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Medizin studieren

In dankbarer Hochachtung

Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster in die Kapelle. Feines Geigenspiel ist zu hören, dann setzt der Chor ein, das Klavier begleitet, harmonisch legt sich ein Cello dazu. Ich schließe die Augen und lasse mich von der Musik entführen. Langsam bahnt sich eine Träne ihren Weg über mein Gesicht. Ich öffne die Augen und schaue in die traurigen Gesichter der Angehörigen, Freundinnen, Freunde und Bekannten unserer Körperspenden, die wir heute beisetzen.
Im zweiten Semester ist uns die Ehre zuteil geworden, die Anatomie an Menschen zu lernen, die einwilligten, ihren Körper für medizinische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Nun, ein Jahr später, erweisen wir ihnen das letzte Geleit und richten einen Gottesdienst für sie aus – und für die Angehörigen.
Mehrere Studierende und unser Studiendekan halten Reden, einige schöne Musikstücke untermalen dazu die emotionale Stimmung. Es ging an diesem Tag vor allem um unseren Dank gegenüber den Menschen, die uns einzigartige Einblicke in die Anatomie ermöglichten. Und es ging um den Respekt vor den Angehörigen, die so lange auf die Beerdigung ihrer Liebsten und damit auf einen Ort für ihre Trauer gewartet haben.
Die Angehörigen und uns verbindet etwas Außergewöhnliches. Sie kannten die Menschen, die nun Körperspender sind, prägten sie und wurden von ihnen geprägt. Wir dagegen fanden in ihnen geduldige Lehrer, tauchten in ihren biologischen Kosmos ein, begegneten durch sie dem Tod, lernten Ehrfurcht und Demut. So besonders diese Beziehungen waren, so besonders war auch das Aufeinandertreffen von Studierenden und Angehörigen, die teilweise das Gespräch zu uns suchten, um sich zu bedanken oder um zu erfragen, wie die Präparation eines menschlichen Körpers abläuft, wie das für uns war und was wir gelernt haben. Dabei fiel es schwer, Rede und Antwort zu stehen. Wir wissen nicht, welchen Menschen wir präpariert haben, kennen seinen Namen nicht, nur das Alter und wir haben nur eine Vermutung, warum er gestorben ist. Unsere Betroffenheit ist eine andere. Dennoch war es für die Angehörigen wichtig, zu erfahren, dass die Verstorbenen auch nach ihrem Tod Gutes taten, indem sie uns die Möglichkeit gaben, große Schritte auf dem Weg zu Medizinerinnen und Medizinern zu machen. Unser Dank an die Körperspenden gilt genauso ihnen.
Nun ist es an jedem Einzelnen von uns, alles dafür zu geben, gute Medizinerinnen und Mediziner zu werden und das uns gemachte Geschenk weiter in Ehren zu halten.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  28.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
28.06.2017

Medizin studieren

Iran = Gastfreundschaft

Direkt nach meinem Kletterurlaub ging es für mich mit meiner Arbeitsgruppe aus dem Labor nach Mashhad, dem religiösen Zentrum des Iran. Ziel war eine internationale Konferenz, die allerdings eher eine Kollaborations-Tagung der Münsteraner Neurologen mit der Medizinischen Fakultät der Uni Mashhads darstellte. Drei Tage verbrachten wir dort, drei extrem anstrengende Tage. Nicht so sehr aufgrund der Tagung, denn sechs Stunden Vorträge und Posterpräsentationen sind definitiv noch im Rahmen. Vielmehr aufgrund des kulturellen Begleitprogramms.
Die Iraner waren sehr bestrebt, uns alles zu bieten, was man in drei Tagen bieten kann. Und so wurden wir in jeder freien Minute irgendwo zum Essen, in einen Palast, ein Museum, ein Einkaufszentrum oder zu einem Fototermin gebracht.
Fotos schienen unsere Gastgeber sowieso gerne zu machen, ein Kameramann und eine Fotografin waren omnipräsent. Weswegen uns diese Ehrerbietung zuteilwurde, keine Ahnung. Aber ihnen war es einfach wichtig, uns Gästen alles Mögliche zu ermöglichen. Jedem von uns 15 Deutschen waren ein bis zwei „Betreuer“ zur Seite gestellt, die auch nicht davor Halt machten, einen auf die Toilette zu eskortieren.
Das Highlight unseres Kurztrips war der Besuch des heiligen Schreins von Imam Reza (dem 8. Imam nach Mohammed), der in Mashhad ermordet wurde. Seither dient sein Schrein als Pilgerort für jährlich rund 20 Millionen Gläubige und hat Mashhad eine wichtige Position in der iranischen Tourismusbranche eingebracht.
Leider viel zu früh mussten wir den Heimweg antreten. Ich hätte gerne viel mehr gesehen – auch außerhalb einer geschlossenen, geführten Gruppe. Ich hätte mich zum Beispiel gerne außerhalb eines strengen Rahmens mit jungen Iranern und Iranerinnen unterhalten, um herauszufinden, wie sie zu Religion, Kopftuch, den USA und den Freiheiten stehen, die sie augenscheinlich nur aus dem West-Fernsehen kennen; und aus dem Internet, das allerdings größtenteils gesperrt ist, etwa Facebook.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  23.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
23.06.2017

Medizin studieren

Ein Hauch von Zukunft

Um die Beziehung zwischen Arzt und Patient, die zugeteilten Rollen, die Erwartungen sowie Wünsche beider Seiten geht es im Modul „Medizinische Soziologie und Psychologie“. Diesbezüglich werden uns Studierenden zwei Klinikbesuche angeboten und wir erfahren, inwiefern die gelernten Inhalte unsere Studiums Relevanz haben. Mit unseren Kitteln und einem Stethoskop ausgestattet, besuchten wir in der Dreifaltigkeitsklinik in Lippstadt die nephrologische Abteilung, die insbesondere für Dialysen und Nierenerkrankungen zuständig ist.
Nur stand im Fokus, sich der Perspektive des Patienten zu widmen. Dazu bekamen wir alle einen nierenkranken Patienten zugeteilt und sollten mit ihm oder ihr über den Verlauf der Krankheit, das eigene Wohlbefinden, die Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem und die Erwartungen daran sprechen. Das war überaus interessant und dient schlussendlich dazu, eine vierseitige Hausarbeit zu schreiben, in der Kritik und Wünsche im Zusammenhang mit dem Gesundheitssystem zur Diskussion gestellt werden sollen.
Mein Patient litt nicht an einer deutlichen Niereninsuffizienz, an Herzschwäche und Diabetes. Er berichtete, dass er bereits mehrfach von einzelnen Ärzten enttäuscht worden sei, die sich schlichtweg geirrt haben, aber sich ihm gegenüber nicht transparent verhielten. Dennoch war sein Vertrauen in die Medizin genauso stark und brach nicht ab, weil sein einziger Wunsch ist, dass man ihm helfe. Und das können eben nur Mediziner.
Das fand ich durchaus sehr beeindruckend, denn ich bin davon ausgegangen, dass man doch eher einzelne schlechte Erfahrungen verallgemeinert und danach generelles Misstrauen hegt. Er gab mir viele wertvolle Tipps mit auf den Weg, zum Beispiel, immer aufrichtig zu sein, Fehler einzugestehen und sie offen dem behandelten Menschen mitzuteilen. Außerdem ist das Einbinden des Patienten in den Therapieverlauf ein Zeichen des Respekts, genauso Transparenz und die Bereitschaft, beispielsweise Labordaten gemeinsam durchzugehen und nicht einfach nur zu behaupten, alles sei in Ordnung – obwohl das häufig gar nicht stimme.
Einen besonderen Punkt stellte er noch heraus, den ich als Diskussionsfrage in meine Hausarbeit aufnehmen werde: Wie werden erbrachte Leistungen abgerechnet und was tun Ärzte oder auch nicht, um möglichst viel Geld zu verdienen? Zum Schluss fragte ich noch, was er mir noch mit auf den Weg geben kann. Daraufhin überlegte er kurz und sagte dann, dass ich nichts falsch machen könne, solange ich menschlich sei und meine Patienten als Menschen begreife. Verstanden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  22.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
22.06.2017