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Zwischen Schule & Beruf

„Not lost in Translation“

Meine Studienbewerbungen sind bereits abgeschickt. Jetzt gilt es nur noch zu warten, bis ich an den Aufnahmeverfahren teilnehmen kann. Sollte es mit Eichstätt und Freiburg nicht klappen, werde ich mich als Plan B in Bamberg einschreiben. Die Uni dort hat im Hochschulranking für Politikwissenschaften ganz gut abgeschnitten und der Studiengang ist dort zulassungsfrei. Um die Zeit bis zur Entscheidung zu überbrücken, helfe ich in der Schule der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Zirndorf aus.
Meine Mutter bietet dort Donnerstagvormittags immer eine gynäkologische Sprechstunde an und so lohnt sich das Hin- und Zurückfahren doppelt. Die Schule beginnt immer um neun und die Lehrerin startet den Unterricht immer mit einer Vorstellungsrunde. Ein Kind fängt an, sagt auf Deutsch seinen Namen und fragt schließlich seinen Sitznachbarn: „Wie heißt du?“. Anschließend wird das Ganze mit den Fragen „Wie alt bist du?“, „Wie geht es dir?“ und „Woher kommst du?“ wiederholt. Letzteres eröffnet einem dabei das ganze Spektrum der unterschiedlichen Nationalitäten, denen die Kinder angehören. Da sind zum Beispiel Kinder aus Syrien, aus Armenien oder Aserbaidschan. So spricht ein Teil der Gruppe kurdisch oder arabisch und ein anderer russisch. Blöd nur, dass ich keine dieser Sprachen beherrsche, weshalb ich mich zur Verständigung mit den Kindern auf meine Hände und Füße verlassen muss. Die Lehrerin spricht Russisch und eine weitere Aushilfe Arabisch. Und wenn ein Kind nur kurdisch spricht, hat man in so einer gemischten Klasse ja auch eine ganze Menge potenzieller Dolmetscher.
Schwieriger hat es da meine Mutter mit ihren Patientinnen, die oft nur ein paar Worte Englisch oder Deutsch verstehen. Einige der Frauen tippen deshalb ihre Frage in ein Übersetzungsprogramm in ihr Smartphone ein. Andere lassen ihre Kontakte spielen und rufen kurzerhand einen Bekannten an, der sowohl Deutsch als auch ihre Muttersprache spricht. Schnell gehen muss das alles natürlich trotzdem, schließlich ist das Wartezimmer immer gut gefüllt und so erledige ich nach und vor der Schule immer ein paar kleinere Aufgaben, wie das Sortieren der Akten, für das meine Mutter und ihre Assistentin keine Zeit haben.

 

Autor: Lea  |  Rubrik: orientieren  |  22.06.2016

Zwischen Schule & Beruf

Ein bisschen Spontanität muss sein

Nachdem ich völlig unerwartet zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, folgte direkt die nächste Überraschung. Entgegen meiner Erwartung sollten wir nämlich nicht in Brisbane selbst arbeiten, sondern hunderte Kilometer entfernt. Und das direkt am kommenden Morgen. Nachdem ich also genau einen Tag in Brisbane verbracht hatte, hieß es für mich wieder Rucksack packen und weiter geht's. Ich glaube sowas passiert einem auch nur in Australien. In Deutschland wäre das Ganze mit Sicherheit nicht einmal halb so spontan, aber dafür besser geplant abgelaufen. Eigentlich hatte ich mich schon auf eine längere Jobsuche eingestellt und darüber informiert, was ich mir in den nächsten Tagen in Brisbane anschauen könnte. Aber manchmal muss man eben einfach spontan sein.

Die Gruppe, mit der ich die kommende Woche verbringen sollte, war total gemischt. Von Australiern, über Neuseeländer, Schotten, einer Polin, zwei Indern und einem weiteren Deutschen war alles dabei. Mit einem gemieteten Kleinbus ging es dann etwa zehn Stunden Richtung Norden bis nach Rockhampton. Hier sollten wir die nächste Woche arbeiten. Nach meinen ersten Tagen als frischgebackener Fundraiser muss ich sagen, dass dieser Job auf jeden Fall angenehmer ist als Telemarketing. Es ist doch um einiges abwechslungsreicher und auch leichter mit den Leuten persönlich zu sprechen. Trotzdem ist es unglaublich schwer, die Leute zu überzeugen, monatlich einen gewissen Betrag an die Agentur zu überweisen, der dann an eines der benachteiligten Kinder weitergeleitet wird. Ich würde vermutlich selbst auch keine Bankdaten an eine fremde Person, die an meiner Tür klopft, herausgeben und mich innerhalb von fünf Minuten dazu bringen lassen, einen monatlichen Vertrag einzugehen, ohne davor wirklich gründlich darüber nachgedacht und mich selbst nochmal informiert zu haben.

Autor: Nadine  |  Rubrik: orientieren  |  20.06.2016
Autor: Nadine
Rubrik: orientieren
20.06.2016

Zwischen Schule & Beruf

Mehr Glück bei der Jobsuche in Brisbane

Inzwischen bin ich in Brisbane angekommen, wo ich mich auch schon wieder von meinem Wegbegleiter verabschieden musste. Seine Reise ging weiter Richtung Fiji, während ich mich erst mal wieder auf Jobsuche begab. Irgendwie ist es wirklich schade, dass sich die Wege immer gerade dann trennen, wenn man anfängt, sich richtig kennenzulernen.

Nachdem es in Sydney ganze drei Wochen gedauert hatte, bis ich endlich einen Job gefunden hatte, sollte ich diesmal mehr Glück haben. Ich bewarb mich wirklich für jeden erdenklichen Job, der auch nur annähernd infrage kam, um die Chance auf eine Rückmeldung zu erhöhen. Und tatsächlich: Noch am selben Tag, an dem ich meine Bewerbungen abgeschickt hatte, wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Da ich unzählig viele Bewerbungen verschickt hatte, wusste ich zunächst ehrlich gesagt überhaupt nicht, um welchen Job es dabei ging. Es stellte sich heraus, dass ich bei einer Fundraising-Agentur gelandet war. Nachdem ich mich für meinen Telemarketing-Job eher weniger begeistern konnte, war ich nicht ganz sicher, was ich davon halten sollte. Meine Aufgabe ist es, von Tür zu Tür zu laufen und zu versuchen, Leute dafür zu begeistern, ein benachteiligtes Kind in Asien oder Afrika zu sponsern. Irgendwie klang das auf den ersten Blick nicht so prickelnd. Da ich inzwischen genau weiß, dass man hier bei der Jobsuche nicht wählerisch sein darf, habe ich dennoch zugesagt.

Autor: Nadine  |  Rubrik: orientieren  |  09.06.2016