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Medizin studieren

Warum das alles?

In letzter Zeit habe ich viel über die vergangenen fünf Jahre nachgedacht. So lange ist es her, seit ich mich das erste Mal auf abi.de vorgestellt habe. Über 200 Beiträge habe ich seitdem verfasst und damit fast schon so eine Art Tagebuch meiner Studentenjahre erstellt.
Vielleicht ist dem ein oder anderen Leser aufgefallen, dass ich einen Großteil meiner Reisen vermeintlich im Alleingang bestritt. Dem ist nicht so, aber so richtig anonym bin ich ja nicht unterwegs. Jedenfalls könnte mich jeder identifizieren, der das wollte.
Ich habe kein Problem damit, meine Erlebnisse und Ansichten hier zu veröffentlichen. Allerdings bin ich der Meinung, dass ich meinen (Reise-)Partnern die Privatsphäre zugestehen muss, unerkannt zu bleiben.
Eines der Motive, meinen Blog hier auch im Medizinstudium weiterzuführen, ist ganz sicherlich auch, Anwärtern dieses Studiums die Angst zu nehmen. Klar ist man viel mit Lernen und Uni beschäftigt. Aber ich bemühe mich, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, als Mediziner könne man sein Privatleben an den Nagel hängen. Daher berichte ich, jedenfalls meiner Ansicht nach, vielleicht etwas überproportional über meine Reisen und Freizeitaktivitäten.
Gerade in den ersten vier Semestern traute ich mich oft nicht, mal ein Wochenende zu opfern und nichts für die Uni zu tun. Doch je länger man studiert, desto klarer wird, was geht und was nicht. Man merkt, dass auch noch so intensives Lernen nach sechs Monaten kaum mehr Wissen hinterlässt als Büffeln erst einige Wochen zuvor. Und mit derlei Erkenntnissen lässt sich dann doch erheblich leichter ein langes Fahrradtour-Wochenende mit dem Großvater genießen.

Medizin studieren

Ausreißen - Teil 2

Für unsere fünfmonatige Auszeit in Südostasien werden meine Freundin und ich ein Urlaubssemester bei unserer Universität beantragen. Darauf besitzt man ein Recht, wenn man ein Praktikum von einer gewissen Länge macht und dieses ins Semester fällt. Wir bleiben ganz normal immatrikuliert, zahlen unseren Semesterbeitrag und studieren dann im Frühjahr 2018 im fünften Semester weiter. Weiterhin müssen wir auch beim BAföG-Amt eine Bescheinigung über das Urlaubssemester einreichen, damit die Zahlung für ein halbes Jahr pausiert und anschließend – hoffentlich – nahtlos weiter erfolgt.
Ansonsten sind sehr viele Kleinigkeiten zu organisieren, zum Beispiel, einen Zwischenmieter für die WG zu finden. Das bedeutet, dass wir erneut einen Mitbewohner oder eine Mitbewohnerin casten müssen. Man darf gespannt sein!
Um mir diese Reise zu finanzieren, für die ich insgesamt circa 5000 Euro einplane, habe ich einerseits in den Semesterferien als Fundraiser gearbeitet, andererseits habe ich eine Handvoll Nebenjobs während des Studiums, die es mir ermöglichen, im Monat 250 Euro zurückzulegen. Über ein Jahr, das es in sich hatte, habe ich mir damit einiges Geld auf die hohe Kante legen können. Außerdem bekomme ich während der Reise weiterhin das Kindergeld bezahlt und habe von meiner Nachtbereitschaft ein paar Urlaubstage, die ich nehmen kann.
Es ist wirklich anstrengend, sich das alles selbst zusammenzusparen. Aber es lohnt sich. Und es handelt sich um mein Geld. Meine Eltern können also sagen, was sie davon halten, mich aber nicht davon abbringen – zu meiner Überraschung fanden sie die Idee aber ohnehin super.
Die größte Hürde, das Physikum, über das es auch noch viel zu schreiben gibt, ist noch zu schaffen. Doch bin ich insgesamt recht zuversichtlich. Und die Vorfreude ist unermesslich. Ich bin sehr gespannt, was ich alles auf diesem Blog zu berichten haben werde. Ich freue mich!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  17.07.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
17.07.2017

Medizin studieren

Bahn-Memoiren

Ich finde, es wird zu viel über die Bahn gelästert und das mit einer Aggression, die ich oft geradezu erschreckend finde. Hier mal 20 Minuten Verspätung, dort vielleicht fünf, ab und zu auch schon mal 120. Aber hey, wer stand nicht auch schon mal im Stau auf der Autobahn? Und noch ein Gedanke: Wer würde es wagen, seinem Bekannten zu sagen: „Ich starte um 11 Uhr in Hamburg mit dem Auto und werde um 17.23 Uhr da sein.“? Und wer würde, sollte es dann doch 18 Uhr werden, über die Unzuverlässigkeit der deutschen Autobahnen schimpfen?
Ich bin schon viel Bahn gefahren und muss sagen: In den meisten Fällen läuft alles reibungslos: Ich komme fast immer pünktlich an, reise stressfrei und kann wesentlich mehr erledigen als in einem stickigen Fernbus, meinem eigenen Auto oder dem einer Mitfahrgelegenheit. Deshalb finde ich es traurig, wie undifferenziert viele Leute über die Bahn herziehen.
Klar, lustige Geschichten, teils sogar extrem nervige, gibt es zuhauf. Beispielsweise bin ich gerade inspiriert von sich nicht öffnenden Zugtüren, die dazu führen, dass, während ich diesen Text in meinen Laptop tippe, eine nicht enden wollende Prozession von Umsteigenden zu „der einen offenen Tür in Wagen elf“ zieht. Die meisten nehmen es mit Humor. Aber es gibt schon auch das ein oder andere Wutbürger-Gesicht, dem der stressbedingte Bluthochdruck schon anzusehen ist. Vielleicht sollte ich der Bahn auch einfach für ihren Beitrag danken, dass mir später die Patienten nicht ausgehen …

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  12.07.2017