Das gesellschaftliche Zusammenleben mitgestalten

Bundeskanzleramt in Berlin
Es bis ins Kanzleramt zu schaffen, ist das Ziel vieler Politikwissenschaftler. Aber auch andere interessante Möglichkeiten gibt es in der Politik.
Foto: Sonja Trabandt

Berufe in der Politik

Das gesellschaftliche Zusammenleben mitgestalten

Ob im Rathaus oder im Kanzleramt – wer einen Beruf in der Politik anstrebt, hat viele Möglichkeiten. abi>> zeigt euch, welche Wege in die Politik führen, welche Fähigkeiten ihr für eine politische Laufbahn mitbringen solltet und wie es um Arbeitsmarktchancen bestellt ist.

„Politik spielt nahezu überall eine Rolle. Wer Zusammenhänge in unserer Welt verstehen will, muss sich unweigerlich mit Politik auseinandersetzen. Deshalb ist das Thema so interessant“, bringt es Adrian Schieber auf den Punkt. Seit zwei Semestern studiert der 19-Jährige Politikwissenschaft und Geschichte an der TU Dresden. Auf seinem Stundenplan stehen unter anderem politische Systeme, internationale Beziehungen, Statistik und empirische Sozialforschung. Der Bachelorstudiengang umfasst in der Regel sechs Semester; ab dem dritten Semester ist ein Praktikum verpflichtend.

„Ein wesentlicher Aspekt der Politikwissenschaft liegt darin, Zusammenhänge zu erforschen und zu analysieren. Politikwissenschaftler wollen die Politik verstehen, sie aber nicht unbedingt selbst gestalten“, erläutert Adrian Schieber. „Ich bin bei der Wahl meines Studiums hauptsächlich danach gegangen, was mich interessiert und mir vielseitige berufliche Möglichkeiten bietet. Was ich später genau machen werde, wird sich zeigen.“ Durch Praktika in Politik, Wirtschaft und Journalismus möchte der 20-Jährige in den nächsten Jahren Erfahrungen sammeln, um dann zu entscheiden, bei welcher Tätigkeit er seine Fähigkeiten am besten einsetzen kann.

Lokalpolitik als gute Ausgangsbasis

Ein Porträt-Foto von Adrian Schieber

Adrian Schieber

Foto: privat

Diese Vorgehensweise empfiehlt auch Sabine Najib, die in der Agentur für Arbeit Osnabrück Abiturienten in sämtlichen Fragen rund um ihre berufliche Zukunft berät. „Wer sich für einen Beruf in der Politik interessiert, sollte sich zunächst darüber im Klaren sein, ob er das Gemeinwesen im Vordergrund aktiv mitgestalten oder lieber im Hintergrund als Berater oder Experte für bestimmte Themen sein Wissen zur Verfügung stellen möchte“, empfiehlt die Beraterin.

Für alle, die gerne direkten Einfluss auf das politische Geschehen nehmen möchten, ist die Lokalpolitik eine gute Ausgangsbasis. „Ein Engagement in Vereinen, Parteien oder Verbänden kann nicht nur ein gutes Sprungbrett sein, sondern bringt auch unheimlich viel Erfahrung“, sagt Sabine Najib. „Obwohl viele Abgeordnete Jura, Wirtschaft oder Verwaltungswissenschaften studiert oder eine Ausbildung in diesen Bereichen gemacht haben, sind die Wege in die Politik sehr vielfältig und oftmals eher unabhängig vom tatsächlichen Beruf.“

Vom Bankangestellten zum Bürgermeister

Eine politische Laufbahn ist daher nicht unbedingt vorhersehbar. So werden im Politikfeld Experten verschiedener Fachrichtungen gebraucht. „Zum Beispiel kann jemand mit speziellem Know-how im Bereich Umwelttechnik Teil des Beraterstabs des Umweltministeriums werden“, erzählt Sabine Najib. „Genauso ist es möglich, dass ein Bankangestellter als Bürgermeister kandidiert.“

Neben der Arbeit als Abgeordneter, Landes- oder Bundesminister bieten sich Tätigkeiten im politischen Unterbau. Hier arbeiten Menschen, die „Entscheider“ unterstützen, etwa Fachreferenten, Staatssekretäre, Redenschreiber oder Pressesprecher. Diese Berufe kann man in Kommunalverwaltungen, Bundes- und Landesministerien, dem Europäischen Parlament und den sogenannten Körperschaften des öffentlichen Rechts wie dem Bundesamt für Verbraucherschutz ausüben. Hinzu kommen Tätigkeiten in der Verwaltung, wo auch Auszubildende, etwa Verwaltungsfachangestellte oder Kaufleute für Büromanagement, gefragt sind.

In Parteien arbeiten nicht nur ehren-, sondern auch hauptamtliche Mitarbeiter, zum Beispiel in Pressestellen, im Marketing, in der Logistik und im Eventmanagement.

Darüber hinaus nimmt neben der Arbeit politischer Berater, die politisches Entscheiden und Handeln beeinflussen, die Lobbyarbeit eine wichtige Rolle im Bereich der politischen Berufe ein. Organisationen mit wirtschaftlicher Entscheidungshoheit machen ihren Einfluss geltend und versuchen, bestimmte Interessen durchzusetzen. Dazu zählen beispielsweise Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder Kirchen.

Wortgewandtheit und Stressresistenz

Ein Porträt-Foto von Sabine Najib

Sabine Najib

Foto: privat

Wer sich für eine Tätigkeit in der Politik interessiert, sollte grundsätzlich verantwortungsvoll handeln und in der Lage sein, sich schnell in unterschiedliche Fachgebiete einzuarbeiten. „Wortgewandtheit und ein guter Umgang mit Menschen sind wichtige Voraussetzungen für eine politische Karriere“, weiß die Berufsberaterin. „Von Vorteil ist es außerdem, wenn man in der Lage ist, Netzwerke aufzubauen, Informationen zu filtern und diese gezielt zu nutzen. Außerdem schadet eine Portion Stressresistenz, Durchsetzungsvermögen und ein reflektierter Umgang mit Misserfolgen nicht.“ Erste Einblicke in die Arbeit mit politischen Inhalten können Interessierte während eines FSJ Politik oder eines Bundesfreiwilligendiensts in einem politischen Kontext gewinnen.

Einstieg nicht immer einfach

Die Arbeitsmarktchancen stehen aufgrund der Vielfältigkeit der Wege in die Politik gut, denn jeder hat unabhängig vom erlernten Beruf prinzipiell die Möglichkeit, eine solche Karriere anzustreben. Für studierte Politikwissenschaftler ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt allerdings nicht immer einfach. „2016 gab es im Jahresdurchschnitt 800 arbeitssuchende Politologen“, berichtet Ilona Mirtschin vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Diese Zahl ist seit 2010 zwar rückläufig, aber die gemeldete Nachfrage ist nicht sehr hoch.“ Sich frühzeitig durch Praktika ein Netzwerk aufzubauen, ist Politikwissenschaftlern deshalb unbedingt zu empfehlen.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Politik zum Anfassen e.V.

Der unabhängige und überparteiliche Verein macht mit Planspielen, Filmen, Umfragen und Mitmachausstellungen Politik hautnah erlebbar.
www.politikzumanfassen.de

Bundeszentrale für Politische Bildung

Auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung finden sich viele Beiträge rund um Politik, Demokratie und politische Mitarbeit.
www.bpb.de

 

 

Berufe in der Politik – Übersicht

Von Ministerium bis Verwaltung

Viele Wege führen in die Politik, oftmals unabhängig vom Studium oder der Ausbildung. Im Folgenden gibt abi>> einen Überblick über mögliche Berufe im politischen Umfeld.

Konjunkturforscher/in

  • Aufgaben: Durchführung von Markt- und Wettbewerbsanalysen, Analyse von wirtschaftlichen Erscheinungen und Entwicklungen innerhalb einer Volkswirtschaft, Beratung von Unternehmen und Institutionen
  • Mögliche Arbeitgeber: Wirtschaftsforschungsinstitute und Verbände, Markt- und Meinungsforschungsunternehmen, Unternehmensberatungen

Politische/r Berater/in

  • Aufgaben: Unterstützung politischer und gesellschaftlicher Akteure bei der Kommunikation von Interessen, Analyse von Sachverhalten und Rahmenbedingungen, Entwicklung und Umsetzung von Kommunikationsstrategien
  • Mögliche Arbeitgeber: Berufsorganisationen, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, Parteien, Stiftungen, Vereine, Consulting-Agenturen

Politologe, Politologin

  • Aufgaben: Analyse von politischen, rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Systemen, Markt- und Meinungsforschung, Öffentlichkeitsarbeit und redaktionelle Tätigkeiten, Wissenschaft und Lehre
  • Mögliche Arbeitgeber: Redaktionen von Zeitungen, Verlage, Radio- und Fernsehsender, öffentliche Verwaltung, politische Institutionen, Parteien, Stiftungen, Gewerkschaften, Verbände, Hochschulen, PR-Agenturen sowie Markt- und Meinungsforschungsinstitute

Pressesprecher/in

  • Aufgaben: Kommunikation mit Presse, Hörfunk, Fernsehen und Nachrichtenagenturen; Informieren über Ereignisse und Planungen
  • Mögliche Arbeitgeber: Regierungsstellen und Behörden, öffentliche, politische oder wirtschaftliche Organisationen, Verbände, Hochschulen, Unternehmen

Redakteur/in

  • Aufgaben: Recherche aktueller Themen und Hintergründe, Auswertung und Auswahl von Informationen, Erstellung von schriftlichen oder mündlichen Beiträgen, Bearbeitung von Meldungen und Nachrichten
  • Mögliche Arbeitgeber: Nachrichtenagenturen, Verlage, Fernseh- und Radiosender, Anbieter von digitalen Medien und Inhalten, PR- oder Werbe-Agenturen

Sozialwissenschaftler/in

  • Aufgaben: Systematische und empirische Untersuchung von Erscheinungs- und Entwicklungsformen gesellschaftlicher Strukturen, Markt- und Meinungsforschung, Öffentlichkeitsarbeit und redaktionelle Tätigkeiten, Wissenschaft und Lehre
  • Mögliche Arbeitgeber: Parteien, Gewerkschaften und Verbände, Markt- und Meinungsforschungsinstitute, öffentliche Verwaltung, Redaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Verlage oder Radio- und Fernsehsender, Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Verwaltungswissenschaftler/in

  • Aufgaben: Analyse, Gestaltung und Kontrolle von Verwaltungsprozessen und -abläufen
  • Mögliche Arbeitgeber: öffentliche Verwaltung, internationale Organisationen, diplomatische und konsularische Vertretungen von Staaten, Verbände, Interessenvertretungen, Justizverwaltung

Verwaltungsfachangestellte/r – Kommunalverwaltung

  • Aufgaben: Büro- und Verwaltungsarbeiten, Erarbeiten von Verwaltungsvorschriften und -entscheidungen, Mitarbeit an der Umsetzung von Beschlüssen, Führung von Akten, Beratung
  • Mögliche Arbeitgeber: Gemeinde- und Kreisverwaltungen, kommunale Ämter und Behörden

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Stand: 21.06.2018