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Medizin studieren

Schlussspurt?

Ich habe schon sehr viel Zeit im Labor verbracht, viel passiert ist jedoch nicht. Mein Projekt scheint nicht das zu halten, was es ursprünglich versprach. Das ist zunächst absolut nicht verwunderlich, da der allergrößte Teil naturwissenschaftlicher Forschung geprägt ist vom „hm, das war nichts, keine Ahnung, warum!“. Ein „geil, genauso habe ich das erwartet!!“ kommt derart selten vor, dass man praktisch nur desillusioniert an ein solches Projekt herangehen kann.
Mich hat das vergangene Jahr, um es mal drastisch auszudrücken, ziemlich frustriert. Mittlerweile denke ich, dass ich vielleicht schon vor sieben bis acht Monaten die Reißleine hätte ziehen sollen, aber was soll’s …
Es ist ja nicht so, als hätte ich keine Resultate vorzuweisen. Aber für großartige Erkenntnisse reichen sie nicht aus. Ich werde sicherlich eine Doktorarbeit daraus zimmern können, mit der ich keine Angst vor Überprüfung haben muss. Aber die Idee, mal in die Wissenschaft hineinzuschnuppern, um dort vielleicht auch zu bleiben (die Hoffnung meines Doktorvaters), habe ich mittlerweile mit ziemlicher Gewissheit an den Nagel gehängt. Manche Leute haben Glück und ihre Vorhaben laufen. Bei manchen Leuten läuft wenig, aber sie sind dennoch so fasziniert, dass sie dabei bleiben. Dieser Enthusiasmus, das weiß ich jetzt nach elf Monaten, fehlt mir.
Ich hake meine Forschung als Erfahrung ab, die ich keineswegs bereue, gemacht zu haben. Sie ist für meine Promotion ja auch unerlässlich. Für diese muss ich abschließend noch ein paar Experimente durchführen. Und dann schreibt sich die Dissertation natürlich auch nicht von alleine. Aber meine Hoffnung, in einem Jahr fertig zu werden, könnte gar nicht so unrealistisch sein!

Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 1

Welcher Tag ist heute? Montag, Mittwoch oder doch Samstag? Die Geschäfte sind offen, Sonntag wird es also nicht sein. Ich weiß es nicht, die Tage verschwimmen in einem Einheitsbrei. Ich sehe nur, dass heute Tag 7 meines Lehrplans ansteht, was bedeutet, dass heute alle Hirnbereiche, die Gefäße des Gehirns, die Bestandteile des Rückenmarks und die Funktionen des Kleinhirns zu lernen sind. 30 Seiten des Skripts sind das, wird um die fünf Stunden dauern. Dann ist auch dieser Tag geschafft und es geht auf zum nächsten, um die Anatomie innerhalb von neun Tagen abzuschließen.
Es sind keine Farben an diesen Tagen zu sehen, sondern nur ein stufenloses Grau, das alles umgibt. Wenige Lichtblicke bieten die vollen Tage, die mit Lernen anfangen, von Lernen geprägt sind und mit Lernen wieder aufhören. Morgens werden Altfragen gekreuzt, um Inhalte des Vortages zu wiederholen, anschließend steht meist die Tätigkeit als studentische Hilfskraft im Mikroskopierkurs der Drittsemester an, um die Histologie schon abzuhaken, schnell Mittag essen, um hastig wieder am Schreibtisch zu sitzen. An den Abenden ist man zu müde und gestresst, um etwas zu unternehmen. Ohnehin scheint sich niemand aus seinem Dickicht der Vorbereitung herausbewegen zu wollen.
Was ich in den ersten Tagen meiner Vorbereitung am meisten gehört habe: „Ich will noch etwas schaffen, die Zeit nutzen.“ Deshalb werden keine Feiern besucht und keine Treffen geplant, um möglichst produktiv zu sein. Man trifft seine Freundinnen und Freunde, um Themen durchzusprechen, sich Fakten an den Kopf zu schleudern und weiter zu lernen. Es ist ein Rad, das sich dreht, durch die eigenen Schritte beschleunigt wird – bis es ins Schleudern gerät.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  23.08.2017

Medizin studieren

Ruhig bleiben

Diese Ferien waren für mich mal wieder Anlass, um zum Atlantik zu düsen. Der Bus muss diesen Sommer schließlich genutzt werden. Zu Beginn schlug mir das durchwachsene Wetter auf die Stimmung, aber schließlich entlohnten ziemlich gute Wellen die Warterei!
Leider ist es schwierig, ein sogenannter „Landlocked“-Surfer zu sein, also nicht am Wasser zu leben: Ein Jahr habe ich nicht auf einem Brett gelegen, geschweige denn gestanden und muss dann innerhalb von zwei Wochen wieder auf ein Niveau kommen, das mich nicht wie den größten Amateur dastehen lässt. Es ist frustrierend, wenn man die erste Woche der Form vom Vorjahr hinterherjagt, bis man dann in den letzten Tagen des Urlaubs merkt, wo man stehen könnte, hätte man ein paar Wochen oder gar Monate Zeit zum Surfen. Aber so ist das eben, Spaß macht die Sache ja trotzdem immer.
Wobei, es gibt da Situationen, die mich zur Weißglut treiben. Beim Surfen spielt der sogenannte „Localism“ eine teils sehr wichtige Rolle. Hiesige Surfer wollen „ihre“ Wellen nicht von in der Gegend rumdümpelnden Gelegenheitssurfern „verstopft“ wissen. Das Problem ist nämlich, dass es gerade in Hossegore und südlich durchaus Wellen gibt, in denen Anfängern nichts zu suchen haben. In der Natur der Sache begründet liegt aber die Tatsache, dass Anfänger das eben nicht wissen und dann ein Sicherheitsrisiko darstellen. Manche Locals gehen cool damit um, andere werden aggressiv.
Letzteres habe ich in meiner zweiten Woche erlebt. An einem guten Tag waren ein paar echt fitte Surfer aus Hossegore, leider aber eben auch ein paar deutsche Dümpelnasen auf einer eher fortgeschrittenen Welle. Eine der Locals verbrachte den Großteil ihrer Session damit, diese Deutschen wüst zu beschimpfen und anzuschreien – miese Stimmung auf dem Wasser. Zwar ließ sie mich in Ruhe, rechnete mich aber ganz offensichtlich zu den anderen Deutschen dazu. Das gab ihr ihrer Auffassung nach das Recht, mir alle Wellen, für die ich mich in die Vorfahrt positioniert hatte, strittig zu machen. Wieder an Land erntete ich von einem anderen Einheimischen ein mitleidiges „She’s always like that. I’m sorry that she destroyed your session!“
Meine Laune war im Keller und traute sich auch erst zwei, drei Stunden später wieder ins Erdgeschoss.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  17.08.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
17.08.2017