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Medizin studieren

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Mein Erasmus-Semester in Riga verspricht, eine aufregende und interessante Zeit zu werden. Doch davor muss ich noch so manches organisieren und abarbeiten. Glücklicherweise habe ich ja bereits Erfahrung in Sachen Semester im Ausland – diesmal mache ich aber kein Urlaubssemester, sondern werde in Lettland studieren.
Grundlegend sind die Finanzen. Dafür hat sich die Europäische Union ja zu unserem Glück so manches einfallen lassen. Ich verstehe sowieso meist nicht, wieso sie ständig nur kritisiert wird. Ohne die EU wäre die anstehende Erfahrung für mich kaum möglich. Das sogenannte Erasmus+-Stipendium garantiert mir 300 Euro im Monat, womit die Miete abgedeckt sein wird. Darüber hinaus steht mir Auslands-BAföG zu. Wie viel das sein wird, weiß ich noch nicht, da ja alles sehr spontan war und ich meinen Antrag sehr spät eingereicht habe. Zum Glück habe ich viele Stunden im OP machen können und auch noch ein wenig Geld vom Fundraising übrig, sodass ich ein Polster angespart habe.
Des Weiteren muss ich meine Versicherungen prüfen. Die Haftpflicht muss man nicht alleine abschließen, meistens ist man über die Eltern mitversichert. Eine Unfallversicherung ist keine Pflicht, aber sinnvoll. Lediglich die Krankenversicherung muss auf jeden Fall sein, denn meine inländische reicht für den Ernstfall in Lettland nicht aus. Das sind ärgerliche, aber sinnvolle Kosten. Da es sich um ein Studium im Ausland handelt, muss ich zudem ein sogenanntes „Learning Agreement“ ausfüllen, das zwischen meiner Uni in Deutschland, der in Riga und mir besteht. Darin erkläre ich, welche Kurse ich belegen möchte. Außerdem habe ich die Garantie dafür, dass Vereinbarungen darüber, welche Kurse anerkannt werden, nach dem Auslandssemester eingehalten werden. Ich werde Augenheilkunde, Dermatologie, Neonatologie, Gynäkologie, Urologie und Psychologie belegen.
Nun steht noch aus, eine Wohnung in Riga zu finden. Ein paar Leute kenne ich bereits, die mit mir Abi gemacht haben oder die ich mal zufällig auf einer Party kennengelernt habe. Ich bin gespannt, wo ich am Ende wohnen werde.
Der Großteil der Organisation ist aber geschafft – und die Vorfreude kann weiter steigen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Apr 4, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Apr 4, 2019

Medizin studieren

Ein kleines bisschen Wissenschaft

Mein nächstes Ziel ist es, meine Doktorarbeit in Angriff zu nehmen. Mein Thema möchte ich im Bereich der humanitären Hilfe wählen. Meine Motivation dazu ergibt sich aus meiner Arbeit als Fundraiser, meinem Aufenthalt bei der Shanti Leprahilfe in Nepal und meiner Arbeit bei Brückenwind e.V. Diese Aktivitäten ließen meinen Blick auf Entwicklungszusammenarbeit kritischer werden schmälerten aber nicht meine Motivation, mich einzusetzen.
Der Professor, der meine Doktorarbeit betreut, beschäftigt sich mit Stoffwechselerkrankungen bei Kindern und forscht zu besonderen Ernährungssituationen. So steht beispielsweise die Wiederaufnahme von Ernährung nach langem Hunger, zum Beispiel nach Naturkatastrophen, Krieg oder Flucht im Vordergrund. In der Vergangenheit sind dabei fatale Fehler gemacht worden, etwa indem man Kindern nach langem Hunger viel Zucker gab, obwohl deren Stoffwechsel diesen schlecht verwerten kann. Mittlerweile weiß man, dass eine fettreiche Ernährung in diesem Fall viel besser ist.
Ich war von Anfang an überrascht von der Hilfsbereitschaft und Aktivität des Professors, mir dabei zu helfen, ein Thema zu finden. Mein eigener Plan bestand darin, ins Ausland zu gehen, um beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz oder bei den Ärzten ohne Grenzen forschen und arbeiten zu können. Mein Betreuer warnte mich, dass Doktorarbeiten im Ausland sehr aufwändig und mit hohem Risiko verbunden sind. Deshalb entschied ich mich, eine kleine Arbeit in Deutschland zu schreiben, die bereits für eine Dissertation ausreichend wäre, und auf deren Grundlage, die Arbeit im Ausland auszuweiten.
Untersuchen werde ich nun einen Fettkörper, der als Energielieferant neben der eigentlichen Ernährung dienen soll. Bei positivem Forschungsergebnis könnte dieser Fettkörper einer Erdnusspaste, die bereits in Notsituationen eingesetzt wird, beigemengt werden, um Menschen noch effizienter wichtige Nährstoffe und somit Energie zuzuführen. Bevor ich starten kann, muss ich mich aber erst noch genauer in die Thematik einarbeiten. Meinen Antrag schreibe ich, bevor ich nach Riga gehe.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Mar 14, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Mar 14, 2019

Medizin studieren

Ein bisschen Fernweh

Erstaunt war ich schon, wie viel Zeit man plötzlich hat, wenn man keine Beziehung mehr führt – letztendlich bleibt einem dann nichts anderes übrig, als sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ich habe beschlossen, das Beste daraus zu machen und mich um ein Auslandssemester zu bemühen, am liebsten schon im nächsten Wintersemester 2019/20, sonst gerne im Sommersemester 2020. Ich habe mir schon ein paar Gedanken darüber gemacht und mit Riga geliebäugelt. Nun wollte ich etwas konkreter werden. Meine Beweggründe, nach Osteuropa zu gehen, rühren vor allem daher, dass ich meine Komfortzone verlassen möchte. Spanien, Italien, Frankreich oder Großbritannien erschienen mir zu nah an meinem Leben.
Für solche Fälle wie mich ist das International Office in Münster zuständig, das in der Regel begeistert reagiert, wenn man einen eher außergewöhnlichen Auslandsaufenthalt plant. Aber so weit sollte es gar nicht kommen. Zunächst sprach ich mit der Auslandsbeauftragten für Medizinstudierende und erwähnte, dass ich gerne nach Riga gehen möchte. Zufälligerweise war gerade eine Studentin von ihrem Erasmus-Platz in Riga abgesprungen, weshalb sie mich fragte, ob ich nicht schon im nächsten Semester gehen wolle. Ich war sprachlos, vielleicht auch etwas überfordert, aber auf jeden Fall positiv überrascht und wusste, dass das eine tolle Möglichkeit für mich darstellt: ich müsste kein Bewerbungsverfahren für das Erasmus-Programm durchlaufen, keinen Sprachtest ablegen und kein Motivationsschreiben aufsetzen. Ich dachte an meine Famulatur in den Semesterferien, an meinen Job als Fundraiser und an das Blockpraktikum in der Onkologie – und kam zum Schluss, dass ich das alles verschieben kann. Also gut: Auf geht es nach Riga!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Mar 7, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Mar 7, 2019