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Medizin studieren

Die erste Härteprüfung

Physikum. Das Wort, das alle Medizinstudierenden bereits vor dem ersten Semester in Angst und Schrecken versetzt hat, wird jetzt greifbar. Am 22. August ist es so weit: Wir schreiben unser schriftliches Physikum, ein paar Tage später folgt der mündliche Teil, der sich auf die Anatomie, die Physiologie und die Biochemie beschränkt – aber diese Fächer bringen schon mehr als genug mit sich.
Was heißt es nun konkret, dass das Physikum so kurz bevorsteht und man nun vier Semester wiederholen muss? In erster Linie bedeutet es, reduzierter zu leben. Es ist zwar nicht so, dass man es in diesem Studium gewohnt ist, besonders viel Freizeit zu haben. Aber das Bisschen, das bisher blieb, wird nun auch in Anspruch genommen. Meine Wochen setzen sich somit aus Arbeiten, Lernen, Sport und Schlafen zusammen. Mehr geht leider nicht. Man muss dabei auf sich Acht geben, nicht zu sehr in Stress zu geraten und auch mal Menschen zu sehen, die nicht in der gleichen Situation stecken.
Anstrengend ist lediglich, dass ich ausgerechnet in diesem Monat fünf Nachtdienste bei meiner Arbeit abzuleisten habe, insgesamt sieben Histologiekurse betreue und jede Woche einmal eine ältere Dame aus dem Haus, in dem ich arbeite, nachmittags betreue – irgendwie muss unsere geplante Reise nach Nepal ja finanziert werden. Dazwischen muss ich jeden Tag circa fünf Stunden Lernen unterkriegen.
Wunderbarerweise ist für Medizinstudierende bereits viel vorgekaut. Es gibt Skripte, die alle Themen zusammenfassen, sowie Lernpläne, die kostenlos zur Verfügung stehen. Ich wählte einen 30-Tage-Lehrplan, um das Lernen möglichst lange aufzuschieben, und werde ihn auf circa 40 Tage strecken. Einige meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen finden kein Ende mit dem Lernen, weil sie sich nichts Konkretes für einen Tag vornehmen. Das halte ich für gefährlich, weil man dadurch deutlich gestresster ist und nie ein Gefühl der Zufriedenheit verspürt – schließlich ist man nie fertig.
Mein Lernplan beginnt mit der Anatomie, die ich in einer Woche abarbeiten werde. Allein bei diesem Gedanken wird mir schwindelig. Wofür wir einst mehrere Monate Zeit zum Lernen hatten, werde ich nur ein paar Tage aufwenden – und muss es genauso gut, wenn nicht sogar besser draufhaben. Gut ist, dass an jedem Tag vorgesehen ist, dazugehörige Fragen anzukreuzen. Diese stammen aus den vergangenen Jahren und es sind hilfreiche Erklärungen beigefügt.
Ich bin gespannt, wie viel Kraft mich das nach einem Semester, das es bisher schon in sich hatte, kosten wird – und werde drei Kreuze machen, wenn wir September haben und der Spuk vorbei ist.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.08.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
11.08.2017

Medizin studieren

Psychoterror

Nach bald vier Jahren sollte man es wissen: Wenn Studierende aus höheren Semestern sagen, eine Prüfung sei leicht, kann man davon ausgehen, dass das Bestehen tatsächlich kein Hexenwerk sein wird.
Aber dann kommen eben auch immer wieder die Profs und Kursverantwortlichen um die Ecke, die vor Prüfungen warnen, ihre Anforderungskataloge veröffentlichen und Hinweise fallen lassen, wonach man gefühlt ohne Facharztausbildung unmöglich diese Prüfung bestehen kann.
So lief es auch wieder mit der mündlichen Mibi-Prüfung, also der in Mikrobiologie. Unzählige Kommilitonen sagten uns zuvor, dass diese ein Kinderspiel sein würde. Aber in Anbetracht der Stofffülle, des mündlichen Prüfungsmodus‘ und des latenten Zeitdrucks kam trotzdem Schlussphasenpanik auf – bei ausnahmslos allen.
Und eine Stunde später wanderte ich dann leicht beschämt mit einer eins im Gepäck aus dem Prüfungsraum und dachte: „Au weia, dafür der Aufwand?“ Von „den Alten“ wurde ich nur mitleidig angegrinst, Salz in die Wunde.
Aber das hat vermutlich System. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass wir tatsächlich vernünftig lernen. Und im Fall von Mikrobiologie ist das Ganze sogar sinnvoll: Nach der mündlichen Vorprüfung wartet am Ende des Semesters sowieso noch eine schriftliche Abschlussklausur. Gramnegative Stäbchen auswendig gelernt zu haben, wird sich spätestens dann lohnen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  10.08.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
10.08.2017

Medizin studieren

Testat No. 3

Auch im vierten Semester lässt die Physiologie noch einmal grüßen. In der Neurophysiologie lernen wir, wie Sehen und Hören, Gleichgewichtssinn, Schmerzempfinden, Gedächtnis und Schmecken funktionieren. Zwei mündliche Prüfungen stehen hierzu an, die uns auf das Physikum vorbereiten sollen. Apropos: Das Wort Physikum erschreckt uns alle mit jedem Tag mehr.
Die dritte Physiologieprüfung meines Medizinstudiums war dank des Prüfers ein Geschenk. Schon zu Beginn setzte er einen Haken hinter jeden Namen, was bedeutet, dass man bestanden hat – und das, bevor man überhaupt geprüft worden ist! Bei meiner ersten Prüfung bei ihm im Dezember vorigen Jahres war ich deshalb sehr erleichtert, bin dieses Mal aber unzufrieden. Es ist unbefriedigend, viel gelernt zu haben, und eine Prüfung nur deshalb zu bestehen, weil der Prüfer davon ausgeht, dass man gelernt hat. Es ließ das gewohnte Erfolgsgefühl vermissen, das ich brauche, um am Ball zu bleiben. So bestand ich die Prüfung, weil ich da war. Ich saß sie ab, ohne Druck, beantwortete ein paar Fragen, ob falsch oder richtig war egal, es interessierte nicht mehr. Ist das der Anspruch?
Immerhin fragte er uns nach Versuchen im Praktikum, in denen wir Muskelreflexe testeten, elektrische Ströme an Nerven ableiteten und eine Elektroenzephalogie (EEG) machten, die dazu dient, Hirnströme festzustellen. Auch wollte er wissen, nach welcher Dauer man sich an Reize wie dem salzigen Geschmack auf der Zunge gewöhnt, wie Signale an Synapsen verarbeitet werden und wann es zu einer Weiterleitung kommt. Dennoch kratzte er nur an der Oberfläche und testete uns nicht auf dem Niveau, das uns im Physikum erwartet – was er am Ende deutlich machte. Es sei eine große Differenz zwischen diesem Testat und dem ersten Staatsexamen, denn das wird schwerer, unvergleichbar schwerer. Das fällt schon auf, wenn man Physikumsfragen der vergangenen Jahre durchgeht, um sich vorzubereiten. Dort werden Inhalte abgefragt, die uns teilweise nicht einmal gelehrt wurden – weder in Vorlesungen oder Seminaren, noch im Praktikum. Das bringt mich ins Grübeln darüber, ob es nicht sinnvoller ist, sich nur auf ein Lehrbuch zu stürzen, das perfekt auf das Physikum zugeschnitten ist, statt die Veranstaltungen zu besuchen.
Unser Studiendekan warnt zwar immer wieder vor dieser Einstellung. Doch was müssen wir als Arzt können?

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  04.08.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
04.08.2017