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Medizin studieren

Ein Hauch von Zukunft

Um die Beziehung zwischen Arzt und Patient, die zugeteilten Rollen, die Erwartungen sowie Wünsche beider Seiten geht es im Modul „Medizinische Soziologie und Psychologie“. Diesbezüglich werden uns Studierenden zwei Klinikbesuche angeboten und wir erfahren, inwiefern die gelernten Inhalte unsere Studiums Relevanz haben. Mit unseren Kitteln und einem Stethoskop ausgestattet, besuchten wir in der Dreifaltigkeitsklinik in Lippstadt die nephrologische Abteilung, die insbesondere für Dialysen und Nierenerkrankungen zuständig ist.
Nur stand im Fokus, sich der Perspektive des Patienten zu widmen. Dazu bekamen wir alle einen nierenkranken Patienten zugeteilt und sollten mit ihm oder ihr über den Verlauf der Krankheit, das eigene Wohlbefinden, die Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem und die Erwartungen daran sprechen. Das war überaus interessant und dient schlussendlich dazu, eine vierseitige Hausarbeit zu schreiben, in der Kritik und Wünsche im Zusammenhang mit dem Gesundheitssystem zur Diskussion gestellt werden sollen.
Mein Patient litt nicht an einer deutlichen Niereninsuffizienz, an Herzschwäche und Diabetes. Er berichtete, dass er bereits mehrfach von einzelnen Ärzten enttäuscht worden sei, die sich schlichtweg geirrt haben, aber sich ihm gegenüber nicht transparent verhielten. Dennoch war sein Vertrauen in die Medizin genauso stark und brach nicht ab, weil sein einziger Wunsch ist, dass man ihm helfe. Und das können eben nur Mediziner.
Das fand ich durchaus sehr beeindruckend, denn ich bin davon ausgegangen, dass man doch eher einzelne schlechte Erfahrungen verallgemeinert und danach generelles Misstrauen hegt. Er gab mir viele wertvolle Tipps mit auf den Weg, zum Beispiel, immer aufrichtig zu sein, Fehler einzugestehen und sie offen dem behandelten Menschen mitzuteilen. Außerdem ist das Einbinden des Patienten in den Therapieverlauf ein Zeichen des Respekts, genauso Transparenz und die Bereitschaft, beispielsweise Labordaten gemeinsam durchzugehen und nicht einfach nur zu behaupten, alles sei in Ordnung – obwohl das häufig gar nicht stimme.
Einen besonderen Punkt stellte er noch heraus, den ich als Diskussionsfrage in meine Hausarbeit aufnehmen werde: Wie werden erbrachte Leistungen abgerechnet und was tun Ärzte oder auch nicht, um möglichst viel Geld zu verdienen? Zum Schluss fragte ich noch, was er mir noch mit auf den Weg geben kann. Daraufhin überlegte er kurz und sagte dann, dass ich nichts falsch machen könne, solange ich menschlich sei und meine Patienten als Menschen begreife. Verstanden.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  22.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
22.06.2017

Medizin studieren

Klettern am Meer

Nach dem zweiten Blockpraktikum war ich mal wieder urlaubsreif. Da die Kletterhalle in Münster leider schließt und mein Kletterpartner weggezogen ist, bleibt mir momentan nichts anderes übrig, als mich mit dem Bouldern abzufinden – auch nett, aber aus meiner Sicht nicht so gut wie Klettern.
Aus diesem Grund ging es für mich zunächst für ein paar Tage in die provenzalischen Alpen zum Klettern. Etwas unterschätzt hatte ich dabei, dass die Sonne tagsüber zwar angenehme 20 Grad bescheren kann, auf knapp 1000 Metern aber auch jetzt noch in der Nacht Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen können. Und so musste ich die wohl kälteste Nacht meines Lebens in meinem Bus verbringen, mehr zitternd als schlafend. Wie zum Hohn der überstandenen Nacht wurde es, sobald die Sonne auf das Auto schien, innerhalb von zehn Minuten unerträglich warm. Immerhin war ich noch rechtzeitig vor der Tür, um zu sehen, dass das Geschirrhandtuch über Nacht zu einer Rolle gefroren war …
Bei einer der Klettertouren in den folgenden Tagen geschah dann noch Filmreifes: Die ohnehin schon recht flugwütige französische Luftwaffe hatte beschlossen, in „unserem“ Tal Manöver zu fliegen. Und so fanden sich mein Seilpartner und ich etwa 150 Meter über dem Boden in einer Situation à la „Mission Impossible“ wieder: Zwei Kampfjets zogen 100 Meter über unseren Köpfen hinweg über die Wand, die wir gerade erklettern wollten. Zu dem Zeitpunkt eher erschreckend als cool, jetzt aber eine ganz nette Anekdote.
Um etwas wärmere Nächte zu erleben, beschlossen wir, uns weiter Richtung Süden aufzumachen. Ziel waren die Calanques, ein Nationalpark bei Marseille. Dort lässt es sich paradiesisch klettern, es ist wie im Bilderbuch: blaues Meer, fjordartige Buchten und Wände, die praktisch auf Meereshöhe beginnend – ein Eldorado für die Kletterszene Marseilles.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  16.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
16.06.2017

Medizin studieren

Lücke füllen

Auf sein Bauchgefühl zu hören, ist nicht immer der beste Rat. Der Bauch lässt sich schließlich gerne von einfachen Umwelteinflüssen erheblich in die eine oder andere Richtung lenken, beispielsweise wenn man Hunger hat, einem schlecht ist oder man vor Verliebtheit die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch hat. Aber in dieser Angelegenheit ist ganz viel Bauchgefühl gefragt: Wir suchen einen neuen Mitbewohner für unsere Vierer-WG.
Binnen weniger Stunden hatten wir bereits die ersten Anfragen auf unsere Online-Anzeige. Es ist interessant, wie unterschiedlich die investierte Mühe der Bewerberinnen und Bewerber ist. Manche erzählen bereits ihre gesamte Lebensgeschichte und andere geben lediglich ihre Nummer an. Darüber hinaus haben wir inseriert, einen Studenten zwischen 19 und 25 Jahren zu suchen, dennoch meldeten sich natürlich alle möglichen Menschen, um es zu versuchen.
Wir haben letztendlich sieben Leute eingeladen und für jeden mit einer Stunde relativ viel Zeit eingeplant. Wir sprachen mit ganz verschiedenen Menschen, die Philosophie und Arabistik, Soziale Arbeit, Bauingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaft und Recht, Geschichte oder Lehramt für Englisch und Sozialwissenschaften studieren. Es ist sehr erfrischend, mal aus seinem Kreis hinaus zu schauen. Nur zeigt es auch, wie unterschiedlich intensiv Studiengänge sein können. Der Geschichtsstudent beispielsweise hat nur einen Tag in der Woche Veranstaltungen, wir verbringen jeden Tag viele Stunden an der Uni. Das würde es erschweren, diese verschiedenen Formen des Alltages zusammenzubringen.
Am schlimmsten fand ich, wenn der Bewerber uninteressiert wirkte. Die fehlende Bereitschaft, Fragen zu stellen, sich unsere Wohnung anzuschauen und etwas über uns zu erfahren, bringt auf keinen Fall Sympathiepunkte ein. Nur selten kam jemand mit viel Energie zu uns und begeisterte uns, gewann uns für sich, während wir ihm die Wohnung zeigten, über die Miete und über das Leben in einer WG sprachen. So fiel die Entscheidung: Unser neuer Mitbewohner wird nach jetzigem Stand ein Lehramtsstudent im zweiten Semester. Wir hoffen, dass wir uns richtig entschieden haben – nicht nur gemeinsam wohnen, sondern gemeinsam leben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  14.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
14.06.2017