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Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 4

Nun ist er da. Der Moment, in dem sich zeigt, was ich in den vergangenen Wochen gelernt habe, ob ich genug investiert habe, mich für die richtige unter fünf Antworten entscheiden kann und mit dem ständigen Wechsel verschiedener Themen zurechtkomme. Das schriftliche Physikum wurde an zwei Tagen geschrieben. Der erste umfasste die Fächer Chemie, Physik, Physiologie und Biochemie. Meine Nackenhaare stellen sich auch jetzt noch bei dem Gedanken an diese Fächer auf. Als ich in der Prüfung saß, habe ich mir den zweiten Tag herbeigesehnt, der aus Anatomie, Histologie, Biologie, Psychologie und Soziologie besteht. Beide Teile umfassten 160 Fragen. Wichtig war es, insbesondere die großen Themen wie Biochemie und Anatomie weitestgehend richtig zu beantworten.
Vier Stunden Zeit haben wir an jedem Tag bekommen, ungefähr 90 Sekunden standen also für jede Aufgabe zur Verfügung. Ich habe größtenteils mit dem „Thieme Examen Online“ vom Thieme-Verlag alte Aufgaben gelernt. Meine Durchschnittszeit dort betrug 28 Sekunden, ein Drittel der Zeit. Ich machte mir in der Prüfung also keine Sorgen darum, alle Aufgaben bearbeiten zu können. Nur entschied ich mich oftmals vorschnell, weshalb meine Trefferquote nicht immer die beste war.
Was sicherlich auch der eine oder andere kennt, ist, dass die Nervosität ein Brett vor dem Kopf hervorruft. Die Aufgaben aus der Physik, bei denen man rechnen musste, habe ich alle beim ersten Versuch falsch gemacht – außer ich hatte sie wirklich oft geübt. Ich schob sie aufs Ende der Prüfung hinaus und konnte mir so noch drei oder vier Punkte sichern. Also mein Credo: Nervosität akzeptieren und die schweren Aufgaben zum Schluss bearbeiten, als Bonus.
In der Anatomie und Histologie erhielt man ein Heft voller Bilder, zu denen im Aufgabenheft Fragen gestellt wurden. So wurden mikroskopische Aufnahmen in der Histologie, präparierte Körperteile oder einfach Körperoberflächen gezeigt. Teilweise zeigten die Aufnahmen nur kleine Ausschnitte und besonders in der Mikroskopie muss man das eine Detail finden, das einem den Weg weist. Der zweite Tag ließ sich aber um einiges schneller bearbeiten als der erste und fiel auch bei den meisten besser aus.
Die offiziellen Ergebnisse gibt es erst einige Wochen nach der Prüfung. Auf der Internetseite von Medi-Learn kann man seine Antworten aber bereits eintragen und sie mit anderen Prüflingen vergleichen. Außerdem bearbeitet ein Team von Medi-Learn selbst alle Fragen, sodass man abschätzen kann, wie gut man gewesen ist. Ungläubig glitt ich in den Stuhl, als ich das geschätzte Ergebnis sah – es könnte eine zwei werden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  04.10.2017

Medizin studieren

Psychosomatik-Praktikum

Auch wenn viele Leute das nicht wissen, sind Psychiater und Psychosomatiker auch Ärzte, die einmal Medizin studiert haben. Oft ist dabei die Frage, was diese denn von Psychologen unterscheide.
Einer der entscheidenden Unterschiede ist der, dass Psychiater und Psychosomatiker im Gegensatz zu Psychologen, die keine ärztliche Ausbildung absolviert haben, Medikamente verschreiben dürfen. Alles Weitere ist sehr individuell von Klinik zu Klinik, Fachbereich zu Fachbereich und Patient zu Patient unterschiedlich. Oft sind die Schnittmengen riesig, in wieder anderen Fällen ist nur der Psychiater und nicht der Psychologe gefragt – oder eben umgekehrt.
All das haben wir in einem sehr intensiven Praktikum näher kennenlernen dürfen. Es ging um Psychosomatik, grob gesagt also um Patienten mit Beschwerden körperlicher Natur, für die andere Ärzte keine physische Ursache finden können. So zum Beispiel eine Frau, die ständig müde, nicht leistungsfähig und oft erkältet war. In bis zu 45 Minuten langen Einzelgesprächen – die anderen vier Praktikanten sahen das Gespräch durch verspiegelte Scheiben – musste ich mich dann zum Kernproblem hervorarbeiten: schwierige, ungeklärte Familienverhältnisse auf dem eigenen Hof, die zu dem kränkenden Verhalten führten.
Interessant dabei war vor allem, dass wir gar nicht die „echten“ Patienten zu Gesicht bekamen. Die Psychosomatiker hatten alte, besonders repräsentative Fälle, mittels Portfolios und alten Video-Aufnahmen einer handvoll professionellen Schauspielern zum „Studium“ gegeben. Diese wiederum schlüpften so perfekt in ihre Rollen, dass wir als „Ärzte“ nach spätestens fünf Minuten vollkommen vergessen hatten, dass wir uns nicht in der Wirklichkeit befanden.
Insgesamt konnten wir aus dem Praktikum super viel mitnehmen. Es war spannend, auch mal abseits der „normalen“ Medizin zu sehen, was möglich ist. Aber anstrengend war es – und ganz sicher nichts für mich, 45 Minuten lang Familienverhältnisse fremder Leute bis zu Streitigkeiten im Jugendalter zurück auseinanderzunehmen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  27.09.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
27.09.2017

Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 3

Lernen und sich vorbereiten auf das Physikum ist wohl kaum so spannend wie ein Krimi – aber natürlich äußerst sinnvoll. Deshalb hier meine Zutaten für die „Suppe à la Physikum“.
Neben einem Lernplan (siehe auch mein Beitrag „Physikumslogbuch – Eintrag I“) braucht es Kommilitoninnen und Kommilitonen, die einem zur Seite stehen. Wir haben in unserer Clique einen gemeinsamen Schlachtplan ausgearbeitet, wie wir uns alle durchs Physikum bringen. Dazu haben wir über drei Wochen hinweg jeden Tag zwei Termine vereinbart, an denen wir Themen besprechen. Für diese wurde jeweils ein Moderator benannt, der beispielsweise das Thema Verdauung so vorbereitet, dass alle wichtigen Aspekte in Biochemie, Physiologie und Anatomie besprochen werden. Das hat garantiert, dass wir den Überblick behielten und nah am Thema diskutierten. Auch war der Moderator dafür zuständig, auf die Zeit zu achten, sodass kein Treffen länger als eineinhalb Stunden dauerte, da sonst die Konzentration schwindet und kein sinnvolles gemeinsames Lernen mehr möglich ist.
Lerngruppen sind aus mehreren Aspekten wahnsinnig sinnvoll: Der ständige Vergleich mit den anderen garantiert, dass man auch jedes Thema selbst bearbeitet. Manche finden das belastend, weil es sie stresst, wenn jemand mehr als sie kann. Das erfordert, dass man ehrlich zu sich selbst ist. So musste ich recht schnell akzeptieren, dass ich nicht zu den Kandidaten gehöre, die eine eins schreiben werden, aber eben auch nicht zu denen, die froh sind, wenn sie das Physikum überhaupt und gerade so mit einer vier bestehen. In diesem Mittelfeld ist es schön, sich die Infos von den Besseren abzuschauen.
Außerdem waren die Treffen mit meiner Lerngruppe immer ein Lichtblick, aber auch ein Anker am sonst terminlosen, aber vollen Tag. Man erhält Struktur, weil man weiß, dass man sich um 15 Uhr und um 19 Uhr Stunden trifft. Sollte an einem Tag alles schiefgehen, weil man sich überhaupt nicht konzentrieren kann, so garantieren die Treffen, dass man drei Stunden effektiv lernt und vorankommt – und häufig ist die eigene Motivation anschließend wieder entfacht.
Zuletzt darf man nicht vergessen, dass es auch um die mentale Unterstützung in einer solchen Gruppe geht. Wir waren immer sehr sensibel dafür, wenn es jemandem schlecht ging und er fertig mit der Welt war. Dann baute man sich gegenseitig auf, nahm sich Zeit, um einen Spaziergang zu machen, nahm sich in den Arm, um zu zeigen: Du bist nicht allein. Später werden wir alle in Teams arbeiten. Warum also nicht auch das Physikum gemeinsam schaffen? Eben. Zusammen schafft man mehr als allein.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  25.09.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
25.09.2017