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Zwischen Schule und Beruf

Der Auszug

In nur mehr vier Wochen ist es also schon wieder so weit: Nach 140 Tagen, also etwa viereinhalb Monaten, ziehe ich wieder nach Hause. Natürlich nicht auf Dauer, nur so lange bis ich weiß, wohin es gehen wird.

Von den viereinhalb Monaten habe ich – traurigerweise – allerdings gerade einmal zweieinhalb in einem halbwegs vernünftigen Zimmer gewohnt. Nur eineinhalb Wochen nach dem Einzug in meine Studenten-WG hatten wir nämlich einen Wasserschaden im Bad, der sich leider auf mein Zimmer ausgebreitet hat. Innerhalb einer Woche war der Schimmel auf 30 Zentimeter hochgeklettert. Vier Wochen hatten wir Trocknungsgeräte in der Wohnung, im Bad und in meinem Zimmer. In dieser Zeit habe ich in der vier Quadratmeter großen Wäschekammer gelebt. Einen Vorteil hatte das ganze allerdings, denn für diese vier Wochen entfiel das Heizen komplett. Die Trocknungsgeräte bescherten uns ein wüstenähnliches Klima, denn einerseits heizten sie ordentlich, andererseits entzogen sie der Luft Feuchtigkeit.

Im Bad hatten wir fast durchgängig Temperaturen zwischen 41 und 44 Grad Celsius, der Rekord betrug sogar 46 Grad. Sobald die Maschinen wieder weg waren, fielen die Temperaturen rapide und die komplette WG fror im doch recht kalten November bei „bitterkalten“ 22 Grad. Nachdem der Trocknungsvorgang abgeschlossen waren, dauerte es weitere vier Wochen, bis mein Zimmer wieder bewohnbar war, da es neu tapeziert und gestrichen werden musste.

Immerhin bekommt mein Nachfolger jetzt einen neu renovierten Raum. Stichwort Nachmieter: Ich finde es total interessant, dieses Mal auf der „anderen Seite“ zu stehen und zu entscheiden, wer für mich einziehen darf!

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  21.01.2013
Autor: Johannes
Rubrik: orientieren
21.01.2013

Schülerleben live

Vom Rudel getrennt

Ich überlege schon lange, worüber ich diesmal schreiben könnte. Normalerweise kribbelt mir irgendein Thema in den Fingern und das muss ich dann auch loswerden. Aber warum ist das jetzt nicht so? Weil es nichts zu erzählen gibt? Nein, sicher nicht. Irgendwie saust das ganze Leben gerade nur so an mir vorbei und ich bekomme kaum einen Eindruck richtig zu fassen.

Vor kurzem war ich zuhause und habe ein leider viel zu kurzes Wochenende mit meiner Familie und meiner besten Freundin verbracht. Dabei ist mir einmal mehr klar geworden, dass selbst in kleinen nordhessischen Orten nicht alles beim Alten bleibt und dass plötzlich Dinge zum Alltag geworden sind, die man sich zuvor nie hätte vorstellen können. Wovon ich rede? Von den kunstvoll manikürten Fingernägeln meiner Freundin zum Beispiel. Anderen kommt das jetzt sicher total blöd vor, aber das war echt ein kleines Detail, das mich ein wenig aus der Bahn geworfen hat. Vor noch einem halben Jahr hätten wir niemals Geld in sowas investiert und wenn doch, dann hätten wir vorher Wochen darüber geredet, was, wo und wie viel. Wie Mädchen halt so sind. Jetzt ist es einfach so, ohne dass ich in Kenntnis gesetzt worden wäre. Denn das ist etwas ganz Entscheidendes, das sich geändert hat: Es gibt keine kleinen Zettelchen mehr, die man sich schreibt, und man tauscht sich auch nicht mehr über jede noch so banale Kleinigkeit aus.

Das ist, als wäre man von seinem Rudel getrennt worden. Und das merke ich auch sehr stark, wenn es um meinen Geburtstag geht, der schon in ein paar Tagen vor der Tür steht. Man sollte doch meinen, in der Großstadt gäbe es Tausende von Möglichkeiten. Unzählige Discos, Kneipen, Clubs, Restaurants, ja sogar einen Zoo und einen Freizeitpark. Lauter Dinge, die es in unserem beschaulichen Heimatörtchen sicher nicht gibt. Trotzdem weiß ich nicht, was ich tun soll. Mal abgesehen davon, dass der Dezember nicht der geeignetste Monat für Freizeitaktivitäten ist... Zuhause wüsste ich sofort, wie ich meinen „Ehrentag” gebührend feiern könnte: mit meinen Mädels in der Dorfdisco oder beim Cocktailsbarbetreiber unseres Vertrauens, denn da kennt ja wirklich jeder jeden. Köln dagegen erschlägt mich einfach mit seinen unzähligen Angeboten, den nicht vertretbaren Preisen und der wegfallenden Option, auch irgendwie zu Fuß nach Hause zu kommen. Aber das größte Defizit liegt in den Gästen: Meine Freunde sind nicht da!

Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf die Feiertage, die dieses Jahr hoffentlich ihrem Namen alle Ehre machen werden! Weihnachten 2012 werde ich es zum ersten Mal wieder richtig zu schätzen wissen, meine Familie und meine besten Freunde um mich zu haben. Und ich werde jede gemeinsame Sekunde mit ihnen nur so aufsaugen, denn jetzt weiß ich erst, wie kostbar solche Momente sind.

Autor: Noelle  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  12.12.2012
Autor: Noelle
Rubrik: auszeit nach dem abi
12.12.2012

Zwischen Schule & Beruf

Auf eigenen Füßen

Manchmal frage ich mich wirklich, wieso mir alle ihre gut gemeinten Ratschläge aufdrücken müssen. Nachdem ich es halbwegs erfolgreich geschafft habe, meine Mama von meinen eigenen Plänen zu überzeugen, die sich vielleicht nicht so damit decken, wie sie es gerne hätte, kommt auch schon die Nächste: meine Oma. Nichtsahnend ging ich ans Telefon und hätte ich gewusst, was mich erwartet, hätte ich es lieber gleich ganz ausgeschaltet. „Hallo, hallo, hast du denn schon eine Wohnung?” Spätestens bei dieser Frage schwante mir Böses. „Ich habe nämlich eine für dich! Ich hoffe, du bist mir nicht böse, aber ich habe eine Annonce geschaltet.”

Das sollte jetzt vermutlich der Moment sein, in dem ich in endlose Freudensprüngen und Dankesreden ausbreche. Jeder hätte so reagiert und jedem hätte ich es gegönnt. Wenn ich so darüber nachdenke lande ich zwangsläufig bei meiner Freundin, die in Tübingen immer noch kein Zimmer gefunden hat und vorerst mit Jugendherberge und Feldbett vorlieb nehmen muss. Was würde sie wohl zu solch einem Angebot sagen? Wenn ich könnte, würde ich es ihr mit einer Schleife verpacken und per Post schicken. Denn ich will es nicht. „Bitte was?!”, werdet ihr euch jetzt denken, „Wie undankbar kann ein Mensch sein?!” Aber hat es wirklich etwas mit Undankbarkeit zu tun, wenn man einfach mal seine eigenen Entscheidungen treffen möchte?

Wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Lachen, weil meine Oma mal wieder das getan hat, was sie am besten kann, nämlich sich aufzuspielen, als sei sie Superwoman und die Retterin der verlorenen Seelen. Und weinen, weil ich alles andere als gut mit meinem schlechten Gewissen umgehen kann, das sich in diesem Fall ungefragt, aber dennoch wirkungsvoll einschaltet.

Ganz sicher ist es verschwendete Lebensmüh, nach dem Wieso, Weshalb und Warum zu fragen. Das einzige Warum, das mich nicht loslässt, ist die Frage, wieso keiner akzeptieren will, dass ich jetzt alt genug bin, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Wieso weiß jeder besser, was gut für mich ist? Wieso fragt nie jemand, wie ich zu einer Sache stehe? Vielleicht möchte ich ja gar nicht alleine wohnen? Vielleicht möchte ich mir meine Wohnung einfach alleine aussuchen?

Nein. Stattdessen habe ich das Gefühl, wieder dankbar für etwas sein zu müssen, um das ich nicht gebeten habe. Sicher werde ich noch oft genug auf die Nase fallen und dann um die Hilfe meiner Familie bitten, aber es wäre schön, wenn ich mich bis dahin einfach selbst ausprobieren dürfte.

Autor: Noelle  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  16.10.2012
Autor: Noelle
Rubrik: auszeit nach dem abi
16.10.2012