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Medizin studieren

Entspannte Klausurenphase?

Als ich beschloss, nach einem Freisemester noch ein halbes hinterherzuschieben, da ich nur die Hälfte der Kurse belegt hatte, war mein Gedanke: Chillig, dann wird das mal ne ruhige Klausurenphase.
Die Rechnung habe ich nur leider ohne widerspenstige Experimente, Hitzewellen und Krankheit gemacht. Mittlerweile ist von „entspannt frühem Anfangen“ nicht mehr im Geringsten die Rede, vielmehr denke ich „Mist, ich hätte mal vor einer Woche anfangen sollen“. Aber erfahrungsgemäß gehört dieses Gefühl einfach dazu. Das kann man jetzt gut finden oder schlecht, verhandelbar ist dieses Gefühl jedenfalls nicht. In den kommenden Wochen werde ich jedenfalls zwischen Labor und Bib pendeln müssen, um das alles unter einen Hut zu bringen. Dabei ist es leider keine Seltenheit, dass ich mal ein Wochenende durcharbeite oder freitagabends um 21 Uhr noch Zellen isoliere.
Aber ein Ende ist in Sicht. Nur noch vier Wochen, dann lockt endlich wieder der Atlantik mit seinen Wellen, atemberaubenden Sonnenaufgängen, sagenhaften Buchten sowie teils menschenleeren Stränden. Mit solchen Bildern im Kopf lässt es sich zwar nicht schneller pipettieren, aber zumindest wesentlich entspannter. Und der Urlaub kommt einem gleich deutlich verdienter vor.
Aber jetzt heißt es für die nächsten vier Wochen erstmal noch: Zähne zusammenbeißen, Sitzfleisch beweisen und das Ding einfach durchziehen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  31.08.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
31.08.2017

Medizin studieren

Schlussspurt?

Ich habe schon sehr viel Zeit im Labor verbracht, viel passiert ist jedoch nicht. Mein Projekt scheint nicht das zu halten, was es ursprünglich versprach. Das ist zunächst absolut nicht verwunderlich, da der allergrößte Teil naturwissenschaftlicher Forschung geprägt ist vom „hm, das war nichts, keine Ahnung, warum!“. Ein „geil, genauso habe ich das erwartet!!“ kommt derart selten vor, dass man praktisch nur desillusioniert an ein solches Projekt herangehen kann.
Mich hat das vergangene Jahr, um es mal drastisch auszudrücken, ziemlich frustriert. Mittlerweile denke ich, dass ich vielleicht schon vor sieben bis acht Monaten die Reißleine hätte ziehen sollen, aber was soll’s …
Es ist ja nicht so, als hätte ich keine Resultate vorzuweisen. Aber für großartige Erkenntnisse reichen sie nicht aus. Ich werde sicherlich eine Doktorarbeit daraus zimmern können, mit der ich keine Angst vor Überprüfung haben muss. Aber die Idee, mal in die Wissenschaft hineinzuschnuppern, um dort vielleicht auch zu bleiben (die Hoffnung meines Doktorvaters), habe ich mittlerweile mit ziemlicher Gewissheit an den Nagel gehängt. Manche Leute haben Glück und ihre Vorhaben laufen. Bei manchen Leuten läuft wenig, aber sie sind dennoch so fasziniert, dass sie dabei bleiben. Dieser Enthusiasmus, das weiß ich jetzt nach elf Monaten, fehlt mir.
Ich hake meine Forschung als Erfahrung ab, die ich keineswegs bereue, gemacht zu haben. Sie ist für meine Promotion ja auch unerlässlich. Für diese muss ich abschließend noch ein paar Experimente durchführen. Und dann schreibt sich die Dissertation natürlich auch nicht von alleine. Aber meine Hoffnung, in einem Jahr fertig zu werden, könnte gar nicht so unrealistisch sein!

Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 1

Welcher Tag ist heute? Montag, Mittwoch oder doch Samstag? Die Geschäfte sind offen, Sonntag wird es also nicht sein. Ich weiß es nicht, die Tage verschwimmen in einem Einheitsbrei. Ich sehe nur, dass heute Tag 7 meines Lehrplans ansteht, was bedeutet, dass heute alle Hirnbereiche, die Gefäße des Gehirns, die Bestandteile des Rückenmarks und die Funktionen des Kleinhirns zu lernen sind. 30 Seiten des Skripts sind das, wird um die fünf Stunden dauern. Dann ist auch dieser Tag geschafft und es geht auf zum nächsten, um die Anatomie innerhalb von neun Tagen abzuschließen.
Es sind keine Farben an diesen Tagen zu sehen, sondern nur ein stufenloses Grau, das alles umgibt. Wenige Lichtblicke bieten die vollen Tage, die mit Lernen anfangen, von Lernen geprägt sind und mit Lernen wieder aufhören. Morgens werden Altfragen gekreuzt, um Inhalte des Vortages zu wiederholen, anschließend steht meist die Tätigkeit als studentische Hilfskraft im Mikroskopierkurs der Drittsemester an, um die Histologie schon abzuhaken, schnell Mittag essen, um hastig wieder am Schreibtisch zu sitzen. An den Abenden ist man zu müde und gestresst, um etwas zu unternehmen. Ohnehin scheint sich niemand aus seinem Dickicht der Vorbereitung herausbewegen zu wollen.
Was ich in den ersten Tagen meiner Vorbereitung am meisten gehört habe: „Ich will noch etwas schaffen, die Zeit nutzen.“ Deshalb werden keine Feiern besucht und keine Treffen geplant, um möglichst produktiv zu sein. Man trifft seine Freundinnen und Freunde, um Themen durchzusprechen, sich Fakten an den Kopf zu schleudern und weiter zu lernen. Es ist ein Rad, das sich dreht, durch die eigenen Schritte beschleunigt wird – bis es ins Schleudern gerät.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  23.08.2017