. Das heißt, ein Seemann, der drei Monate auf See war, hat anschließend mindestens 33 Tage bezahlten Urlaub.

Aber wie sieht es derzeit mit den Arbeitsmarktchancen aus? Eine Antwort darauf hat Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Der Arbeitsmarkt für Nautiker und Technische Schiffsoffiziere und -maschinisten zeigte sich 2011 durchwachsen. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich zwar auf unterdurchschnittlichem Niveau, aber die Zahl der gemeldeten freien Stellen war 2011 – wie in den Vorjahren – rückläufig.“ Laut der Zentralen Heuerstelle Hamburg werden sowohl qualifizierte nautische Offiziere als auch technische Offiziere gesucht, wobei der Bedarf an Schiffsbetriebstechnikern und Schiffsbetriebsingenieuren derzeit deutlich größer ist.

An Land

Von einer Karriere auf See abraten würde Susann Marohl trotz dieser Entwicklung niemandem, denn auch an Land haben ehemalige Seeleute gute Arbeitsmarktchancen. „Kapitäne oder Leiter der Maschinenanlage mit ausgefahrenem Patent sind in der Wirtschaft sehr gefragt. Sie bringen gute Führungsqualitäten mit, sind es gewohnt zu improvisieren und international bewandert.“ Seeleute können etwa als Schiffsinspektoren bei Reedereien, als Gutachter bei Versicherungen oder als See- und Hafenlotsen arbeiten.

Abgesehen von den eigentlichen Tätigkeiten auf See sind rund um den maritimen Bereich eine ganze Reihe an kaufmännischen und technischen Berufen denkbar, zum Beispiel als Ingenieur für Schiffbau und Meerestechnik, Ingenieur für Verkehrswesen oder Bootsbauer bei Schiffbaubetrieben auf den Werften oder in der Zulieferindustrie, oder als Fachkraft für Hafenlogistik in der Warenkontrolle von Seehafenbetrieben.

 

Zentrale Heuerstelle Hamburg

Fachvermittlung für Seeleute
Berufsberatung Seeschifffahrt
Nagelsweg 9
20097 Hamburg
Tel: 040/2485-1313
E-Mail: hamburg.heuerstelle@arbeitsagentur.de

abi>> 11.05.2012