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Medizin studieren

Iran = Gastfreundschaft

Direkt nach meinem Kletterurlaub ging es für mich mit meiner Arbeitsgruppe aus dem Labor nach Mashhad, dem religiösen Zentrum des Iran. Ziel war eine internationale Konferenz, die allerdings eher eine Kollaborations-Tagung der Münsteraner Neurologen mit der Medizinischen Fakultät der Uni Mashhads darstellte. Drei Tage verbrachten wir dort, drei extrem anstrengende Tage. Nicht so sehr aufgrund der Tagung, denn sechs Stunden Vorträge und Posterpräsentationen sind definitiv noch im Rahmen. Vielmehr aufgrund des kulturellen Begleitprogramms.
Die Iraner waren sehr bestrebt, uns alles zu bieten, was man in drei Tagen bieten kann. Und so wurden wir in jeder freien Minute irgendwo zum Essen, in einen Palast, ein Museum, ein Einkaufszentrum oder zu einem Fototermin gebracht.
Fotos schienen unsere Gastgeber sowieso gerne zu machen, ein Kameramann und eine Fotografin waren omnipräsent. Weswegen uns diese Ehrerbietung zuteilwurde, keine Ahnung. Aber ihnen war es einfach wichtig, uns Gästen alles Mögliche zu ermöglichen. Jedem von uns 15 Deutschen waren ein bis zwei „Betreuer“ zur Seite gestellt, die auch nicht davor Halt machten, einen auf die Toilette zu eskortieren.
Das Highlight unseres Kurztrips war der Besuch des heiligen Schreins von Imam Reza (dem 8. Imam nach Mohammed), der in Mashhad ermordet wurde. Seither dient sein Schrein als Pilgerort für jährlich rund 20 Millionen Gläubige und hat Mashhad eine wichtige Position in der iranischen Tourismusbranche eingebracht.
Leider viel zu früh mussten wir den Heimweg antreten. Ich hätte gerne viel mehr gesehen – auch außerhalb einer geschlossenen, geführten Gruppe. Ich hätte mich zum Beispiel gerne außerhalb eines strengen Rahmens mit jungen Iranern und Iranerinnen unterhalten, um herauszufinden, wie sie zu Religion, Kopftuch, den USA und den Freiheiten stehen, die sie augenscheinlich nur aus dem West-Fernsehen kennen; und aus dem Internet, das allerdings größtenteils gesperrt ist, etwa Facebook.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  23.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
23.06.2017

Medizin studieren

Ein Hauch von Zukunft

Um die Beziehung zwischen Arzt und Patient, die zugeteilten Rollen, die Erwartungen sowie Wünsche beider Seiten geht es im Modul „Medizinische Soziologie und Psychologie“. Diesbezüglich werden uns Studierenden zwei Klinikbesuche angeboten und wir erfahren, inwiefern die gelernten Inhalte unsere Studiums Relevanz haben. Mit unseren Kitteln und einem Stethoskop ausgestattet, besuchten wir in der Dreifaltigkeitsklinik in Lippstadt die nephrologische Abteilung, die insbesondere für Dialysen und Nierenerkrankungen zuständig ist.
Nur stand im Fokus, sich der Perspektive des Patienten zu widmen. Dazu bekamen wir alle einen nierenkranken Patienten zugeteilt und sollten mit ihm oder ihr über den Verlauf der Krankheit, das eigene Wohlbefinden, die Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem und die Erwartungen daran sprechen. Das war überaus interessant und dient schlussendlich dazu, eine vierseitige Hausarbeit zu schreiben, in der Kritik und Wünsche im Zusammenhang mit dem Gesundheitssystem zur Diskussion gestellt werden sollen.
Mein Patient litt nicht an einer deutlichen Niereninsuffizienz, an Herzschwäche und Diabetes. Er berichtete, dass er bereits mehrfach von einzelnen Ärzten enttäuscht worden sei, die sich schlichtweg geirrt haben, aber sich ihm gegenüber nicht transparent verhielten. Dennoch war sein Vertrauen in die Medizin genauso stark und brach nicht ab, weil sein einziger Wunsch ist, dass man ihm helfe. Und das können eben nur Mediziner.
Das fand ich durchaus sehr beeindruckend, denn ich bin davon ausgegangen, dass man doch eher einzelne schlechte Erfahrungen verallgemeinert und danach generelles Misstrauen hegt. Er gab mir viele wertvolle Tipps mit auf den Weg, zum Beispiel, immer aufrichtig zu sein, Fehler einzugestehen und sie offen dem behandelten Menschen mitzuteilen. Außerdem ist das Einbinden des Patienten in den Therapieverlauf ein Zeichen des Respekts, genauso Transparenz und die Bereitschaft, beispielsweise Labordaten gemeinsam durchzugehen und nicht einfach nur zu behaupten, alles sei in Ordnung – obwohl das häufig gar nicht stimme.
Einen besonderen Punkt stellte er noch heraus, den ich als Diskussionsfrage in meine Hausarbeit aufnehmen werde: Wie werden erbrachte Leistungen abgerechnet und was tun Ärzte oder auch nicht, um möglichst viel Geld zu verdienen? Zum Schluss fragte ich noch, was er mir noch mit auf den Weg geben kann. Daraufhin überlegte er kurz und sagte dann, dass ich nichts falsch machen könne, solange ich menschlich sei und meine Patienten als Menschen begreife. Verstanden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  22.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
22.06.2017

Medizin studieren

Klettern am Meer

Nach dem zweiten Blockpraktikum war ich mal wieder urlaubsreif. Da die Kletterhalle in Münster leider schließt und mein Kletterpartner weggezogen ist, bleibt mir momentan nichts anderes übrig, als mich mit dem Bouldern abzufinden – auch nett, aber aus meiner Sicht nicht so gut wie Klettern.
Aus diesem Grund ging es für mich zunächst für ein paar Tage in die provenzalischen Alpen zum Klettern. Etwas unterschätzt hatte ich dabei, dass die Sonne tagsüber zwar angenehme 20 Grad bescheren kann, auf knapp 1000 Metern aber auch jetzt noch in der Nacht Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen können. Und so musste ich die wohl kälteste Nacht meines Lebens in meinem Bus verbringen, mehr zitternd als schlafend. Wie zum Hohn der überstandenen Nacht wurde es, sobald die Sonne auf das Auto schien, innerhalb von zehn Minuten unerträglich warm. Immerhin war ich noch rechtzeitig vor der Tür, um zu sehen, dass das Geschirrhandtuch über Nacht zu einer Rolle gefroren war …
Bei einer der Klettertouren in den folgenden Tagen geschah dann noch Filmreifes: Die ohnehin schon recht flugwütige französische Luftwaffe hatte beschlossen, in „unserem“ Tal Manöver zu fliegen. Und so fanden sich mein Seilpartner und ich etwa 150 Meter über dem Boden in einer Situation à la „Mission Impossible“ wieder: Zwei Kampfjets zogen 100 Meter über unseren Köpfen hinweg über die Wand, die wir gerade erklettern wollten. Zu dem Zeitpunkt eher erschreckend als cool, jetzt aber eine ganz nette Anekdote.
Um etwas wärmere Nächte zu erleben, beschlossen wir, uns weiter Richtung Süden aufzumachen. Ziel waren die Calanques, ein Nationalpark bei Marseille. Dort lässt es sich paradiesisch klettern, es ist wie im Bilderbuch: blaues Meer, fjordartige Buchten und Wände, die praktisch auf Meereshöhe beginnend – ein Eldorado für die Kletterszene Marseilles.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  16.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
16.06.2017