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Medizin studieren

Facebook und andere Seuchen

Gerade einmal acht Monate war es her, seit ich meine letzte Uni-Pflichtveranstaltung besucht hatte. Aber als ich nun das erste Mal wieder in einem Kurs saß, kam bei mir ein – so lächerlich das auch klingen mag – nostalgisches Gefühl auf. Und damit einher ging der ständige Kampf mit dem inneren Schweinehund, nicht doch lieber aufs Handy zu schauen, diese oder jene E-Mail zu beantworten, zu lesen, was Trump diesmal an den „Fake News“ ärgert oder Facebook ... Stopp! Ist das echt passiert? Habe ich wirklich gerade aus Langeweile in der Adresszeile meines Smartphones „facebook.com“ eingegeben? Ja, habe ich!
Wie tief verwurzelt ist diese Konditionierung denn bitte, dass ich nach drei Monaten ohne diese Seuche kaum zwanzig Minuten nach Beginn eines Uni-Kurses wie ferngesteuert Ablenkung beim Aufmerksamkeitskraken suche?
Etwas erschrocken verbannte ich das Handy für die restlichen 80 Minuten in die Tiefen meines Rucksacks und zwang mich – einer Selbstläuterung nicht unähnlich – aufzupassen. In langweiligen Kursen ein echter Willensakt, aber man kann es schaffen.
Ohnehin war der Kurs echt spannend, sobald es zum praktischen Teil kam: In der Mikrobiologie geht es um Bakterien, Viren, Parasiten und Co., also die Verursacher von Seuchen, schlimmen Krankheiten und Leiden vieler Art. Das Ziel unseres Kurses war es, Detektiv zu spielen und anhand von echten Proben herauszufinden, welche Keime die Patienten befallen haben. Wir erhielten Speichelproben, Urin, Sekrete aus der Luftröhre oder Abstriche aus Wunden, die wir auf Nährmedien aussäen mussten um herauszufinden, welcher Fiesling dort sein Unwesen treibt.
Tatsächlich spannend, teils aber auch eklig, denn manch eine Probe roch ziemlich übel …

Medizin studieren

In dankbarer Hochachtung

Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster in die Kapelle. Feines Geigenspiel ist zu hören, dann setzt der Chor ein, das Klavier begleitet, harmonisch legt sich ein Cello dazu. Ich schließe die Augen und lasse mich von der Musik entführen. Langsam bahnt sich eine Träne ihren Weg über mein Gesicht. Ich öffne die Augen und schaue in die traurigen Gesichter der Angehörigen, Freundinnen, Freunde und Bekannten unserer Körperspenden, die wir heute beisetzen.
Im zweiten Semester ist uns die Ehre zuteil geworden, die Anatomie an Menschen zu lernen, die einwilligten, ihren Körper für medizinische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Nun, ein Jahr später, erweisen wir ihnen das letzte Geleit und richten einen Gottesdienst für sie aus – und für die Angehörigen.
Mehrere Studierende und unser Studiendekan halten Reden, einige schöne Musikstücke untermalen dazu die emotionale Stimmung. Es ging an diesem Tag vor allem um unseren Dank gegenüber den Menschen, die uns einzigartige Einblicke in die Anatomie ermöglichten. Und es ging um den Respekt vor den Angehörigen, die so lange auf die Beerdigung ihrer Liebsten und damit auf einen Ort für ihre Trauer gewartet haben.
Die Angehörigen und uns verbindet etwas Außergewöhnliches. Sie kannten die Menschen, die nun Körperspender sind, prägten sie und wurden von ihnen geprägt. Wir dagegen fanden in ihnen geduldige Lehrer, tauchten in ihren biologischen Kosmos ein, begegneten durch sie dem Tod, lernten Ehrfurcht und Demut. So besonders diese Beziehungen waren, so besonders war auch das Aufeinandertreffen von Studierenden und Angehörigen, die teilweise das Gespräch zu uns suchten, um sich zu bedanken oder um zu erfragen, wie die Präparation eines menschlichen Körpers abläuft, wie das für uns war und was wir gelernt haben. Dabei fiel es schwer, Rede und Antwort zu stehen. Wir wissen nicht, welchen Menschen wir präpariert haben, kennen seinen Namen nicht, nur das Alter und wir haben nur eine Vermutung, warum er gestorben ist. Unsere Betroffenheit ist eine andere. Dennoch war es für die Angehörigen wichtig, zu erfahren, dass die Verstorbenen auch nach ihrem Tod Gutes taten, indem sie uns die Möglichkeit gaben, große Schritte auf dem Weg zu Medizinerinnen und Medizinern zu machen. Unser Dank an die Körperspenden gilt genauso ihnen.
Nun ist es an jedem Einzelnen von uns, alles dafür zu geben, gute Medizinerinnen und Mediziner zu werden und das uns gemachte Geschenk weiter in Ehren zu halten.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.06.2017

Medizin studieren

Iran = Gastfreundschaft

Direkt nach meinem Kletterurlaub ging es für mich mit meiner Arbeitsgruppe aus dem Labor nach Mashhad, dem religiösen Zentrum des Iran. Ziel war eine internationale Konferenz, die allerdings eher eine Kollaborations-Tagung der Münsteraner Neurologen mit der Medizinischen Fakultät der Uni Mashhads darstellte. Drei Tage verbrachten wir dort, drei extrem anstrengende Tage. Nicht so sehr aufgrund der Tagung, denn sechs Stunden Vorträge und Posterpräsentationen sind definitiv noch im Rahmen. Vielmehr aufgrund des kulturellen Begleitprogramms.
Die Iraner waren sehr bestrebt, uns alles zu bieten, was man in drei Tagen bieten kann. Und so wurden wir in jeder freien Minute irgendwo zum Essen, in einen Palast, ein Museum, ein Einkaufszentrum oder zu einem Fototermin gebracht.
Fotos schienen unsere Gastgeber sowieso gerne zu machen, ein Kameramann und eine Fotografin waren omnipräsent. Weswegen uns diese Ehrerbietung zuteilwurde, keine Ahnung. Aber ihnen war es einfach wichtig, uns Gästen alles Mögliche zu ermöglichen. Jedem von uns 15 Deutschen waren ein bis zwei „Betreuer“ zur Seite gestellt, die auch nicht davor Halt machten, einen auf die Toilette zu eskortieren.
Das Highlight unseres Kurztrips war der Besuch des heiligen Schreins von Imam Reza (dem 8. Imam nach Mohammed), der in Mashhad ermordet wurde. Seither dient sein Schrein als Pilgerort für jährlich rund 20 Millionen Gläubige und hat Mashhad eine wichtige Position in der iranischen Tourismusbranche eingebracht.
Leider viel zu früh mussten wir den Heimweg antreten. Ich hätte gerne viel mehr gesehen – auch außerhalb einer geschlossenen, geführten Gruppe. Ich hätte mich zum Beispiel gerne außerhalb eines strengen Rahmens mit jungen Iranern und Iranerinnen unterhalten, um herauszufinden, wie sie zu Religion, Kopftuch, den USA und den Freiheiten stehen, die sie augenscheinlich nur aus dem West-Fernsehen kennen; und aus dem Internet, das allerdings größtenteils gesperrt ist, etwa Facebook.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  23.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
23.06.2017