Nach dem Abi die Welt sehen
Von der Schule direkt an die Uni? Wem das zu schnell geht, der kann auch erst eine Orientierungspause einlegen und beispielsweise durch einen Auslandsaufenthalt seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern und hautnah das Leben in einer fremden Kultur kennen lernen. Wie, das erklärt Berufsberaterin Yvonne Hollmann.
Nach dem Abi sofort an der Uni weiterlernen, ist nicht jedermanns Sache: Eine gute Gelegenheit, um sich zum Beispiel die Welt anzusehen.
Foto: Fiedler
Lukas:
Ich weiß noch nicht genau, was ich studieren soll. Zur Bundeswehr muss ich nicht, da ich ausgemustert wurde. Deshalb habe ich beschlossen, nach dem Abitur erst mal ins Ausland zu gehen, mir die Welt anzuschauen und über meinen Studienwunsch klar zu werden. Welche Möglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt gibt es? Einen bestimmten Länderwunsch habe ich nicht.
Yvonne Hollmann, Agentur für Arbeit Stendal
Lieber Lukas,
da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Relativ beliebt ist beispielsweise ein so genannter „Work & Travel-Aufenthalt“. Das ist vor allem in Australien, Neuseeland, Kanada und den USA verbreitet, es gibt aber auch Anbieter für Japan. Work & Travel ist – wie der Name schon sagt – eine Mischform aus Arbeiten und Reisen. Der Vorteil: Ein solcher Aufenthalt ist zeitlich relativ flexibel. Es gibt keine festen Ausreisetermine und Sie können zwischen einem und zwölf Monaten im Ausland bleiben. Bei der Vermittlung helfen professionelle Anbieter. Sie bezahlen einen festen Betrag – in der Regel zwischen 1.500 und 2.500 Euro – und bekommen im Gegenzug Unterstützung bei der Planung, bei der Beschaffung des Visums, bei der Job- und Wohnungssuche. Auch das Flugticket ist in den Gebühren bereits enthalten. Einige Anbieter haben auch Vorbereitungsseminare im Angebot. Da die Kosten und die Leistungen stark variieren und die Unterstützung beispielsweise bei der Wohnungs- und Jobsuche erfahrungsgemäß unterschiedlich ernst genommen wird, ist es auf jeden Fall wichtig, dass Sie sich vorab ausführlich im Internet informieren und die unterschiedlichen Anbieter miteinander vergleichen. Da helfen auch Erfahrungsberichte von Ehemaligen. Während eines Work & Travel-Aufenthalts arbeiten Sie beispielsweise auf Farmen oder helfen in Restaurants aus. Nicht immer findet sich gleich ein Job und es ist auch nicht jedermanns Sache, alleine durch ein Land zu reisen und immer wieder nach Möglichkeiten zum Geld verdienen Ausschau zu halten. Da gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu.
Freiwilligendienste
Eine etwas abgesicherte Variante für einen Auslandsaufenthalt ist beispielsweise das Programm „weltwärts“, der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Dabei arbeiten Sie beispielsweise in Kindertagesstätten, Naturreservaten oder kulturellen Einrichtungen, allerdings in Entwicklungs- oder Schwellenländern. Teilnehmer von „weltwärts“ waren beispielsweise bereits in Armenien, Peru, Gambia, Mali oder Papua-Neuginea. Für alle verpflichtend sind ein Vorbereitungs- und mehrere Zwischenseminare. Monatlich gibt es ein Taschengeld von etwa 100 Euro und vor Ort eine Unterkunft inklusive Verpflegung. Auch die Reisekosten und Versicherungen werden von der Entsendeorganisation übernommen.
Ähnlich läuft ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland ab. Einsatzstellen vermittelt beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt, die Katholische und die Evangelische Kirche sowie das Deutsche Rote Kreuz. Das Gesetz schreibt für den Dienst im Ausland zusätzlich Bildungsmaßnahmen von fünf Wochen vor. Das Taschengeld hängt von den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land ab, liegt aber ungefähr bei 100 bis 150 Euro. Da es weit mehr Anfragen als Angebote gibt ist es wichtig, dass Sie sich so früh wie möglich bewerben.
Praktikum
Eine weitere Möglichkeit ist ein Praktikum im Ausland. Der Vorteil: Das ist auch für einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen möglich. Bei der Suche nach einer Stelle kann beispielsweise die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit helfen. Diese bietet aktuell beispielsweise Jobs im Disneyland Paris oder auf einer Farm in Island an. Für ein Praktikum sollten Sie sich auf jeden Fall in der jeweiligen Landessprache bewerben und sich beim Lebenslauf auch an den internationalen Standard halten.
Ebenfalls beliebt ist auch ein Au-pair-Aufenthalt. Dabei lebt man für ein halbes oder ein ganzes Jahr mit einer Familie in einem europäischen Land oder in den USA und kümmert sich für kostenlose Unterkunft und Verpflegung inklusive eines Taschengeldes um die Kinder.
Egal, wofür Sie sich entscheiden: Vergessen Sie nicht, sich rechtzeitig für einen Studienplatz zu bewerben. Wenn Sie ein Freiwilliges Jahr oder einen Dienst mit „weltwärts“ machen, sollten Sie sich bereits vor Ihrem Aufenthalt bewerben. Bei einer Zusage wird Ihnen der Studienplatz bis zum Ende des Dienstes reserviert – allerdings müssen Sie sich dann noch einmal bewerben und die Zusage mitschicken. Bei einem Praktikum, Work & Travel- oder Au-pair-Aufenthalt gilt diese Regel, dass der Studienplatz reserviert wird, allerdings nicht.
Mehr Infos
abi-Portal
In der Rubrik „Zwischen Schule und Beruf“ gibt es Reportagen und Erfahrungsberichte rund um FSJ, Praktikum, Freiwilligendienste und Co.
http://abi.de/schule_beruf.htm
Raus von zuhaus
Die Webseite bietet eine Vielzahl von Links und Informationen rund um Auslandsaufenthalte für junge Leute.
Weltwärts
Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)
Die ZAV betreut selbst einige Programme, informiert darüberhinaus aber auch bei allen Fragen rund um das Thema Jobs und Praktika im Ausland.





