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Medizin studieren

Psychosomatik-Praktikum

Auch wenn viele Leute das nicht wissen, sind Psychiater und Psychosomatiker auch Ärzte, die einmal Medizin studiert haben. Oft ist dabei die Frage, was diese denn von Psychologen unterscheide.
Einer der entscheidenden Unterschiede ist der, dass Psychiater und Psychosomatiker im Gegensatz zu Psychologen, die keine ärztliche Ausbildung absolviert haben, Medikamente verschreiben dürfen. Alles Weitere ist sehr individuell von Klinik zu Klinik, Fachbereich zu Fachbereich und Patient zu Patient unterschiedlich. Oft sind die Schnittmengen riesig, in wieder anderen Fällen ist nur der Psychiater und nicht der Psychologe gefragt – oder eben umgekehrt.
All das haben wir in einem sehr intensiven Praktikum näher kennenlernen dürfen. Es ging um Psychosomatik, grob gesagt also um Patienten mit Beschwerden körperlicher Natur, für die andere Ärzte keine physische Ursache finden können. So zum Beispiel eine Frau, die ständig müde, nicht leistungsfähig und oft erkältet war. In bis zu 45 Minuten langen Einzelgesprächen – die anderen vier Praktikanten sahen das Gespräch durch verspiegelte Scheiben – musste ich mich dann zum Kernproblem hervorarbeiten: schwierige, ungeklärte Familienverhältnisse auf dem eigenen Hof, die zu dem kränkenden Verhalten führten.
Interessant dabei war vor allem, dass wir gar nicht die „echten“ Patienten zu Gesicht bekamen. Die Psychosomatiker hatten alte, besonders repräsentative Fälle, mittels Portfolios und alten Video-Aufnahmen einer handvoll professionellen Schauspielern zum „Studium“ gegeben. Diese wiederum schlüpften so perfekt in ihre Rollen, dass wir als „Ärzte“ nach spätestens fünf Minuten vollkommen vergessen hatten, dass wir uns nicht in der Wirklichkeit befanden.
Insgesamt konnten wir aus dem Praktikum super viel mitnehmen. Es war spannend, auch mal abseits der „normalen“ Medizin zu sehen, was möglich ist. Aber anstrengend war es – und ganz sicher nichts für mich, 45 Minuten lang Familienverhältnisse fremder Leute bis zu Streitigkeiten im Jugendalter zurück auseinanderzunehmen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  27.09.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
27.09.2017

Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 3

Lernen und sich vorbereiten auf das Physikum ist wohl kaum so spannend wie ein Krimi – aber natürlich äußerst sinnvoll. Deshalb hier meine Zutaten für die „Suppe à la Physikum“.
Neben einem Lernplan (siehe auch mein Beitrag „Physikumslogbuch – Eintrag I“) braucht es Kommilitoninnen und Kommilitonen, die einem zur Seite stehen. Wir haben in unserer Clique einen gemeinsamen Schlachtplan ausgearbeitet, wie wir uns alle durchs Physikum bringen. Dazu haben wir über drei Wochen hinweg jeden Tag zwei Termine vereinbart, an denen wir Themen besprechen. Für diese wurde jeweils ein Moderator benannt, der beispielsweise das Thema Verdauung so vorbereitet, dass alle wichtigen Aspekte in Biochemie, Physiologie und Anatomie besprochen werden. Das hat garantiert, dass wir den Überblick behielten und nah am Thema diskutierten. Auch war der Moderator dafür zuständig, auf die Zeit zu achten, sodass kein Treffen länger als eineinhalb Stunden dauerte, da sonst die Konzentration schwindet und kein sinnvolles gemeinsames Lernen mehr möglich ist.
Lerngruppen sind aus mehreren Aspekten wahnsinnig sinnvoll: Der ständige Vergleich mit den anderen garantiert, dass man auch jedes Thema selbst bearbeitet. Manche finden das belastend, weil es sie stresst, wenn jemand mehr als sie kann. Das erfordert, dass man ehrlich zu sich selbst ist. So musste ich recht schnell akzeptieren, dass ich nicht zu den Kandidaten gehöre, die eine eins schreiben werden, aber eben auch nicht zu denen, die froh sind, wenn sie das Physikum überhaupt und gerade so mit einer vier bestehen. In diesem Mittelfeld ist es schön, sich die Infos von den Besseren abzuschauen.
Außerdem waren die Treffen mit meiner Lerngruppe immer ein Lichtblick, aber auch ein Anker am sonst terminlosen, aber vollen Tag. Man erhält Struktur, weil man weiß, dass man sich um 15 Uhr und um 19 Uhr Stunden trifft. Sollte an einem Tag alles schiefgehen, weil man sich überhaupt nicht konzentrieren kann, so garantieren die Treffen, dass man drei Stunden effektiv lernt und vorankommt – und häufig ist die eigene Motivation anschließend wieder entfacht.
Zuletzt darf man nicht vergessen, dass es auch um die mentale Unterstützung in einer solchen Gruppe geht. Wir waren immer sehr sensibel dafür, wenn es jemandem schlecht ging und er fertig mit der Welt war. Dann baute man sich gegenseitig auf, nahm sich Zeit, um einen Spaziergang zu machen, nahm sich in den Arm, um zu zeigen: Du bist nicht allein. Später werden wir alle in Teams arbeiten. Warum also nicht auch das Physikum gemeinsam schaffen? Eben. Zusammen schafft man mehr als allein.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  25.09.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
25.09.2017

Medizin studieren

Ich lerne es wohl nie

Es ist extrem unbefriedigend, sich zu viel vorgenommen zu haben. Einerseits für einen selbst, denn man wollte ja so viel mehr schaffen und steht am Ende mit vielleicht der Hälfte da. Andererseits für beteiligte Personen, die man im Eifer des Gefechts auf die eine oder andere Dummheit scharf gemacht hat, dann aber doch im Regen stehen lassen muss. Und das Schlimmste: die Flexibilität bleibt auf der Strecke. Ich haste dem, was ich mir vorgenommen habe, panisch hinterher, in der Bemühung „Schaden zu begrenzen“ und brenne dabei irgendwie aus.
So auch wieder dieses Jahr: Nur noch schnell in den letzten vier Laborwochen so viel reißen wie in den vier Monaten davor, die Klausurenphase früh einläuten, damit das entspannter vonstattengeht als sonst, dabei ganz viel Sport treiben, damit man ausgeglichen bleibt, und natürlich viele Unternehmungen mit Freunden.
Doof, wenn allein Punkt eins schon sechs Tage der Woche voll in Anspruch nimmt und man den Rest auf den letzten Tag packen muss.
Zu allem Überfluss habe ich zu Semesterbeginn, da ich fest entschlossen war, mir für das Semesterende mehr Zeit zu verschaffen, all meine Arbeitstermine als Tutor in Physiologie auf die letzten zwei Wochen vor der Abschlussklausur gelegt. Denn – so meine dumme Ansicht im April – dieses Jahr würde ich ja auch kurz vor den Klausuren nur noch entspannen können, so engagiert und strukturiert würde ich vorher gelernt haben – naja, dass es anders gekommen ist, dürfte nicht überraschen.
Den Stress habe ich jetzt, aber auch damit werde ich wohl klarkommen. Ich nehme mir jedenfalls vor, mir weniger vorzunehmen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  21.09.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
21.09.2017