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Fakten statt gefühlter Wahrheiten

Schülerin meldet sich im Unterricht.
Sich mit überzeugenden Argumenten zu Wort melden: Schüler aus ganz Deutschland nehmen jährlich am Wettbewerb „Jugend debattiert" teil.
Foto: Sonja Trabandt

Jugend debattiert: Reportage

Fakten statt gefühlter Wahrheiten

Spaß am Reden, durchdachte Argumente und gute Nerven: All das hat Christian König. 2016 konnte der 18-Jährige die Jury überzeugen und den Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ für sich entscheiden.

Beim ersten Anlauf als Neuntklässler glaubte Christian König bereits daran, dass er mehr erreichen könnte. Damals hatte seine Schule, das Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen, den Schülerwettbewerb „Jugend debattiert“ zum ersten Mal veranstaltet. Christian König wurde gemeinsam mit einem Mitschüler auserkoren, am Regionalwettbewerb teilzunehmen, qualifizierte sich dort allerdings nicht weiter.

Ein Porträtfoto von Christian König

Christian König

Foto: privat

Dass er es nun bis ganz nach oben schaffen und als Sieger des Bundeswettbewerbs die Glückwünsche des Bundespräsidenten in Empfang nehmen würde, damit hatte er dann aber doch nicht gerechnet. „Mir macht es Spaß zu reden und zu argumentieren. Ich bin politisch sehr interessiert und finde es wichtig, dass man Fakten statt gefühlter Wahrheiten heranzieht. Aber ich wusste ja, dass die Teilnehmer alle sehr stark sind und sich in der Qualität ihrer Beiträge kaum noch voneinander unterscheiden“, sagt der 18-Jährige.

Mehrtägige Fortbildungsseminare

In der 12. Klasse belegte er den Oberstufenkurs Rhetorik, in dem das Debattieren und Argumentieren Teil des Unterrichts war. Da die Schule am bundesweiten Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilnimmt, wurden im Kurs die zwei besten Debattanten ermittelt, die zum Regionalwettbewerb fuhren. Nachdem Christian König diesen gewonnen hatte, ging es zum Landeswettbewerb nach München und schließlich zum Bundeswettbewerb nach Berlin.

Vor den letzten beiden Runden hatten der Schüler und seine Mitdebattanden die Möglichkeit, sich bei mehrtägigen Seminaren in Donauwörth und auf Burg Rothenfels bei Würzburg fortzubilden. „Wir bekamen Rhetorik- und Argumentationstrainings und setzten uns mit dem Debatten-Format auseinander: Wie strukturiert man die Eröffnungsrede? Wie formuliert man kurze und prägnante Beiträge in der freien Aussprache? In welcher Reihenfolge bearbeitet man ein Thema am besten? Die Teilnehmer aus ganz Deutschland haben sich alle gut verstanden und wir wuchsen als Gruppe schnell zusammen. Die Atmosphäre war fantastisch“, erinnert sich Christian König.

Sollten Dialekte an Schulen gelehrt werden? Sollte es eine sogenannte Wohnsitzauflage für Flüchtlinge geben? – Um welche Themen es in den Debatten gehen würde, erfuhren Christian König und seine Mitstreiter jeweils zehn Tage im Voraus. Wer welche Position – ob pro oder kontra – einnimmt, wurde erst am Tag des Wettbewerbs ausgelost. „Wenn ich das Thema schon in den Medien verfolgt und mir eine Meinung gebildet hatte, musste ich in der Vorbereitungsphase nur noch Daten und Fakten sammeln, um meine Argumentation zu untermauern. Wenn ich mich mit dem Thema noch kaum auseinandergesetzt hatte, musste ich ausführlicher recherchieren“, erzählt Christian König.

Vom Teilnehmer zum Jurymitglied

An den Tag des Bundesfinales erinnert er sich besonders gut: „In der Jury saßen der Programmleiter Ansgar Kemmann, Pinar Atalay und Sandra Maischberger. Ich war ziemlich nervös und bin auf dem Weg zur Bühne gestolpert. Die 24 Minuten, die für die Debatte angesetzt waren, gingen aber schnell vorbei“. Noch am selben Tag reiste Christian König zurück nach Hause. Vom Zug aus trommelte er seine Freunde zum Feiern zusammen, in der darauffolgenden Woche gab er mehrere Interviews. Kurz danach fanden seine Abiturfeier und die Zeugnisvergabe statt.

Dass er in seiner Altersgruppe der erste Bundessieger aus Bayern ist und der erste Sieger seiner Schule, bezeichnet Christian König als „krönenden Abschluss“ seiner Schulzeit. Inzwischen studiert er Politikwissenschaft, Internationale Beziehungen und Globale Nachhaltige Entwicklung an der University of Warwick in Großbritannien. Er hat immer noch Kontakt zu den jungen Leuten, die er dank des Wettbewerbs kennengelernt hat. Demnächst wird er selbst in der Jury sitzen, wenn der Regionalwettbewerb an seiner Schule stattfindet. Und vielleicht wird er sich später auch im Alumniverein engagieren, das Projekt an weitere Schulen bringen oder die im Rahmen des Wettbewerbs stattfindenden Seminare begleiten.

Jugend debattiert

2001 übernahm Bundespräsident Johannes Rau die Schirmherrschaft für den von ihm initiierten bundesweiten Wettbewerb im Debattieren. Der Wettbewerb verfolgt den Anspruch, die sprachliche und politische Bildung sowie die Meinungs- und Persönlichkeitsbildung von jungen Leuten zu fördern. Damit Schüler daran teilnehmen können, muss ihre Schule registriert sein. Der Wettbewerb findet in zwei Altersgruppen statt: Altersgruppe I (Klassen 8 bis 10) und Altersgruppe II (Jahrgangsstufen 10 bis 13). Schüler der Klassen 5 bis 7 können nur an schulinternen Wettbewerben teilnehmen. Mehr Informationen gibt es unter www.jugend-debattiert.de.

Weitere Informationen

Jugend debattiert

Der Wettbewerb richtet sich an Schüler, die ihr Argumentationstalent unter Beweis stellen wollen.
www.jugend-debattiert.de

Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH)

www.vdch.de

Bildung und Begabung

www.bildung-und-begabung.de

Stiftung Bildung und Gesellschaft

Mit Akademien und Wettbewerben fördert das Zentrum für Begabungsförderung das Potenzial junger Menschen.
www.stiftung-bildung-und-gesellschaft.de/home.html

studienwahl.de

Die Seite listet eine Reihe von Schülerwettbewerben auf.
www.studienwahl.de/de/wettbewerbe.htm

Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe

Das Portal gibt eine Übersicht über die unterschiedlichen Wettbewerbe.
www.bundeswettbewerbe.de/startseite.html

abi>> 17.02.2017