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Zwischen Schule & Beruf

Abenteuer Englisch im Elsass

Fast zwei Monate meines Freiwilligendienstes sind um, was mich – gemeinsam mit der Tatsache, dass das Bargeld inzwischen knapp wird – auf die Idee bringt, mal in der Bank nachzufragen, wo denn eigentlich die Karte bleibt, die man mir schon vor vier Wochen versprochen hatte. Sie lag noch in der Bank, alles gut.

Wieder daheim und auf der Suche nach der PIN zur Aktivierung der Karte, muss ich mir eingestehen: Diesen Brief habe ich tatsächlich erhalten. Nur: Wo zum Teufel versteckt der sich? Nach intensiver aber erfolgloser Suche entschließe ich mich, die gute Frau in der Bank ein weiteres Mal zu behelligen. Dort druckt sie mir die PIN auch postwendend aus, sie kennt mich ja inzwischen. Sie erklärt mir noch einmal die genaue Aktivierungsprozedur, womit ich ob ihres französischen Fachchinesisch allerdings etwas überfordert bin. Meine Verständnisprobleme scheinen mir auch prompt ins Gesicht geschrieben zu stehen, denn sie stellt von sich aus die in Frankreich schier unmögliche Frage: „Parlez-vous anglais?“ („Sprechen Sie Englisch?“). Auf mein Bejahen folgt aufgrund wohl eher rudimentärer Englischkenntnisse ihrerseits eine sehr simpel gehaltene Erklärung dessen, was ich auch vorher schon verstanden hatte. Der nicht verstandene Teil findet diesmal schlicht keine Erwähnung, sodass ich beschließe, dass er nicht so wichtig gewesen sein kann. Ich signalisiere ihr also, dass ich verstanden habe. Etwas erstaunt bin ich dabei über mein Versagen, ihr auf Englisch zu antworten. Mir kommt kein einziges englisches Wort über die Lippen. Stattdessen folgt dem unbedachten „Oui“ ein ebenso reflexartiges „d'accord“. Egal, Hauptsache sie versteht mich.

Bevor ich mit der PIN gehen kann, wird mir noch etwas Vertrag zwischen viel Werbung in die Hand gedrückt. Trotz allem zufrieden mit der geglückten Mission kehre ich zurück auf vertrautes Terrain. Selbstverständlich finde ich ein paar Tage später den verloren geglaubten Brief mit dem PIN auf meinem Schreibtisch.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  20.05.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
20.05.2015

Zwischen Schule und Beruf

Kulinarische Gepflogenheiten

Mit der Erwartung, meine neue Chefin zum ersten Mal zu treffen oder wenigstens eine der Klosterschwestern am Empfang vorzufinden, gehe ich die letzten Schritte zu meinem neuen Zuhause. Entgegen meiner Vermutung schallt mir ein junges, dynamisches „Bonjour“ entgegen. Und das gleich vier Mal. Denn – wie könnte es in einem Altersheim/Kloster auch anders sein – es stehen vier Mädchen in meinem Alter vor dem Eingang und fragen mich hoffnungsvoll: „Bist du Katharina?“ Die warten dann wohl schon eine halbe Stunde, ganz pünktlich bin ich nämlich nicht …

Drinnen treffe ich dann auch endlich meine Chefin, die unverzüglich beginnt, mit mir durch die Gänge zu hetzen. So durch die Flure fliegend, bestätigt sie das in meinem Kopf bereits vorhandene Bild einer etwas chaotischen, wenngleich herzlichen Frau, die darüber hinaus auch gleich meiner Hoffnung auf einen Happen zu Essen Gestalt gibt. Im Nachhinein war es nämlich keine besonders gute Idee, mit einer Sparversion von Brötchen in den Tag zu starten, ohne zu wissen, ob dieser noch ein weiteres Mahl bereithalten würde.

Jegliche Sorgen diesbezüglich wären allerdings absolut überflüssig gewesen. Es kristallisiert sich im Laufe der nächsten Tage heraus, dass es hier grundsätzlich immer genug bis viel zu viel gibt. Schließlich bin ich bei den Franzosen! So entschließe ich mich dazu, das Abendessen in der Küche abzubestellen. Ich ernte einen skeptischen Blick und die Frage, ob ich heute Abend wirklich nichts essen wolle. Nein, antworte ich, und die nächsten auch nicht. Ich beteuere noch drei Mal, dass ich nicht verhungern werde und auch keine gefährliche Diät mache. Ich bin eben zwei warme Mahlzeiten am Tag nicht gewöhnt. Außerdem fällt mir auf, dass die französischen Köche Gewürze höchstens als Deko im Schrank zu haben scheinen. Sie benutzen sie jedenfalls so sporadisch, dass ich zum ersten Mal wahrnehme, wie zerkochtes Gemüse in seiner natürlichsten Form wirklich schmeckt. Nach nichts.

Inzwischen kann ich aber sagen: Man gewöhnt sich daran. In diesem Sinne – Bon appétit!

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  11.05.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
11.05.2015

Zwischen Schule und Beruf

Aufbruch

Mich beschleicht dass Gefühl, dass ich jetzt typischerweise mit Berichten von meiner Aufregung vor dem ersten Tag, einer heulenden Familie am Bahnhof oder einer innigen letzten Umarmung vom Freund erzählen müsste...

Tatsächlich fällt mein Abschied allerdings doch irgendwie nüchtern aus. Ich gehe grundsätzlich relativ unbekümmert und zuversichtlich durch die Welt, sodass es mir schwer fiel, der Abfahrt mit Aufregung oder gar mit Zweifeln entgegenzublicken.

Als ich losfuhr, habe ich also noch gar nicht begriffen, was mir gerade für eine Veränderung bevorsteht. Dazu passend finde ich meinen Bruder noch im Bett vor, als ich ihm aus Wiedersehen sagen will. Es folgen drei doch noch sehr herzliche Umarmungen von Mama, Papa und Schwesterchen und los kann's gehen – (nur!) 15 Minuten später als geplant. Eigentlich. Weil das doch ein bisschen zu reibungslos gewesen wäre, zeigt das Navi zunächst gar nichts an. Entschuldigen lässt sich dieser Schwächeanfall glücklicherweise schnell, als sich herausstellt „da ist kein Strom drin“.

Nach halber Strecke ziehe ich begeistert Bilanz: nur ein Stau, noch kein Unfall, dafür eine gefundene Abkürzung. Viel besser geht’s ja gar nicht, denke ich, und fahre den Erklärungen meiner Mama folgend von der Autobahn auf die Bundesstraße. Prompt fängt das Navi an, sich zu beschweren und fordert die Rückkehr, was ich munter ignoriere. Definitiv hatte Mama gesagt: „Hinter Schweich, über die Mosel rüber, Abfahrt B206 nehmen.“ Halt! Stop! Hinter der Mosel? Soweit ich mich erinnere, habe ich noch kein Stück Fluss gesehen. Angenommen, ich habe, wie es sich beim Autofahren empfiehlt, durchgängig aus dem Fenster geschaut, liegt der Schluss nahe, dass ich in die falsche Richtung unterwegs bin. Ein Blick aufs Navi ist wenig hilfreich, weil ich die Richtung, in die ich unterwegs bin, weder als falsch noch als richtig identifizieren kann. So verunsichert beschließe ich, dem Navi doch wieder das eine oder andere Ohr zu leihen. Zurück auf der Autobahn, unternehme ich demnach keinen weiteren Versuch, es besser zu wissen, und komme mit einer halben Stunde Verspätung endlich an.

Ich habe also schon die erste neue Erfahrung gemacht. Alleine Autofahren mag banal klingen, ist aber, wenn man noch knapp 400 Kilometer unbekannte Strecke vor sich hat und vorher überwiegend mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz unterwegs war, nichts, auf das man nicht verzichten könnte. Dementsprechend bin ich bei meiner Ankunft einigermaßen stolz auf mich.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  04.05.2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
04.05.2015