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Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 2

Wie viel sollte man jeden Tag für das Physikum lernen? Müssen es jeden Tag acht Stunden sein oder reicht es, sich etwas vorzunehmen und dann so lange zu machen, bis man damit fertig ist? Keiner scheint darauf eine richtige Antwort zu haben. Ich beobachte mich beim Selbstbetrug, wenn ich schnell mit meinem Vorhaben durch bin und trödele, um sagen zu können, sechs und nicht nur fünf Stunden gelernt zu haben. Ich denke oft nur daran, wie viele Stunden ich heute oder morgen habe, um zu lernen. Sind es mehr als fünf, bin ich wohl gestimmt, sind es weniger, werde ich gestresst. Das Lernen für das Physikum ist ein riesiger Berg, der zu erklimmen ist, auf dem man aber bei jeder Tagesetappe kaum an Höhe gewinnt. Dabei ist das nicht wahr. Ich schaffe jeden Tag mehr, als ich mir zugestehe, als sich auch die anderen zugestehen.
In dieser Zeit auf vieles verzichten zu müssen, gilt als normal. Da muss jeder durch, höre ich dann. Es muss anders gehen, denke ich – schöner, qualitativer, schöpfender.
Einige Wochen liegen noch vor mir. Ich fühle mich jetzt schon abgeschlagen, habe leichte Kopfschmerzen und erinnere mich kaum mehr daran, was ich in den ersten Tagen zu den Muskeln, Arterien und Venen des menschlichen Körpers gelernt habe.
Was also kann helfen? In Münster ist nun wahrlich viel geboten. Es fällt den Studierenden der Medizin nur leider selten auf. Ich habe mir nun zwei Stunden Zeit genommen und jede Menge Veranstaltungen rausgesucht: Gigs von kleinen Bands, Jam-Sessions in Bars, Kurzfilmabende im Szenekino und Improvisationstheater in Cafés. Jeden Tag zu etwas Besonderem machen, ist mein Ziel. Nicht vergessen, dass es mehr gibt als das Physikum, als das Studium, als den späteren Beruf.
Wo ist die Rebellion? Warum sind wir alle so konform und diszipliniert? Wir sollten anfangen, weniger drauf zu geben und einfach mehr zu leben. Der Rest wird schon klappen. Das könnte ein Anfang sein.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  01.09.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
01.09.2017

Medizin studieren

Entspannte Klausurenphase?

Als ich beschloss, nach einem Freisemester noch ein halbes hinterherzuschieben, da ich nur die Hälfte der Kurse belegt hatte, war mein Gedanke: Chillig, dann wird das mal ne ruhige Klausurenphase.
Die Rechnung habe ich nur leider ohne widerspenstige Experimente, Hitzewellen und Krankheit gemacht. Mittlerweile ist von „entspannt frühem Anfangen“ nicht mehr im Geringsten die Rede, vielmehr denke ich „Mist, ich hätte mal vor einer Woche anfangen sollen“. Aber erfahrungsgemäß gehört dieses Gefühl einfach dazu. Das kann man jetzt gut finden oder schlecht, verhandelbar ist dieses Gefühl jedenfalls nicht. In den kommenden Wochen werde ich jedenfalls zwischen Labor und Bib pendeln müssen, um das alles unter einen Hut zu bringen. Dabei ist es leider keine Seltenheit, dass ich mal ein Wochenende durcharbeite oder freitagabends um 21 Uhr noch Zellen isoliere.
Aber ein Ende ist in Sicht. Nur noch vier Wochen, dann lockt endlich wieder der Atlantik mit seinen Wellen, atemberaubenden Sonnenaufgängen, sagenhaften Buchten sowie teils menschenleeren Stränden. Mit solchen Bildern im Kopf lässt es sich zwar nicht schneller pipettieren, aber zumindest wesentlich entspannter. Und der Urlaub kommt einem gleich deutlich verdienter vor.
Aber jetzt heißt es für die nächsten vier Wochen erstmal noch: Zähne zusammenbeißen, Sitzfleisch beweisen und das Ding einfach durchziehen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  31.08.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
31.08.2017

Medizin studieren

Schlussspurt?

Ich habe schon sehr viel Zeit im Labor verbracht, viel passiert ist jedoch nicht. Mein Projekt scheint nicht das zu halten, was es ursprünglich versprach. Das ist zunächst absolut nicht verwunderlich, da der allergrößte Teil naturwissenschaftlicher Forschung geprägt ist vom „hm, das war nichts, keine Ahnung, warum!“. Ein „geil, genauso habe ich das erwartet!!“ kommt derart selten vor, dass man praktisch nur desillusioniert an ein solches Projekt herangehen kann.
Mich hat das vergangene Jahr, um es mal drastisch auszudrücken, ziemlich frustriert. Mittlerweile denke ich, dass ich vielleicht schon vor sieben bis acht Monaten die Reißleine hätte ziehen sollen, aber was soll’s …
Es ist ja nicht so, als hätte ich keine Resultate vorzuweisen. Aber für großartige Erkenntnisse reichen sie nicht aus. Ich werde sicherlich eine Doktorarbeit daraus zimmern können, mit der ich keine Angst vor Überprüfung haben muss. Aber die Idee, mal in die Wissenschaft hineinzuschnuppern, um dort vielleicht auch zu bleiben (die Hoffnung meines Doktorvaters), habe ich mittlerweile mit ziemlicher Gewissheit an den Nagel gehängt. Manche Leute haben Glück und ihre Vorhaben laufen. Bei manchen Leuten läuft wenig, aber sie sind dennoch so fasziniert, dass sie dabei bleiben. Dieser Enthusiasmus, das weiß ich jetzt nach elf Monaten, fehlt mir.
Ich hake meine Forschung als Erfahrung ab, die ich keineswegs bereue, gemacht zu haben. Sie ist für meine Promotion ja auch unerlässlich. Für diese muss ich abschließend noch ein paar Experimente durchführen. Und dann schreibt sich die Dissertation natürlich auch nicht von alleine. Aber meine Hoffnung, in einem Jahr fertig zu werden, könnte gar nicht so unrealistisch sein!