Gesetzestexten Leben einhauchen

Junger Mann liest im Gesetzestext am Schreibtisch.
Ein Jurastudium ist sehr lernintensiv. Wer sich für dieses Fach entscheidet, sollte daher viel Motivation und Selbstdisziplin besitzen.
Foto: Martin Rehm

Berufe in der Justiz

Gesetzestexten Leben einhauchen

Ein Jurastudium umfasst die drei Schwerpunkte öffentliches Recht, Zivilrecht und Strafrecht. Es eröffnet vielfältige Einsatzmöglichkeiten bei Bund und Ländern, in allen Wirtschaftsbranchen oder als Freiberufler. Auch ein Ausbildungsweg führt in viele interessante Bereiche dieser Rechtsgebiete.

Jura regelt unser Zusammenleben. Es ist vielfältig und macht mir viel Spaß“, sagt Anna-Lena Köhler (23), die im siebten Semester Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Trocken findet sie ihr Studium überhaupt nicht: „Man muss den Gesetzestexten eben Leben einhauchen“, sagt sie. Das Studium ist anspruchsvoll. Für die Dreiundzwanzigjährige sind aber nicht die Lehrinhalte an sich schwierig, Hauptproblem ist die Masse. „Man lernt sehr viele verschiedene Spezialthemen, die sich über neun Semester ansammeln. Und für das Staatsexamen muss man alle parat haben.“

Wenige, aber umfangreiche Prüfungen

Zusätzlich zu den Vorlesungen mit 200 bis 500 Studierenden gibt es oft Arbeitsgemeinschaften. Dort vermitteln Doktoranden oder andere Lehrkräfte einer kleineren Gruppe die Vorlesungsinhalte anhand von Beispielfällen. „Da kann man auch Fragen stellen, es ist wie in einer Schulklasse“, erklärt Anna-Lena Köhler.

Studierende haben in Jura nur mit wenigen Prüfungen zu rechnen. Diese haben es aber in sich. So gibt es etwa für jedes Rechtsgebiet, also Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht eine Zwischenprüfung. Auch im Studienschwerpunkt muss eine Prüfung in Form einer fünfstündigen Klausur abgelegt werden. Anna-Lena Köhler hat „Öffentliches Wirtschafts- und Infrastrukturrecht“ gewählt. An der entsprechenden Fakultät arbeitet sie auch als Studentische Hilfskraft. „Die Schwerpunktwahl schränkt aber die spätere Berufswahl oder das Tätigkeitsfeld nicht ein.“

Selbstdisziplin ist nötig

Ein Porträt-Foto von Anna-Lena Köhler.

Anna-Lena Köhler

Foto: privat

Sind alle Prüfungen bestanden wartet das erste Staatsexamen. Anna-Lena Köhler steckt mitten in der Vorbereitung und plant dafür etwa anderthalb Jahre ein. Die Studierenden können hierfür Kurse an der Universität besuchen oder private Vorbereitungskurse in Anspruch nehmen, sogenannte Repetitorien. Aber auch diszipliniertes Selbststudium ist notwendig, weiß sie: „Normalerweise sitze ich acht Stunden täglich an meinem Schreibtisch“, erklärt die Studentin.

Mit bestandenem erstem Staatsexamen wird Anna-Lena Köhler in einem zweijährigen Referendariat die Praxis der Rechtswissenschaften kennenlernen. „Nebenbei treffen wir uns in Arbeitsgemeinschaften“, erklärt sie. „Dort erarbeiten wir uns die Theorie zur Praxis, um das zweite Staatsexamen zu schreiben.“

Wenn Anna-Lena Köhler Richterin oder Staatsanwältin werden will, muss das Ergebnis dieser Prüfung erheblich über dem Durchschnitt liegen. „Mein nächstes Ziel ist aber erst einmal ein erfolgreiches erstes Staatsexamen. Und dann sehe ich weiter“, sagt sie.

Drei Schlüsselqualifikationen

Juristen sollten drei Schlüsselqualifikationen mitbringen, meint Dr. Andreas Nadler, Rechtsanwalt und Generalsekretär beim Deutschen Juristentag: eine starke Auffassungsgabe, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen sowie Einsatzbereitschaft. „Wir Juristen haben eine allgemeine Ausbildung“, erklärt er. „In unserem Beruf geht es darum, ganz spezielle Sachverhalte zu verstehen, oft in technischen oder wirtschaftlichen Zusammenhängen. Wir können einem Fall nur dann gerecht werden, wenn wir ihn wirklich verstanden haben.“

Bei der Entscheidung für ein Studium der Rechtswissenschaften können zwei Schulnoten als Hilfe herangezogen werden: „Die Mathematiknote gibt Auskunft über die Präzision, das logische und folgerichtige Denken. Denn es geht darum, Dinge auf den Punkt zu bringen.“ Um dieses auch nach außen vertreten zu können, ist ein gutes Sprachverständnis und eine gute Ausdrucksfähigkeit notwendig, wie es im Fach Deutsch geschult wird: „Es geht um sprachliche Nuancen. Präzision in der Gedankenführung und im Ausdruck sind für einen Juristen unabdingbar.“

In fast allen klassischen juristischen Berufen, die ein Absolvent der Rechtswissenschaften ergreifen kann, ist der Berufseinstieg mit Überstunden verbunden. „Im weiteren Verlauf der Karriere hilft die Erfahrung, aber zunächst ist Einsatzbereitschaft erforderlich, die in der Regel deutlich über dem normalen Pensum eines Berufsalltags liegt.“

Recht sprechen oder ausüben

Ein Porträtfoto von Janko Dees

Janko Dees

Foto: privat

Janko Dees, Berufsberater der Agentur für Arbeit in Berlin, empfiehlt allen, die einen Beruf im Rahmen der Justiz ergreifen wollen, sich zunächst die Frage zu stellen, ob sie Recht sprechen wollen oder ob sie Recht auf der praktischen Ebene durchsetzen möchten. Grundvoraussetzung ist in jedem Fall ein Gefühl für Sprache und die Bereitschaft, sich mit Gesetzestexten auseinander zusetzen. „Man muss diese Texte nicht auswendig können, aber wissen, wo sie stehen“, sagt Janko Dees.

Wer (Staats-)Anwalt oder Richter werden will, muss das recht umfangreiche Studium der Rechtswissenschaften bis zum zweiten Staatsexamen absolvieren. Private Universitäten und Fachhochschulen bieten ebenfalls Studiengänge an, die sich mit Recht befassen, zum Beispiel Steuer- und Wirtschaftsrecht, und in eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft münden.

„Interessant und vielfältig ist der Beruf des Rechtspflegers. Hierhin führt ein duales Studium bei einem Gericht“, empfiehlt Janko Dees. „Rechtspfleger entscheiden eigenständig aufgrund von Gesetzestexten Fälle, die nicht vor Gericht entschieden werden müssen wie beispielsweise eine Zwangsversteigerung. Man arbeitet hier in einem aufgabenbezogenen Team und braucht eine gute kommunikative Kompetenz, um seine Entscheidung den Klägern oder den Angeklagten gut vermitteln zu können.“

Wer nicht studieren möchte und sich für eine duale Ausbildung interessiert, kann beispielsweise Beamter im Justizvollzugsdienst, Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellter sowie auch Justizfachangestellter werden (weitere Beispiele findest du in der Übersicht).

Positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt

„Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt für Juristen und juristische Assistenzkräfte positiv“, erklärt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Die Zahl der Erwerbstätigen mit Jura-Abschluss ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen auf zuletzt rund 354.000 Erwerbstätige in 2016.“ Allerdings arbeiten nur zwei von drei studierten Rechtswissenschaftlern tatsächlich als Juristen. „Jeder dritte ist fachfremd tätig, zum Beispiel als Referent oder Sachbearbeiter in einer Behörde, in der Unternehmensverwaltung oder im Personalwesen. Die Arbeitslosigkeit von Juristen ist mit einer Quote von weniger als drei Prozent sehr gering“, sagt der Experte. Auch die Beschäftigtenzahl im Assistenzbereich hat in den letzten Jahren leicht zugenommen. „In Anwaltskanzleien und Notariaten waren im Jahr 2016 rund 106.000 Assistenzkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufseschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Justiz)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit.

www.berufe.tv

KURSNET

Die Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Budnesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Rechtswissenschaft, Jura)
www.studienwahl.de

Deutscher Juristentag e.V.

www.djt.de

Bundesnotarkammer

www.bnotk.de

Verband deutscher Anwälte e.V. (VDA)

www.verband-deutscher-anwaelte.de

 

Berufe in der Justiz – Übersicht

Recht sprechen, beraten und verwalten

abi>> gibt eine Übersicht über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten rund um das Thema Justiz.

Studienberufe

Richter/in

  • Aufgaben: Rechtsprechung bei gerichtlichen Verfahren, Urteilsverkündung, Festsetzung des Strafmaßes oder Schlichtung in Konfliktfällen
  • Mögliche Arbeitgeber: Verwaltungs-, Sozial-, Finanz-, Arbeits- und Disziplinargerichte sowie beim Bundespatentgericht oder bei Hochschulen und anderen Unterrichtsanstalten

Staatsanwalt/-anwältin

  • Aufgaben: Verfolgung von Straftaten, Aufnahme von Ermittlungsverfahren, Anklage vor Gericht
  • Mögliche Arbeitgeber: Staatsanwaltschaften von Landes- und Oberlandesgerichten beziehungsweise Bundesanwaltschaft des Bundesgerichtshofs

Rechtsanwalt/-anwältin

  • Aufgaben: Mandanten in Rechtsangelegenheiten und Gerichtsprozessen beraten und vertreten
  • Mögliche Arbeitgeber: Anwaltskanzleien, Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, Interessenvertretungen, Verbände und Organisationen

Notar/in

  • Aufgaben: Rechtsgeschäfte wie Testamente, Kaufverträge oder Gründungsverträge beurkunden und beglaubigen
  • Mögliche Arbeitgeber: Notariate oder Rechtsanwaltskanzleien mit Notariat

Syndikus-Anwalt/-Anwältin

  • Aufgaben: größere Firmen und Verbände in rechtlichen Fragen beraten
  • Mögliche Arbeitgeber: Rechtsberatung, in Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche, bei Verbänden, Organisationen und Interessenvertretungen

Rechtspfleger/in

(Rechtspfleger/innen absolvieren ein duales Studium, das in eine Beamtenlaufbahn mündet)

  • Aufgaben: gerichtliche Entscheidungen treffen z.B. im Nachlass-, Betreuungs- und Vormundschafts-, Grundbuch- oder Registerrecht sowie bei Zwangsvollstreckungen
  • Mögliche Arbeitgeber: Gerichte, Staatsanwaltschaften, Justizverwaltungen, Bildungseinrichtungen der öffentlichen Verwaltung

(Beamten-)Ausbildungsberufe

Beamter/in – Justizvollzugsdienst (geh. Dienst)

  • Aufgaben: Dienstbetrieb einer Justizvollzugsanstalt sicherstellen, Verwaltungsaufgaben
  • Mögliche Arbeitgeber: Justizvollzugsanstalten

Beamter/in – Justizdienst (mittl. Dienst)

  • Aufgaben: Sachbearbeiter in Rechtsangelegenheiten, Aktenverwaltung, auch als Protokollführer, Urkundsbeamte, Kostenbeamte oder Anweisungsbeamte tätig
  • Mögliche Arbeitgeber: Gerichte, Staatsanwaltschaften

Duale Ausbildung

Justizfachangestellte/r

  • Aufgaben: organisatorische und verwaltende Büroarbeiten bei Gerichten und Staatsanwaltschaften; Aktenverwaltung, Fristenberechnung, Schriftverkehr und beglaubigen von Schriftstücken
  • Mögliche Arbeitgeber: Verwaltungs-, Zivil- oder Strafgerichte, Staatsanwaltschaften, Notariate und Rechtsanwaltskanzleien

Rechtsanwaltsfachangestellte/r

  • Aufgaben: Unterstützung von Rechtsanwälten bei rechtlichen Dienstleistungen, allgemeine organisatorische und kaufmännischen Tätigkeiten
  • Mögliche Arbeitgeber: Rechtsanwaltskanzleien, Inkassobüros, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, größeren Warenhausketten sowie Banken, Sparkassen und Versicherungen

Notarfachangestellte/r

  • Aufgaben: Notare bei rechtlichen Dienstleistungen unterstützen, organisatorische und kaufmännische Arbeiten
  • Mögliche Arbeitgeber: Notariate, kombinierte Rechtsanwaltskanzleien mit Notariat

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Stand: 19.09.2018