Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Medizin studieren

Ruhig bleiben

Diese Ferien waren für mich mal wieder Anlass, um zum Atlantik zu düsen. Der Bus muss diesen Sommer schließlich genutzt werden. Zu Beginn schlug mir das durchwachsene Wetter auf die Stimmung, aber schließlich entlohnten ziemlich gute Wellen die Warterei!
Leider ist es schwierig, ein sogenannter „Landlocked“-Surfer zu sein, also nicht am Wasser zu leben: Ein Jahr habe ich nicht auf einem Brett gelegen, geschweige denn gestanden und muss dann innerhalb von zwei Wochen wieder auf ein Niveau kommen, das mich nicht wie den größten Amateur dastehen lässt. Es ist frustrierend, wenn man die erste Woche der Form vom Vorjahr hinterherjagt, bis man dann in den letzten Tagen des Urlaubs merkt, wo man stehen könnte, hätte man ein paar Wochen oder gar Monate Zeit zum Surfen. Aber so ist das eben, Spaß macht die Sache ja trotzdem immer.
Wobei, es gibt da Situationen, die mich zur Weißglut treiben. Beim Surfen spielt der sogenannte „Localism“ eine teils sehr wichtige Rolle. Hiesige Surfer wollen „ihre“ Wellen nicht von in der Gegend rumdümpelnden Gelegenheitssurfern „verstopft“ wissen. Das Problem ist nämlich, dass es gerade in Hossegore und südlich durchaus Wellen gibt, in denen Anfängern nichts zu suchen haben. In der Natur der Sache begründet liegt aber die Tatsache, dass Anfänger das eben nicht wissen und dann ein Sicherheitsrisiko darstellen. Manche Locals gehen cool damit um, andere werden aggressiv.
Letzteres habe ich in meiner zweiten Woche erlebt. An einem guten Tag waren ein paar echt fitte Surfer aus Hossegore, leider aber eben auch ein paar deutsche Dümpelnasen auf einer eher fortgeschrittenen Welle. Eine der Locals verbrachte den Großteil ihrer Session damit, diese Deutschen wüst zu beschimpfen und anzuschreien – miese Stimmung auf dem Wasser. Zwar ließ sie mich in Ruhe, rechnete mich aber ganz offensichtlich zu den anderen Deutschen dazu. Das gab ihr ihrer Auffassung nach das Recht, mir alle Wellen, für die ich mich in die Vorfahrt positioniert hatte, strittig zu machen. Wieder an Land erntete ich von einem anderen Einheimischen ein mitleidiges „She’s always like that. I’m sorry that she destroyed your session!“
Meine Laune war im Keller und traute sich auch erst zwei, drei Stunden später wieder ins Erdgeschoss.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  17.08.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
17.08.2017

Medizin studieren

Die erste Härteprüfung

Physikum. Das Wort, das alle Medizinstudierenden bereits vor dem ersten Semester in Angst und Schrecken versetzt hat, wird jetzt greifbar. Am 22. August ist es so weit: Wir schreiben unser schriftliches Physikum, ein paar Tage später folgt der mündliche Teil, der sich auf die Anatomie, die Physiologie und die Biochemie beschränkt – aber diese Fächer bringen schon mehr als genug mit sich.
Was heißt es nun konkret, dass das Physikum so kurz bevorsteht und man nun vier Semester wiederholen muss? In erster Linie bedeutet es, reduzierter zu leben. Es ist zwar nicht so, dass man es in diesem Studium gewohnt ist, besonders viel Freizeit zu haben. Aber das Bisschen, das bisher blieb, wird nun auch in Anspruch genommen. Meine Wochen setzen sich somit aus Arbeiten, Lernen, Sport und Schlafen zusammen. Mehr geht leider nicht. Man muss dabei auf sich Acht geben, nicht zu sehr in Stress zu geraten und auch mal Menschen zu sehen, die nicht in der gleichen Situation stecken.
Anstrengend ist lediglich, dass ich ausgerechnet in diesem Monat fünf Nachtdienste bei meiner Arbeit abzuleisten habe, insgesamt sieben Histologiekurse betreue und jede Woche einmal eine ältere Dame aus dem Haus, in dem ich arbeite, nachmittags betreue – irgendwie muss unsere geplante Reise nach Nepal ja finanziert werden. Dazwischen muss ich jeden Tag circa fünf Stunden Lernen unterkriegen.
Wunderbarerweise ist für Medizinstudierende bereits viel vorgekaut. Es gibt Skripte, die alle Themen zusammenfassen, sowie Lernpläne, die kostenlos zur Verfügung stehen. Ich wählte einen 30-Tage-Lehrplan, um das Lernen möglichst lange aufzuschieben, und werde ihn auf circa 40 Tage strecken. Einige meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen finden kein Ende mit dem Lernen, weil sie sich nichts Konkretes für einen Tag vornehmen. Das halte ich für gefährlich, weil man dadurch deutlich gestresster ist und nie ein Gefühl der Zufriedenheit verspürt – schließlich ist man nie fertig.
Mein Lernplan beginnt mit der Anatomie, die ich in einer Woche abarbeiten werde. Allein bei diesem Gedanken wird mir schwindelig. Wofür wir einst mehrere Monate Zeit zum Lernen hatten, werde ich nur ein paar Tage aufwenden – und muss es genauso gut, wenn nicht sogar besser draufhaben. Gut ist, dass an jedem Tag vorgesehen ist, dazugehörige Fragen anzukreuzen. Diese stammen aus den vergangenen Jahren und es sind hilfreiche Erklärungen beigefügt.
Ich bin gespannt, wie viel Kraft mich das nach einem Semester, das es bisher schon in sich hatte, kosten wird – und werde drei Kreuze machen, wenn wir September haben und der Spuk vorbei ist.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.08.2017

Medizin studieren

Psychoterror

Nach bald vier Jahren sollte man es wissen: Wenn Studierende aus höheren Semestern sagen, eine Prüfung sei leicht, kann man davon ausgehen, dass das Bestehen tatsächlich kein Hexenwerk sein wird.
Aber dann kommen eben auch immer wieder die Profs und Kursverantwortlichen um die Ecke, die vor Prüfungen warnen, ihre Anforderungskataloge veröffentlichen und Hinweise fallen lassen, wonach man gefühlt ohne Facharztausbildung unmöglich diese Prüfung bestehen kann.
So lief es auch wieder mit der mündlichen Mibi-Prüfung, also der in Mikrobiologie. Unzählige Kommilitonen sagten uns zuvor, dass diese ein Kinderspiel sein würde. Aber in Anbetracht der Stofffülle, des mündlichen Prüfungsmodus‘ und des latenten Zeitdrucks kam trotzdem Schlussphasenpanik auf – bei ausnahmslos allen.
Und eine Stunde später wanderte ich dann leicht beschämt mit einer eins im Gepäck aus dem Prüfungsraum und dachte: „Au weia, dafür der Aufwand?“ Von „den Alten“ wurde ich nur mitleidig angegrinst, Salz in die Wunde.
Aber das hat vermutlich System. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass wir tatsächlich vernünftig lernen. Und im Fall von Mikrobiologie ist das Ganze sogar sinnvoll: Nach der mündlichen Vorprüfung wartet am Ende des Semesters sowieso noch eine schriftliche Abschlussklausur. Gramnegative Stäbchen auswendig gelernt zu haben, wird sich spätestens dann lohnen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  10.08.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
10.08.2017