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Medizin studieren

Psychoterror

Nach bald vier Jahren sollte man es wissen: Wenn Studierende aus höheren Semestern sagen, eine Prüfung sei leicht, kann man davon ausgehen, dass das Bestehen tatsächlich kein Hexenwerk sein wird.
Aber dann kommen eben auch immer wieder die Profs und Kursverantwortlichen um die Ecke, die vor Prüfungen warnen, ihre Anforderungskataloge veröffentlichen und Hinweise fallen lassen, wonach man gefühlt ohne Facharztausbildung unmöglich diese Prüfung bestehen kann.
So lief es auch wieder mit der mündlichen Mibi-Prüfung, also der in Mikrobiologie. Unzählige Kommilitonen sagten uns zuvor, dass diese ein Kinderspiel sein würde. Aber in Anbetracht der Stofffülle, des mündlichen Prüfungsmodus‘ und des latenten Zeitdrucks kam trotzdem Schlussphasenpanik auf – bei ausnahmslos allen.
Und eine Stunde später wanderte ich dann leicht beschämt mit einer eins im Gepäck aus dem Prüfungsraum und dachte: „Au weia, dafür der Aufwand?“ Von „den Alten“ wurde ich nur mitleidig angegrinst, Salz in die Wunde.
Aber das hat vermutlich System. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass wir tatsächlich vernünftig lernen. Und im Fall von Mikrobiologie ist das Ganze sogar sinnvoll: Nach der mündlichen Vorprüfung wartet am Ende des Semesters sowieso noch eine schriftliche Abschlussklausur. Gramnegative Stäbchen auswendig gelernt zu haben, wird sich spätestens dann lohnen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  10.08.2017

Medizin studieren

Testat No. 3

Auch im vierten Semester lässt die Physiologie noch einmal grüßen. In der Neurophysiologie lernen wir, wie Sehen und Hören, Gleichgewichtssinn, Schmerzempfinden, Gedächtnis und Schmecken funktionieren. Zwei mündliche Prüfungen stehen hierzu an, die uns auf das Physikum vorbereiten sollen. Apropos: Das Wort Physikum erschreckt uns alle mit jedem Tag mehr.
Die dritte Physiologieprüfung meines Medizinstudiums war dank des Prüfers ein Geschenk. Schon zu Beginn setzte er einen Haken hinter jeden Namen, was bedeutet, dass man bestanden hat – und das, bevor man überhaupt geprüft worden ist! Bei meiner ersten Prüfung bei ihm im Dezember vorigen Jahres war ich deshalb sehr erleichtert, bin dieses Mal aber unzufrieden. Es ist unbefriedigend, viel gelernt zu haben, und eine Prüfung nur deshalb zu bestehen, weil der Prüfer davon ausgeht, dass man gelernt hat. Es ließ das gewohnte Erfolgsgefühl vermissen, das ich brauche, um am Ball zu bleiben. So bestand ich die Prüfung, weil ich da war. Ich saß sie ab, ohne Druck, beantwortete ein paar Fragen, ob falsch oder richtig war egal, es interessierte nicht mehr. Ist das der Anspruch?
Immerhin fragte er uns nach Versuchen im Praktikum, in denen wir Muskelreflexe testeten, elektrische Ströme an Nerven ableiteten und eine Elektroenzephalogie (EEG) machten, die dazu dient, Hirnströme festzustellen. Auch wollte er wissen, nach welcher Dauer man sich an Reize wie dem salzigen Geschmack auf der Zunge gewöhnt, wie Signale an Synapsen verarbeitet werden und wann es zu einer Weiterleitung kommt. Dennoch kratzte er nur an der Oberfläche und testete uns nicht auf dem Niveau, das uns im Physikum erwartet – was er am Ende deutlich machte. Es sei eine große Differenz zwischen diesem Testat und dem ersten Staatsexamen, denn das wird schwerer, unvergleichbar schwerer. Das fällt schon auf, wenn man Physikumsfragen der vergangenen Jahre durchgeht, um sich vorzubereiten. Dort werden Inhalte abgefragt, die uns teilweise nicht einmal gelehrt wurden – weder in Vorlesungen oder Seminaren, noch im Praktikum. Das bringt mich ins Grübeln darüber, ob es nicht sinnvoller ist, sich nur auf ein Lehrbuch zu stürzen, das perfekt auf das Physikum zugeschnitten ist, statt die Veranstaltungen zu besuchen.
Unser Studiendekan warnt zwar immer wieder vor dieser Einstellung. Doch was müssen wir als Arzt können?

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  04.08.2017

Medizin studieren

Zeitreise in das Jahr 2007

Als ich jünger war, unternahm ich viel mit meinem Opa. Vor allem die Radfahrerei hatte es uns angetan: Berge in der Fränkischen Schweiz wurden beradelt und Kanäle sowie Flüsse Bayerns bereist. Mindestens drei Fahrradtouren über mehrere Tage sind mir in sehr guter Erinnerung geblieben.
Aber wie das so ist, wird man älter und schon klopft die Pubertät an. Auf einmal sind andere Dinge wichtiger, als mit dem Opa eine Woche lang die Donau entlang zu radeln. Und so wurde die letzte Tour, die mein Großvater noch gerne mit mir unternommen hätte, immer weiter verschoben, bis sie sich schließlich im Sand verlief.
Als ich um Weihnachten herum wieder einmal auf der Suche nach passenden Geschenken grübelte, fiel mir diese Zeit wieder ein und es dauerte nicht lange, bis ich mir dachte: Mensch, warum nicht jetzt? Warum nicht ziemlich genau zehn Jahre nach der letzten Opa-Enkel-Radtour diese letzte Tour verwirklichen? Gesagt getan, in geheimer Oma-Enkel-Absprache wurde ein Wochenende ausgesucht und mit einem Schein-Termin blockiert.
Die Überraschung war perfekt! Zu Tränen gerührt machte mein Großvater sich quasi direkt an die Planung. In Ermangelung einer ganzen Woche mussten wir leider die ursprüngliche Donau-Route etwas abkürzen und Etappen in die Länge ziehen, um in drei Tagen von Donaueschingen nach Ulm zu gelangen.
Aber dankenswerterweise spielte das Wetter mit, sodass die gut 250 Kilometer (mit Abstechern zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten) ohne größere Probleme vonstattengingen. Klar, ein rund 80-Jähriger fährt nicht mehr so schnell wie ich mit meinen 23 Jahren. Aber da wir alle Zeit der Welt für Pausen hatten, schafften wir unsere gut 80 Kilometer pro Tag trotzdem immer!
Und siehe da: auch diese Tour wird mir, vielleicht sogar noch mehr als die früheren, für immer im Gedächtnis bleiben.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  03.08.2017