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Zwischen Schule und Beruf

Aufbruch

Mich beschleicht dass Gefühl, dass ich jetzt typischerweise mit Berichten von meiner Aufregung vor dem ersten Tag, einer heulenden Familie am Bahnhof oder einer innigen letzten Umarmung vom Freund erzählen müsste...

Tatsächlich fällt mein Abschied allerdings doch irgendwie nüchtern aus. Ich gehe grundsätzlich relativ unbekümmert und zuversichtlich durch die Welt, sodass es mir schwer fiel, der Abfahrt mit Aufregung oder gar mit Zweifeln entgegenzublicken.

Als ich losfuhr, habe ich also noch gar nicht begriffen, was mir gerade für eine Veränderung bevorsteht. Dazu passend finde ich meinen Bruder noch im Bett vor, als ich ihm aus Wiedersehen sagen will. Es folgen drei doch noch sehr herzliche Umarmungen von Mama, Papa und Schwesterchen und los kann's gehen – (nur!) 15 Minuten später als geplant. Eigentlich. Weil das doch ein bisschen zu reibungslos gewesen wäre, zeigt das Navi zunächst gar nichts an. Entschuldigen lässt sich dieser Schwächeanfall glücklicherweise schnell, als sich herausstellt „da ist kein Strom drin“.

Nach halber Strecke ziehe ich begeistert Bilanz: nur ein Stau, noch kein Unfall, dafür eine gefundene Abkürzung. Viel besser geht’s ja gar nicht, denke ich, und fahre den Erklärungen meiner Mama folgend von der Autobahn auf die Bundesstraße. Prompt fängt das Navi an, sich zu beschweren und fordert die Rückkehr, was ich munter ignoriere. Definitiv hatte Mama gesagt: „Hinter Schweich, über die Mosel rüber, Abfahrt B206 nehmen.“ Halt! Stop! Hinter der Mosel? Soweit ich mich erinnere, habe ich noch kein Stück Fluss gesehen. Angenommen, ich habe, wie es sich beim Autofahren empfiehlt, durchgängig aus dem Fenster geschaut, liegt der Schluss nahe, dass ich in die falsche Richtung unterwegs bin. Ein Blick aufs Navi ist wenig hilfreich, weil ich die Richtung, in die ich unterwegs bin, weder als falsch noch als richtig identifizieren kann. So verunsichert beschließe ich, dem Navi doch wieder das eine oder andere Ohr zu leihen. Zurück auf der Autobahn, unternehme ich demnach keinen weiteren Versuch, es besser zu wissen, und komme mit einer halben Stunde Verspätung endlich an.

Ich habe also schon die erste neue Erfahrung gemacht. Alleine Autofahren mag banal klingen, ist aber, wenn man noch knapp 400 Kilometer unbekannte Strecke vor sich hat und vorher überwiegend mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz unterwegs war, nichts, auf das man nicht verzichten könnte. Dementsprechend bin ich bei meiner Ankunft einigermaßen stolz auf mich.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  04.05.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
04.05.2015

Zwischen Schule & Beruf

Salut und hallo aus Frankreich

Ich bin Katharina, genannt Katha, 18 Jahre alt und lebe seit fünf Monaten in einem Kloster im Elsass. Dorthin verschlagen hat mich vor allem meine Ahnungslosigkeit. Meine Entsendeorganisation hatte mir nämlich lediglich mit auf den Weg gegeben, dass ich in einem „religiös geprägten“ Altenheim als Animateurin arbeiten würde.

Als ich mich vor etwa einem Jahr bei der Organisation für einen IJFD (Internationaler Jugendfreiwilligendienst) bewarb, schien mir die Aussicht auf ein Jahr im französischen Ausland mit dieser Arbeit als ideal, um nach Turbo-Abi und einer übersprungenen Klasse vor dem Studium einfach noch etwas älter zu werden, und dabei bestensfalls noch eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen. Den Fakt, dass die Einrichtung „religiös geprägt“ ist, tat ich als normal und nicht weiter verwunderlich ab, da viele soziale Einrichtungen von kirchlichen Trägern unterstützt werden.

Umso überraschter war ich, als ich am ersten Tag erfuhr, dass es sich um ein Altenheim handelte, dass so eng mit dem örtlichen Kloster kooperiert, dass es im selben Haus untergebracht ist.

So wohne ich jetzt also im Kloster.

Die Hälfte meines Freiwilligendienstes habe ich mittlerweile hinter mir und mich dementsprechend gut eingelebt. In meinem Blog werde ich natürlich trotzdem überwiegend von aktuellen Ereignissen berichten und euch die wichtigsten – und oft interessantesten – Momente und Aha-Effekte auf dem Weg bis hierher nicht vorenthalten.

Hier könnt ihr also gerne verfolgen, wie es sich als Nichtgläubige im Kloster lebt, welche Erlebnisse ich als Deutsche im Elsass mache und welche Kuriositäten der Arbeitsplatz Altenheim mit sich bringt.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  14.04.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
14.04.2015

Zwischen Schule und Beruf

Hier spricht die Bundespolizei

Was ist das Schlimmste, das einem wenige Tage vor den Semesterklausuren passieren kann? Okay, da gibt es sicher eine ganze Menge, doch ich erlebte jüngst meinen ganz persönlichen GAU. Sonntagabend – vier Tage vor der ersten Prüfung – erlitt mein neuer Laptop plötzlich einen Breakdown, verursacht durch einen fiesen Virus: Mit einer Zahlungsaufforderung von 100 Euro wurde mir vorgeworfen, ich hätte gegen Urheberrechtsbestimmungen verstoßen. Unterzeichnet hatte angeblich die Bundespolizei höchstpersönlich!

Der Schock, ich könnte tatsächlich etwas Verbotenes getan haben, war alsbald wieder verflogen, denn ich erinnerte mich, schon einmal von diesem „Bundespolizei-Virus“ gehört zu haben. Die Sorge um meinen Computer und die darauf gespeicherten Dateien blieb jedoch.

Selbst konnte ich nichts ausrichten, das wurde mir schnell klar, und so spurtete ich am nächsten Morgen direkt zu einem Technikfachmann, der mich teils optimistisch stimmte, aber auch sagte, dass es nicht sicher ist, ob meine Dateien gerettet werden können. All meine Aufzeichnungen für die Klausuren! Tagelange Arbeit! Einfach so weg?! Doch noch viel schlimmer wäre der Verlust meiner geistigen Ergüsse, denn zu meinem Pech hatte ich gerade das erste Kapitel zu einer neuen Geschichte vollendet, mit dem ich sogar recht zufrieden war, was nicht sonderlich oft vorkommt.

Trotzdem weiß ich, es hätte mich schlimmer treffen können. Glücklicherweise habe ich ein paar meiner Mitschriften auch anderen Kommilitonen geschickt, sodass sie nicht vollends verloren sind. Außerdem hatte ich auf dem neuen Laptop noch nicht so viel abgespeichert. Hätte es den alten getroffen, wäre im schlimmsten Fall mein halbes Leben ausgelöscht gewesen. Ich hätte wirklich nicht gewusst, was passiert wäre, hätte der Virus meine anderen Texte erwischt, die teilweise hundert Seiten und mehr umfassen. Und so habe ich zu meinem Glück im Unglück auch noch einen Ersatzcomputer, um mich weiterhin auf die Prüfungen vorbereiten zu können.

Ich bin aber auch ein kleines bisschen stolz auf mich. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte ich wegen einer Katastrophe wie dieser wahrscheinlich völlig die Nerven verloren. Diesmal habe ich größtenteils einen kühlen Kopf bewahren und ohne Hilfe eine Lösung finden können. Das Studium lässt mich offensichtlich eben doch ein wenig erwachsener werden.

Autor: Noelle  |  Rubrik: orientieren  |  22.07.2013
Autor: Noelle
Rubrik: orientieren
22.07.2013