Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Ab ins Ausland

Kambodscha
Neue Erfahrungen fernab der Heimat machen: Freiwilligendienste sind in vielen Ländern der Erde möglich.
Foto: Antonia Möller

Auszeit im Ausland – Hintergrund

Ab ins Ausland

Spanischlernen in Playa Tamarindo, Pferde striegeln in Irland, Kinder betreuen in London oder in einer Suppenküche in Chicago helfen: Die Anzahl an Programmen und Optionen, ins Ausland zu gehen, ist groß. Doch wie findet man das richtige Programm?

Auch Rebecca Zöller wollte nach dem Abitur ins Ausland, aber nicht einfach nur reisen, sondern dabei auch etwas Sinnvolles tun: „Das klingt ein bisschen nach ‚Welt verbessern‘, aber ich denke, diesen Wunsch haben viele“, meint die 19-Jährige. Deshalb entschied sie sich für einen Freiwilligendienst auf den Philippinen und arbeitete zwölf Monate in zwei Heimen für Straßenkinder.

Ein Porträt-Foto von Rebecca Zöller

Rebecca Zöller

Foto: privat

Sie packte dort mit an, wo jede helfende Hand gebraucht wurde: Sie kochte, half auf den Reisfeldern, die zum Heim gehören, strich Wände oder spielte mit den Kindern. „Am Anfang hat man große Projekte im Kopf“, sagt sie. „Ich habe schnell begriffen, dass ich keine weltbewegenden Veränderungen anstoßen werde, dennoch ist ganz viel passiert.“ Es waren die kleinen Dinge und Gesten, mit denen sie sich der Kultur und den Menschen genähert hat: „Ich wurde aufgenommen, habe die Sprache gelernt und begriffen, dass dort vieles einfach anders funktioniert als bei uns.“ Erfahrungen, an denen sie gewachsen ist, wie sie heute weiß.

Das richtige Projekt finden

Ein Porträt-Foto von Clemens Wetzel

Clemens Wetzel

Foto: privat

Ermöglicht wurde ihr der Freiwilligendienst über den Verein Soziale Dienste International (SDI) mit Sitz in Duisburg. Im SDI organisieren Ehrenamtliche staatlich anerkannte Freiwilligendienste. Einer von ihnen ist Clemens Wetzel: „Die Teilnahme ist für jeden im Alter zwischen 18 und 27 Jahren möglich“, erklärt er. Passende Projekte und Aufgaben für die Schulabgänger zu finden, die noch keine berufliche Ausbildung mitbringen, sei gar nicht so leicht. „Nicht immer sind die Hilfsprojekte in den Anzeigen treffend beschrieben. Man sollte daher persönlich von jemanden betreut werden, der vor Ort war und die Verhältnisse kennt“, betont er.

Für Clemens Wetzel ist dies nur einer der Gründe, warum Jugendliche einen Freiwilligendienst mit einer staatlich anerkannten Organisation planen sollten: „Wir bieten eine ausführliche Vorbereitung, persönliche Ansprechpartner für die organisatorische und pädagogische Betreuung, ein professionelles Notfallmanagement, vollumfänglichen Versicherungsschutz, klare Verhaltensregeln und Richtlinien sowie eine umfassende Aufarbeitung der Erlebnisse in der Nachbereitung“, zählt der Experte auf. „Zudem haben Freiwillige im Rahmen eines anerkannten Programmes einen Rechtsstatus, was mit Blick auf die Krankenkasse, das Kindergeld und eine Anerkennung als Praktikum – etwa für ein Studium – wichtig ist.“

Engagement auch nach dem Aufenthalt

Rebecca Zöllers Aufenthalt auf den Philippinen war ein sogenannter Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD), der vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. „Der Zuschuss deckt aber nur einen Teil der Kosten“, betont Clemens Wetzel. Beim SDI übernehmen die Freiwilligen einen Sozialbeitrag, weitere Kosten trägt der Verein. Rebecca Zöller bezahlte 1.600 Euro. Der Betrag deckte Unterkunft, Verpflegung, Versicherungen sowie alle Reisekosten ab. Vom SDI bekam sie ein monatliches Taschengeld von 110 Euro.

Wer den Sozialbeitrag nicht aufbringen kann, hat die Möglichkeit, sich beim SDI um ein Stipendium zu bewerben. Andere Organisationen setzen statt des Sozialbeitrages auf Spenden, die die Freiwilligen selbst einsammeln müssen. Rebecca Zöller studiert mittlerweile Journalistik und engagiert sich ehrenamtlich beim SDI – „um etwas zurückzugeben“.

Was willst du erreichen?

Ein Porträt-Foto von Heidi Schneider

Heidi Schneider

Foto: privat

Freiwilligendienst, Au-pair, Sprachreise, Work & Travel oder Praktikum – für welche Option man sich entscheidet, hängt ganz von der Zielsetzung ab: „Wer Sprachkenntnisse vertiefen, interkulturelle Kompetenzen erweitern und vielleicht auch ein Sprachzertifikat erwerben will, für den ist eine Sprachreise sinnvoll“, erklärt Heidi Schneider, Beraterin der Agentur für Arbeit Traunstein. Sprachreisen kosten Geld, wobei einige Anbieter auch Stipendien vergeben. (Weitere Tipps erhältst du im Infotext „Sprachreisen im Ausland“.) „Als Au-pair hingegen ist man in eine Familie integriert, bindet sich dafür aber auch an den Tagesablauf und an den Wohnort der Familie. (Mehr Infos findest du im Text „Als Au-pair ins Ausland“.) Dafür bekommt man ein Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung. Wer lieber unabhängig ein Land bereisen und auch Geld verdienen möchte, ist mit Work & Travel gut beraten“, empfiehlt die Beraterin. (Siehe auch die Reportage „Work & Travel in Kanada“.)

Während man mit Hilfsjobs je nach Land gutes Geld verdienen kann, stehen bei Praktika erste berufliche Erfahrungen im Vordergrund. Da Abiturienten in der Regel keine Vorkenntnisse mitbringen, ist es gar nicht so einfach, Stellen zu finden. Informationen und konkrete Angebote gibt es bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, die Praktika sowie Saison- und Sommerjobs im Ausland vermittelt, zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen, in Hotels oder in Freizeitparks.

Wer sich für längere Zeit ins Ausland gewagt hat, profitiert davon auch im Nachhinein, weiß Heidi Schneider: „Arbeitgeber schätzen es, wenn jemand im Ausland war. Diese Zeit lässt junge Menschen reifen und selbständiger werden.“

Frühzeitig mit der Planung beginnen

Für welche Möglichkeit man sich auch entscheidet, wichtig ist in jedem Fall, sich frühzeitig zu informieren und die jeweiligen Anforderungen und Voraussetzungen zu prüfen. Auch sollte man sich erkundigen, unter welchen Voraussetzungen weiterhin Kindergeld gezahlt wird und welche Versicherungen abgedeckt sind.

Damit aus dem Auslandsjahr nicht unfreiwillig ein zweites „Überbrückungsjahr“ wird, sollte man darauf achten, dass man die Zeit nach dem Auslandsaufenthalt nicht aus den Augen verliert: „Man kann sich heute von überall aus der Welt online bei Hochschulen bewerben oder Bewerbungen vorbereiten und die Familie bitten, diese fristgerecht abzusenden“, empfiehlt die Expertin.

Weitere Informationen

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

Hier gibt es Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland.
www.ba-auslandsvermittlung.de

Rausvonzuhaus

Die Seite bietet neutrale Informationen zu Auslandsaufenthalten.
www.rausvonzuhaus.de

weltwärts

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen.
www.weltwaerts.de

Kulturweit

Der internationale Kulturfreiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren.
www.kulturweit.de

Au-Pair Society e.V.

Der Au-Pair Society e.V. ist der Bundesverband für Au-pair Agenturen, Gastfamilien und Au-pairs in Deutschland.
www.au-pair-society.org

Gütegemeinschaft Au-pair

Zusammenschluss deutscher Au-pair-Agenturen, die gemeinsame Qualitätsstandards entwickelt haben
www.guetegemeinschaft-aupair.de

Europäischer Freiwilligendienst Jugend für Europa

Die offizielle Seite zum Europäischen Freiwilligendienst
www.go4europe.de

abi>> 11.12.2017