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Die grünen Berge von Kantabrien

Die nordspanische Küste ist, anders als ihr französisches Pendant, sehr gebirgig. Was also tun, wenn mal wieder die Wellen ausbleiben? Genau, einen Abstecher ins Landesinnere wagen, in eines der vielen kleinen, aber feinen Klettergebiete. Diese liegen versprenkelt über zweihundert Kilometer zwischen Asturien und Kantabrien.
Der Ausgleich zum Surfen ist perfekt. Ein, zwei Tage Meer-Abstinenz, dafür aber schöne Kalkstein-Routen inmitten malerischer Natur – besser geht es kaum.
Dumm nur, dass die Bezeichnung „grüne Felsen“ nicht von ungefähr kommt: Es regnet viel. Diese Woche leider viel zu viel. So viel, dass Klettern, Sachen trocknen, lecker kochen im Freien, wandern unmöglich und gute Laune haben sehr schwer wird. Aber Sitzfleisch habe ich mir in den vielen Klausurphasen antrainiert. Und so warte ich gutes Wetter, bessere Wellen, trockene Felsen und meine wiederkehrende Zuversicht einfach ab. Schon jetzt freue ich mir ein Loch in den Bauch bei der Aussicht, in ein paar Wochen in Galizien altbekannte Strände abzuklappern und den guten Wellen nachzujagen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  27.10.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
27.10.2017

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Fehlentscheidungen

Tagelang wartet man auf die perfekten Wellen. Sieht in den Vorhersagen ganz am Ende einen Trend. Freut sich tags darauf, dass die Vorhersage zu stimmen scheint.
Man liest im Surfführer, welcher Strand für diese Wellen geeignet sein könnte. Bei dieser Gezeit, bei diesem Wind und den Wellen aus dieser Richtung, wird es da in Bakio perfekt sein? Oder sollte ich doch lieber nach Mundaka? Aber was, wenn da wirklich so viele aggressive einheimische Surfer im Wasser sind? Lauter Fragen, die ein Büchlein zu beantworten versucht, aber dies eben nur eingeschränkt vermag.
Schlussendlich muss ich mich auf meinen Instinkt verlassen – und der lag leider vor ein paar Tagen falsch. Die Wellen waren dort, wo ich war, gut. Aber eben nicht so gut wie ein paar Kilometer weiter. Das erfuhr ich leider erst, nachdem ich nach einer mittelmäßigen Surfsession weiter gen Westen fuhr und an einem anderen bekannten Spot hielt. Dort ist laut den anderen Surfern eine richtig gute Welle gebrochen. Also einfach nochmal rein? Nein, so einfach geht das nicht. Der circa sechsstündige Wechsel zwischen Ebbe und Flut hat diese tolle Welle innerhalb einer halben Stunde in ein unsurfbares „Schwabbelmonster“ verwandelt. Und in drei Stunden soll der Wind drehen! Also weiter zum nächsten Strand, der vor eben diesem Wind geschützt liegt. Doch dort verhält sich alles anders als vorhergesagt. Mein sonst ganz guter Instinkt versagte an diesem Tag auf ganzer Linie. Zurück bleibt das bittere Gefühl, ziemlich gute Wellen ziemlich mies genutzt zu haben.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  24.10.2017

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Physikumslogbuch - finaler Eintrag

Es ist neun Uhr morgens. Ich bin müde, habe kaum geschlafen. Die Prüfer empfangen meine Mitprüflinge und mich im Seminarraum. Sie lächeln. Der gefürchtete Professor der Anatomie ist krank geworden und wird durch seinen Zögling vertreten, der ihm in Strenge in nichts nachsteht. Eine meiner Mitstreiterinnen ist voriges Semester genau bei ihm durchgefallen. Der Schock über das Wiedersehen steht ihr ins Gesicht geschrieben und wirkt sich auch auf uns andere aus.
Besonders der erste Teil zur Anatomie läuft bei mir einfach nicht. Drei von uns begutachten zunächst an den vorbereiteten Mikroskopen je ein Präparat und machen sich Notizen, fertigen Zeichnungen an. Die Vierte im Bunde wird zur Körperspende gebeten. Vor mir liegt ein Präparat der embryonalen Mundhöhle, es geht um Zahnentwicklung. Das kann ich halbwegs. Ich zeichne die Zähne in ihren unterschiedlichen Stadien der Entwicklung und versuche, möglichst viele Details einzubauen.
Dann werde ich gebeten, zur Körperspende zu kommen. Meine Hände schwitzen, ich kann mir kaum die Handschuhe anziehen. Zudem schwanke ich ständig zwischen hellem Wachsein wegen der Aufregung und purer Müdigkeit wegen der Anstrengung der vergangenen Wochen, der schlaflosen Nacht. Wenig konzentriert nehme ich die Niere heraus. Der Prüfer stellt mir währenddessen mehrere Fragen, für die ich mich sortieren muss. Er will Details hören. Sein Fragestil wirft mich aus der Bahn und ich muss oft sagen, dass ich etwas nicht weiß, obwohl ich das eigentlich tue. Es ist, als seien die Bereiche meines Gehirns, wo die Informationen abgespeichert sind, durch eine Barriere abgeriegelt! Auch die Befragung über den Unterschenkel läuft nicht besser. Ich weiß, dass ich es in den Sand gesetzt habe. Es liegt an mir, am Prüfer, an den vergangenen Wochen.
Ich beiße die Zähne zusammen und gebe in der Histologie alles. Obwohl mich der merkwürdige Fragestil wieder verwirrt, bringe ich die paar Minuten halbwegs souverän zu Ende. Die Prüfungen zur Physiologie und zur Biochemie sind von meiner Seite aus ebenfalls solide, wenn auch nicht besonders gut. Doch ich bin wieder zuversichtlich, dass es doch noch etwas wird.
Und tatsächlich: Wir bestehen alle! Ich mit einer Drei. Die Begründung lautet, dass ich mich oft verhaspelt hätte. Doch das ist mir in diesem Moment egal. Ich spüre nur, wie das Gewicht dreier Elefanten von meinen Schultern weicht und die Welt um mich herum wieder Farbe bekommt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  19.10.2017