Unternehmen fit für die Zukunft machen

Gruppen-Coaching am Verhaltensrechteck
Unternehmensberater sind viel auf Reisen und verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit beim Kunden vor Ort.
Foto: Patricia Leitao

Arbeiten in der Unternehmensberatung

Unternehmen fit für die Zukunft machen

Ob in Personalfragen, im Zuge der Digitalisierung oder mit Blick auf neue Geschäftsfelder: Damit ihre Kunden auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleiben, entwickeln Berater Strategien, optimieren Arbeitsprozesse oder helfen, neue Projekte umzusetzen. Gefragt sind Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen, die teamfähig sind und sich schnell in komplexe Zusammenhänge reindenken können.

Jule Mannack ist seit einem Jahr für die Unternehmensberatung Accenture tätig. Als ‎„IT Strategy & Transformation Consultant“ arbeitet die 26-Jährige die meiste Zeit bei ihren Kunden vor Ort. Das kann in Deutschland, aber auch im Ausland sein. „Wenn man jeden Abend nach Hause kommen möchte, ist Beratung wohl die falsche Branche“, betont die 26-Jährige. Verschiedene Städte und neue Kollegen – für sie macht das die Arbeit reizvoll. Aktuell pendelt Jule Mannack zwischen Mainz, Düsseldorf und Frankfurt: Die Reisezeit nutzt sie zum Arbeiten.

In ihren Projekten geht es zum Beispiel um die Einführung neuer Software und um die Umstellung von IT-Strukturen bei den Kunden. Mit Programmieren hat ihre Tätigkeit dennoch wenig zu tun – sie kümmert sich vielmehr um die Strategie hinter den Projekten, indem sie zum Beispiel die Arbeitsschritte der Beteiligten koordiniert.
Für jedes Projekt wird ein Team zusammengestellt: „Das können drei bis 20 Personen sein, wobei sich die Teams meistens aus Beratern und Mitarbeitern des Kunden zusammensetzen“, erzählt sie. Diese analysieren die Ist-Situation der betreffenden Firma, zeigen Lösungswege auf und setzen die erarbeiteten Konzepte um.

Kein Nine-to-five-Job

Ein Porträt-Foto von Jule Mannack

Jule Mannack

Foto: accenture

Unternehmensberater haben den Ruf, häufig Überstunden machen zu müssen: „Mit einem regulären Nine-to-five-Job ist das sicherlich nicht vergleichbar“, räumt Jule Mannack ein. „Aber der Einsatz hängt immer auch von der Projektphase ab.“ Nicht jeden reizen Stunden im Zug oder mehrere Nächte pro Woche im Hotel – die Beratungsbranche fängt daher an, umzudenken: Bei ihrem Arbeitgeber Accenture wird aktuell zum Beispiel ein Vertragskonfigurator eingeführt, der es ermöglicht, sich stärker an einen Standort zu binden oder mehr Urlaubstage zu nehmen.

Den Einstieg in ihren Job hat Jule Mannack auch ohne klassischen IT-Hintergrund geschafft. „Neben einer hohen Affinität zur IT muss man vor allem analytisch und strukturiert arbeiten und sich schnell in neue Sachverhalte reindenken können“, erzählt sie. Auf ihre Tätigkeit vorbereitet hat Jule Mannack ihr Doppelabschluss in „International Management“, absolviert hat sie diesen Studiengang an der Hochschule Reutlingen sowie an der italienischen Università Cattolica del Sacro Cuore. „IT war und ist für mich eine zukunftsorientierte Key-Branche, die ich im Studium unbedingt näher kennenlernen wollte“, erzählt sie. Das gelang ihr über ein Praktikum.

Komplexe Zusammenhänge verstehen

IT ist neben Strategie-, Organisations-/Prozess- sowie Personalberatung eines der vier großen Themenfelder in der Unternehmensberatung. Unabhängig vom Schwerpunkt sind die Anforderungen an die Berater die gleichen: „Als Dienstleister durchleuchten sie Strukturen und Abläufe in den Unternehmen, hinterfragen die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und überlegen, wie Abläufe effizienter gestaltet werden können. Jedes Projekt bedeutet, hinter die Kulissen eines Unternehmens zu schauen. Ziel ist es, unternehmerische Entscheidungen vorzubereiten und auf eine fundierte Grundlage zu stellen“, erklärt Ludwig Kapsreiter, Berater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit in Passau.

Wichtig seien daher selbstständiges, strukturiertes Planen und Handeln. „Berater müssen sich stets neu in eine fachspezifische Materie einarbeiten können. Das ist sicherlich eine große Herausforderung. Sie müssen sich zudem in der Zusammenarbeit mit dem Kunden und auch im Team mündlich und schriftlich präzise ausdrücken und selbstsicher auftreten können“, betont er. Hinzu kommt, dass die Projekte termingebunden sind.

Nicht nur Betriebswirte gefragt

Viele Berufseinsteiger bringen ein betriebswirtschaftliches Studium mit: „Günstig sind Vertiefungsthemen wie Projektmanagement oder Change Management, wobei die eigentliche Spezialisierung wie Controlling oder Personalmanagement im Master stattfindet“, sagt Ludwig Kapsreiter. Neben BWL und VWL sind unter den Berufsanfängern auch Informatiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler, Juristen bis hin zu Philosophen anzutreffen. Auslandserfahrung und einschlägige Praktika erhöhen die Chancen auf einen Berufsstart als Unternehmensberater.

Nicht nur die großen Unternehmensberatungen suchen: Auch mittelständische Beratungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Inhouse-Consulting-Abteilungen großer Unternehmen brauchen Nachwuchskräfte. Wer zum Assessment-Center eingeladen wird und Fallstudien, Einzelinterviews und Intelligenztests besteht, den erwartet im Beruf eine steile Lernkurve: „Kaum ein Berufsfeld bietet in kurzer Zeit einen so breiten Einblick in unterschiedliche Branchen und Themen“, bestätigt der Experte. Das macht die Berater auch für Führungsaufgaben in Unternehmen interessant.

Gute Aussichten

„Mit einem Plus von zehn Prozent bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung von 2016 auf 2017 wurde der Zuwachs der vergangen Jahre noch einmal übertroffen“, sagt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. In den vergangenen Jahren ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Erwerbstätigen auf 156.000 gestiegen; hier sind auch die Selbstständigen miterfasst, die in der Unternehmensberatung einen Anteil von über 40 Prozent ausmachen.

Die Arbeitslosenquote ist mit unter drei Prozent gering. „Durch die mit der Digitalisierung zu erwartenden Veränderungsprozesse in den Unternehmen wird auch in den nächsten Jahren ein hoher Bedarf an Unternehmensberatern bestehen“, ist sich die Expertin sicher.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z.B. Unternehmensberatung)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Inhouse Consulting Network

Netzwerk der Inhouse-Beratungen deutscher Unternehmen
www.inhouse-consulting.de

Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e. V. (BDSU)

www.bdsu.de

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.

www.bdu.de

Deutsche Gesellschaft für Beratung e.V. (DGfB)

www.dachverband-beratung.de

Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V.

www.kmu-berater.de/startseite.html

Verband Beratender Ingenieure VBI

www.vbi.de

VBV – Vereinigung beratender Betriebs- und Volkswirte e.V.

www.vbv.de

 

Inhouse-Consultant

Der Berater im eigenen Haus

Als Inhouse-Consultant ist Philipp Eustermann (35) nah dran – sowohl an den Entscheidern im Unternehmen als auch an der Umsetzung von zukunftsweisenden Konzepten.

„Das Inhouse-Consulting ist eine unternehmensinterne Einheit, die unterschiedliche Beratungsdienstleistungen für unsere Geschäftsbereiche anbietet. Wir entwickeln Strategien, erarbeiten neue Geschäftsmodelle und setzen diese auch unternehmensintern um“, erklärt Philipp Eustermann.

„Ein ganz großes aktuelles Thema ist die Digitalisierung. Wo sehen wir mit Blick auf Industrie 4.0 Chancen für unser Unternehmen, wie verändern etwa die neuen technischen Möglichkeiten unsere Produktion und wie wirkt sich das auf unsere Vertriebsmodelle aus?“ Das sind nur einige der Fragen, die sich Philipp Eustermann und seine Kollegen stellen.

Das Unternehmen durch die Zukunft navigieren

Ein Porträt-Foto von Philipp Eustermann

Philipp Eustermann

Foto: privat

Sein Arbeitgeber, die Claas GmbH, ist ein internationaler Landmaschinenkonzern mit Hauptsitz im ostwestfälischen Harsewinkel bei Gütersloh. Das Unternehmen gehört zu den größten Landmaschinenherstellern weltweit. Die Aufgabe des 35-Jährigen besteht darin, das Unternehmen durch die Zukunft zu navigieren: „Inhouse-Consulting ist wie das Führen eines Schiffes, das auch bei stürmischen Wellengang sicher vorankommen muss. Wir schauen uns die eigene Ausrichtung an: Wohin wollen wir wachsen, welche neuen Produkte können wir entwickeln? Ankerpunkte bilden strategische Leitlinien, die vom Topmanagement vorgegeben werden.“

Philipp Eustermann ist seit dreieinhalb Jahren bei Claas und leitet mittlerweile die Sparte „Mergers & Acquisitions“, ein Sammelbegriff für den Kauf beziehungsweise Verkauf von Unternehmen oder Firmenanteilen. Ein Beispiel aus dem Bereich Digitalisierung: Claas produziert selbstfahrende Erntemaschinen. Um das notwendige IT-Know-how für diese voll vernetzten Technologien ins Unternehmen zu holen, kaufte der Konzern Spezialfirmen ein. Ein junges Start-up entwickelte zum Beispiel eine Reifendruckregleranlage, die den Reifendruck eines Traktors an die Fahrbedingungen anpasst: Auf dem Feld wird der Druck abgesenkt, auf der Straße erhöht.

Menschen für Projekte begeistern

Philipp Eustermann betreut in der Regel mehrere Projekte parallel, entsprechend straff ist sein Tagesprogramm: Er erarbeitet Markt-, Struktur- und Prozessanalysen, interpretiert die Daten und organisiert entsprechend Projekte: „Unsere Beraterteams sind in der Regel gemischt und stellen sich aus internen und externen Beratern sowie natürlich aus Experten mit landwirtschaftlichem Hintergrund aus unserem Haus zusammen“, sagt er.

Die interne Kommunikation ist dabei extrem wichtig: „Man muss die Menschen für die Projekte begeistern können“, erklärt er. „Außerdem müssen die Berater in der Lage sein, komplexe Sachverhalte prägnant und verständlich vorzutragen.“ Im Gegensatz zu externen Beratern, die nur für einen begrenzten Zeitraum in einem Unternehmen verweilen, müssen Inhouse-Berater auch wissen, wer im Unternehmen welche Interessen verfolgt.

Beste Voraussetzungen für den Traumjob

Philipp Eustermanns Vita bereitete ihn ideal auf seine heutige Position vor: Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Corporate Finance und Accounting an der Universität Bayreuth. Sehr gute Noten, aber auch das gute Abschneiden in einem studentischen Wettbewerb waren sein Türöffner für ein Praktikum bei KPMG, einem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen, wo er später als Berater im Bereich Transaktionen tätig war. Berufsbegleitend konnte er dort seine Promotion umsetzen. Hinzu kamen ein Praktikum und Studium in den USA.

Mit seinem finanzmathematischen Hintergrund und den Praktika hat er sowohl die Seite der Wirtschaftsprüfung als auch die der Beratung kennengelernt: „Das ist eine gute Vorbereitung, um als In-House-Berater in ein Unternehmen zu wechseln. Das Attraktive daran ist für mich, dass ich näher an den Entscheidungen und den Umsetzungen dran bin.“

 

Mergers-and-Acquisitions-Specialist

Fusion nicht ohne Anwalt

Ob Übernahme, Verkauf oder Aktienplatzierung – Unternehmen brauchen Anwälte wie etwa Carolin Schlütter, die sie in Rechtsfragen beraten. Die 28-Jährige betreut seit über einem Jahr in der international tätigen Wirtschaftskanzlei ARQIS Transaktionen von Unternehmen.

Wenn ein Tiernahrungsproduzent an einen internationalen Lebensmittelkonzern verkauft wird, ein Süßwarenhersteller ein Unternehmen für Dragees erwirbt oder ein Reiseveranstalter eine Online-Plattform kauft, sind hinter den Kulissen Spezialisten gefragt. Viele denken dabei in erster Linie an betriebswirtschaftliche Berater, die das Für und Wider derartiger Transaktionen abwägen – unverzichtbar bei solchen Übernahmen sind aber auch Anwälte, die sich mit den jeweiligen Rechtsfragen auskennen.

Eine Spezialistin für solche Aufgaben ist Carolin Schlütter. Die 28-Jährige Juristin ist eine von rund 45 Anwälten der Wirtschaftskanzlei ARQIS mit Standorten in Düsseldorf, München und Tokio. Die Gesellschaft berät Unternehmen im In- und Ausland zu den Kernfragen des deutschen und japanischen Wirtschaftsrechts.

Hohes Arbeitspensum

Ein Porträt-Foto von Carolin Schlütter

Carolin Schlütter

Foto: privat

Anders als in Kanzleien, die sich klassisch mit Familien-, Erb- oder Strafrecht befassen, und in denen die Rechtsanwälte viel Zeit vor Gericht verbringen, besteht Carolin Schlütters Berufsalltag, die in der Düsseldorfer Kanzlei tätig ist, vor allem aus Schreibtischarbeit und Vertragsverhandlungen: Da gibt es zum Beispiel die sogenannte ,Due Diligence'-Prüfung. Plant ein Unternehmen den Kauf eines anderen Unternehmens, muss das Kaufobjekt zuvor auf Herz und Nieren geprüft werden. Alle Unterlagen müssen akribisch und sorgfältig gesichtet und ausgewertet werden, um mögliche Risiken zu identifizieren und um einen Kaufpreis festlegen zu können. Das ist vor allem Fleißarbeit“, erzählt Carolin Schlütter.

Diese sehr aufwendigen Prüfungen werden ebenso im Team durchgeführt wie etwa Vertragsprüfungen oder der Abschluss einer Transaktion. „Um solche komplexen Deals abwickeln zu können, spielt das Projektmanagement eine große Rolle“, erklärt die Anwältin. ARQIS stellt Teams zusammen; diese koordinieren alle am Projekt beteiligten Berater, sorgen für eine reibungslose Kommunikation und stehen zudem dem Kunden mit Rat und Tat zur Seite: „Da gibt es viele Absprachen und viel zu organisieren“, erklärt die 28-Jährige. Ebenso wie in Unternehmensberatungen ist das Arbeitspensum in vielen Kanzleien hoch: „Das hängt natürlich von der Projektphase ab. Es gibt Spitzenzeiten, aber auch entsprechend ruhigere Phasen“, sagt sie. Letztere nutzt sie dann, um etwa Vorträge oder Fachartikel zu verfassen.

Neben Spezialwissen, etwa im Kapitalmarktrecht, Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Kartell- oder Steuerrecht, müssen die Anwälte vor allem auch wirtschaftliches Denken mitbringen: „Juristisch sind oft mehrere Wege möglich. Um aber die für den Mandanten beste Option zu erkennen, muss man auch die wirtschaftlichen Folgen abschätzen können“, erklärt Carolin Schlütter.

Fokussierung im Studium

Ihr Interesse an wirtschaftlichen Themen hat sich im Laufe ihres Jurastudiums entwickelt. An der Universität Münster besuchte sie im fünften und sechsten Semester Veranstaltungen in Wirtschaftsrecht und sammelte Praxiserfahrungen in Wirtschaftskanzleien.

Was sie schnell gemerkt hat: Wer in einer Wirtschaftskanzlei Fuß fassen will, braucht verhandlungssichere Englischkenntnisse: „Da ich das unbedingt vertiefen wollte, habe ich mich statt für eine Promotion für einen internationalen Master entschieden und in Maastricht International Economic Law studiert. In den Wirtschaftskanzleien ist ein Master of Laws (LL.M.) oder eine Promotion generell gerne gesehen“, merkt Carolin Schlütter an.

 

Controlling & Consulting dual

Handwerkszeug für die Beratung

Rebecca Rist (22) studiert an der DHBW in Villingen-Schwenningen „Controlling & Consulting“. Der duale Bachelorstudiengang bereitet die Absolventen insbesondere auf den Einstieg in Finanzabteilungen von Unternehmen sowie in Unternehmensberatungen vor.

„Überdurchschnittliche Belastbarkeit und gute Konfliktlösungsfähigkeiten werden vorausgesetzt. Eine hohe geistige Flexibilität, Zielorientierung und der nötige Biss bei der Bearbeitung immer neuer betriebswirtschaftlicher Probleme sind zentrale Kriterien.“ So steht es auf der Homepage des Studiengangs „Controlling & Consulting“ der DHBW Villingen-Schwenningen. Ist die Beschreibung übertrieben? „Durchaus realistisch“, findet Rebecca Rist. Sie studiert im dritten Semester und weiß, was damit gemeint ist.

Das Lernpensum ist hoch. Schon allein die 210 ECTS-Punkte, die in sechs Semestern Regelstudienzeit erreicht werden müssen, deuten darauf hin. Ohne nötigen Biss ist das sicherlich nicht zu schaffen – denn die Semester sind kurz, gerade mal drei Monate inklusive Prüfungen. Auf die Theoriephase an der Hochschule folgt eine ebenfalls dreimonatige Praxisphase im Unternehmen.

Mit Zahlen jonglieren

Ein Porträt-Foto von Rebecca Rist

Rebecca Rist

Foto: privat

Dennoch ist Rebecca Rist mit ihrer Studienwahl zufrieden. Bereits im Abitur hatte sie den Schwerpunkt auf Wirtschaft gelegt und entschied sich bewusst für ein betriebswirtschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Controlling. In der Arbeitswelt unterstützen Controller die Entscheidungen des Managements, indem sie Informationen sammeln, aufbereiten, analysieren und überprüfen. Die methodischen Grundlagen des Controllings sind zugleich das Handwerkszeug, das Mitarbeiter in Unternehmensberatungen anwenden.

Klassische Kosten-Leistungs-Rechnungen, Kalkulieren, Kosten analysieren, Kennzahlensteuerung – überhaupt mit Zahlen jonglieren macht der 22-Jährigen Spaß. In ihrem Studenenplan finden sich daher Fächer wie Volkswirtschaftslehre, Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht, Wirtschaftsmathematik, Finanzbuchführung oder auch Informationsmanagement. Abgerundet wird dieser durch Schlüsselqualifikationen wie Wirtschaftsenglisch, Präsentation und Projektmanagement.

„Möglichst viele Abteilungen kennenlernen“

Ohne Theorie geht es nicht, dennoch bevorzugt Rebecca Rist die Anwendung in der Praxis: „Ich mag es, wenn ich die Ergebnisse meiner Arbeit sehen kann.“ Die 22-Jährige arbeitet in den Praxisphasen in einem international tätigen Konzern, wo sie neben dem Controlling auch Einkauf, Lager, Angebots- und Rechnungserstellung oder die Produktion kennenlernt. „Im Controlling wird mit Informationen aus allen Abteilungen gearbeitet. Um zu verstehen, wie ein Unternehmen als Ganzes funktioniert, sollte man möglichst viele Abteilungen gesehen haben“, findet die duale Studentin.

Wie es nach dem Bachelor weitergeht, kann sie noch nicht sagen – vorstellen kann sie sich vieles: Arbeiten, um tiefer in die Materie einzudringen, oder auch ein Masterstudium draufsatteln und sich noch weiter spezialisieren. Auch mit Blick auf ihre spätere Tätigkeit ist sie offen: „Consulting ist sicherlich ein spannendes Feld, weil es so vielseitig ist und man sehr stark teamgebunden arbeitet.“

 

Arbeiten in der Unternehmensberatung – Interview

Projektmanagement rückt in den Vordergrund

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um in der Unternehmensberatung erfolgreich zu sein? Und welche Trends bestimmen die Zukunft der Branche? abi>> hat mit Klaus Reiners, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), gesprochen.

abi>> Herr Reiners, brauchen Berufseinsteiger zwingend einen sehr guten Abschluss, um für Unternehmensberatungen interessant zu sein?

Klaus Reiners: Nach wie vor achten die großen, international tätigen Consultingunternehmen stark auf die Noten. In kleineren, häufig spezialisierten Beratungen ist vor allem der persönliche Eindruck entscheidend. Grundsätzlich kommt es allen Consultingfirmen darauf an, dass der Kandidat zur Beratung passt und bei ihm Entwicklungspotenziale erkennbar sind.

abi>> Gibt es so etwas wie eine Beraterpersönlichkeit?

Ein Porträt-Foto von Klaus Reiners

Klaus Reiners

Foto: BDU

Klaus Reiners: Neben der fachlichen Expertise ist die Persönlichkeit wichtig. 90 bis 95 Prozent der Projekte in den Beratungen sind Umsetzungsprojekte. Berater erstellen also nicht nur Strategien und Konzepte, sondern gehen in die Unternehmen hinein und setzen die Projekte auch um – daher müssen sie gut mit Menschen umgehen können.

abi>> Wie können Interessenten ihren Einstieg in die Branche frühzeitig vorbereiten?

Klaus Reiners: Ein Engagement in einer studentischen Beratung ist hilfreich. Studierende erhalten dadurch nicht nur Einblicke in die Projektarbeit, sondern beweisen, dass sie belastbar sind und ein Ziel vor Augen haben. Studentische Beratungen werden bei der Talentsuche von vielen Beratungsunternehmen gerne als Recruiting-Pool genutzt.
Auch Praktika oder eine Tätigkeit als Werkstudent sind gute Möglichkeiten, sich von der Masse abzuheben. Bei den Fremdsprachenkenntnissen geht man davon aus, dass Englisch fließend gesprochen wird. Das ist das A und O im Berateralltag. Aber je nach Schwerpunkt einer Beratung kann sich ein Bewerber mit weiteren Fremdsprachen interessant machen.

abi>> Lange Arbeitstage, ständiges Reisen: Sind das nur Klischees?

Klaus Reiners: Natürlich stehen auch in anderen Branchen Deadlines an, die zu Spitzenzeiten und Mehrarbeit führen. Im Consulting liegt das in der Natur der Dienstleistung. Projekte müssen vorangebracht werden, weil wichtige Entscheidungen anstehen. Die Termine sind unumstößlich. Das bringt lange Arbeitstage mit sich. Mittlerweile bieten die Beratungen ihren Mitarbeitern immer häufiger an, nach anstrengenden Projekten Auszeiten zu nehmen.
Natürlich darf man die Reisetätigkeit und die Abwesenheit von Zuhause nicht unterschätzen. Auch hier wird versucht gegenzusteuern, etwa mit einem Bürotag am Standort oder im Homeoffice. Hier schafft die Digitalisierung flexible Möglichkeiten.

abi>> Welche Trends bestimmen die Zukunft der Branche?

Klaus Reiners: Im Consulting ist die Digitalisierung das große Thema derzeit. Sie betrifft nicht nur die IT, sondern erstreckt sich über alle Branchen und Unternehmenseinheiten. Das verändert die Geschäftsmodelle, die Prozesse und Organisationformen. Berater müssen ihre Kunden beim Übergang in das digitale Zeitalter begleiten. Neben Change Management spielen dabei auch die Auswertung und der Umgang mit Daten eine entscheidende Rolle.

 

Arbeiten in der Unternehmensberatung – Übersicht

Berater für alle Bereiche

Von Risikoanalysen bis hin zur IT – Unternehmensberater können ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben. abi» listet einige Beispiele auf.

Risk-Manager/innen

… arbeiten bei Banken, Versicherungen und größeren Unternehmen, wo sie mittels mathematisch-statistischer Methoden mögliche Risiken analysieren und bewerten. Sie erarbeiten zum Beispiel Vermögens- und Vorsorgepläne, sprechen Empfehlungen für Versicherungspakete oder Kreditabschlüsse aus und untersuchen Faktoren, die etwa den Kurs von Aktien, Wertpapieren und Fondsanteilen beeinflussen.

Zugangsvoraussetzung:
Wirtschaftswissenschaftliches Studium; eventuell weiterführendes Studium im Bereich Risikomanagement

 Business-Development-Manager/innen

… arbeiten in größeren Unternehmen, wo sie Geschäftsideen entwickeln und deren Umsetzung begleiten. Mithilfe betriebswirtschaftlicher Methoden bewerten sie Marketing-Chancen, erschließen neue Geschäftsfelder und suchen nach strategisch klugen Partnerschaften.

Zugangsvoraussetzung:
Wirtschaftswissenschaftliches Studium

 Betriebsplaner/innen

… helfen Unternehmen, ihre gesteckten Ziele zu erreichen und weiterzuentwickeln. Sie beraten je nach Schwerpunkt sowohl in organisatorischen, betriebswirtschaftlichen und auch technischen Fragen, erarbeiten Optimierungskonzepte und begleiten die Umsetzung.

Zugangsvoraussetzung:
Wirtschafts- oder ingenieurwissenschaftliches Studium

 Corporate Profiler/innen

… sind darauf spezialisiert, eine Corporate Identity (CI) für Unternehmen zu entwickeln. Eine CI beschreibt das Profil eines Unternehmens, das es in der Öffentlichkeit haben soll: Wofür soll das Unternehmen stehen, welches Erscheinungsbild soll es haben, mit welchen Konzepten kann die CI erfolgreich kommuniziert werden?

Zugangsvoraussetzung:
Kommunikations- oder wirtschaftswissenschaftliches Studium

 Mergers-and-Acquisitions-Specialists

… sind Spezialisten für Fusionen und Unternehmenskäufe. Sie analysieren und bewerten Marktchancen, Synergien und Risiken wie etwa Kosten und die Konflikte unterschiedlicher Firmenkulturen.

Zugangsvoraussetzung:
Juristisches oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium plus Spezialisierung, etwa einen internationalen „Master of Laws (LL.M.)“ oder „Executive Master of Business Administration (EMBA)“

 IT-Berater/innen

… unterstützen Unternehmen bei der Neueinführung oder Weiterentwicklung von IT-Systemen – von Cloud Computing bis hin zu Zeiterfassungssystemen. IT-Berater sind Vermittler zwischen der IT- und der Geschäftswelt und arbeiten projektgebunden.

Zugangsvoraussetzung:
Informatikstudium, Wirtschaftsinformatik oder wirtschaftswissenschaftlicher Studiengang plus Zusatzqualifikation

 

abi» Quiz

Beraterdeutsch für Anfänger

Hast du schon einmal über deine “career change opportunities” nachgedacht oder bist am „main pain point“ angekommen? Mit Begriffen wie diesen können die meisten nur wenig anfangen. In der Unternehmensberatung sind solche Floskeln dagegen Usus. Kommst du mit dem Beratersprech zurecht? Teste dein Wissen im abi>> Quiz.

Foto: Jens Oellermann


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Stand: 21.09.2018