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Medizin studieren

Spendensammeln auf Deutschlands Straßen - 2

Einfach alle ansprechen, die hier vorbeikommen – jeden, ausnahmslos – und so viele Gespräche führen wie möglich. Auf diese Art lerne ich, mit welchen Menschen ich am besten reden kann, wer am wahrscheinlichsten einer Kinderhilfsorganisation wie World Vision helfen würde oder ihr eher missbilligend gegenübersteht. Nach dem ersten Tag als Fundraiser fühle ich vor allem Frust. Frust wegen der ganzen Ablehnung, des eigenen Misserfolges, während die Erfahreneren im Team allesamt Leute überzeugen wie die Weltmeister.
Mein Team setzt sich in der ersten Station in München zusammen aus einer Afrikanistikstudentin aus Leipzig, die jedes Jahr für drei Monate in Uganda ihrer Familie in deren privaten Hilfseinrichtungen aushilft, einer Psychologiestudentin aus Tübingen, die an Herzlichkeit und Wärme nicht zu übertreffen ist, einem Soziologiestudenten aus Mainz, der mir in den nächsten vier Tagen zu einem guten Freund werden sollte, und einer Studentin der chemischen Biologie aus Dortmund, die uns leider nach drei Tagen bereits wieder verlassen musste. Diese Mischung war wahnsinnig bereichernd.
Die ersten Tage waren vollgepackt mit Informationen, Schulungen, Weiterbildungen, mit Kritik und eigener Entwicklung. Abends gab es jeweils eine Schulung, in der uns die Teamleiter erzählten, wie man gewisse Einwände behandelt, Beiträge neu verhandelt und wie wichtig eine gute persönliche Ebene beim Fundraising ist. Weiterhin erfuhren wir von einigen Kniffen, wie man Ruhe in ein Gespräch bringt. Der eigene Pavillon wird dabei zur Wohlfühloase, in der sich die angesprochene Person ein paar Minuten entspannen kann, um zu helfen und ein gutes Gefühl zu verspüren.
Natürlich gibt es einen gewissen Erfolgsdruck, weshalb von einem gefordert wird, sich in den ersten Tagen sichtlich zu verbessern. Die Zahlen, die man am Tag erbringt, sind nachrangig. Wichtig ist den Teamleiter und Coaches, dass man Kritik annimmt und dazulernt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass für mich Erfolg der Schlüssel dazu ist, diesen belastenden Job auszuhalten.
Meine erste Woche lief sehr durchwachsen. Ich entwickelte mich zwar, doch merkte ich auch, dass es schwer ist, alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Ich lernte, mich ständig aufzuraffen, Druck in absolute Motivation umzuwandeln und aus jedem guten Gespräch Kraft zu schöpfen. Und sie lehrte mich, dass ein gutes Team unbezahlbar ist.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  31.05.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
31.05.2017

Medizin studieren

Steile Lernkurve

Meine Iranreise rückt näher und näher! Nachdem ich ein Abstract über meine Arbeit verfasst hatte, folgte etwas noch Nervenaufreibenderes: Ich musste dessen Inhalt auf ein 50 mal 70 Zentimeter großes Poster quetschen, das im Iran gängige Format. Der Inhalt speist sich dabei recht schnell ein, doch was das ganze Prozedere so kompliziert macht, ist das Layouten: Alle Abstände von Text zu Abbildung müssen gleich sein, die Schriftgrößen identisch und dabei darf sich das alles natürlich nicht verziehen, sodass unten wieder die Hälfte herausrutscht. Nach schweißtreibendem Milimeter-Gefeilsche mit Powerpoint habe ich endlich ein halbwegs passables Exemplar auf den Weg gebracht und schicke es zum ersten Korrektor.
Tja, die Mühe mit den Hin- und Herziehen hätte ich mir sparen können, denn ein Fünftel kommt verändert – und entsprechend verzogen – zurück! Tja, das war wohl nichts! Ich beschließe, ab jetzt alles nur noch inhaltlich zu verbessern und das Rohmaterial, schäbig und schief, zum Korrigieren zu schicken.
Als diese Fassung ihre üblichen vier Stationen durchlaufen hat, mache ich mich wieder ans Zurechtzupfen. So wirklich Spaß macht das ja nicht, hat aber auch irgendwie was Meditatives und ist eine ganz nette Abwechslung zum Pippetieren und Lesen von Papern. Außerdem kann ich nebenbei hervorragend Hörbücher hören, intellektuell fordert diese Kleinarbeit nämlich nicht.
Letzten Endes bin ich eine Woche vor Abgabefrist fertig. Was auch nötig ist, denn nächste Woche geht es für mich nach Südfrankreich zum Klettern und von dort dann mehr oder weniger direkt in den Iran!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  26.05.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
26.05.2017

Medizin studieren

Sich in Bildern verlieren

Ich bekomme die Krise! Zwischen all den Röntgenbildern und Aufnahmen von Computertomografie und Sonografie komme ich mir klein und unwissend vor. In der Vorklinik stützt man sich noch auf die übersichtlichen anatomischen Abbildungen, die sich wunderbar auswendig lernen lassen. Bei den bildgebenden Verfahren stoße ich hingegen an meine Grenzen, denn diese bedürfen einer Interpretation – und die kann mitunter sehr unterschiedlich sein.

Beim Kurs zu diesen Verfahren am Ende des dritten Semesters hatte ich den Eindruck, dass ich viel gelernt habe und – überspitzt gesagt – direkt ins Krankenhaus könnte, um Diagnosen zu stellen. Jetzt, eine Woche vor der Klausur, wird mir doch bang. Außerdem weiß ich nicht, was und in welchem Umfang ich lernen soll. Bisher gab es ein optimales Lehrbuch für uns, sodass man sich die Inhalte nicht selbst zusammensuchen musste. Jetzt haben wir nur ein vages Skript, ein paar Altklausuren und eine App, die längst nicht alle benötigten Abbildungen enthält. Da freue ich mich glatt aufs Physikum, für das sowohl Lernpläne als auch Lernmaterialien bereits zusammengetragen wurden.

Mein Wissensstand zu den verschiedenen bildgebenden Verfahren ist geradezu erbärmlich. In den bisherigen Übungen hatte ich das Glück, dass immer die gleichen Abbildungen verwendet wurden. Genau darauf werde ich auch in der Klausur setzen – natürlich nicht, ohne noch einige Lücken aufzufüllen. Es ist kaum vorstellbar, wie schwer einem das räumliche Denken bei einem MRT fallen kann, wenn man nur zweidimensionale Schnitte sieht und dann gefragt wird, was zu sehen ist und was nicht. Ich habe ja schon Probleme, in einem Röntgenbild einen linken von einem rechten Unterarm zu unterscheiden und Arterien und Venen im Ultraschall auseinanderzuhalten.

Da hilft nur, was bisher auch stets Aufgabe war: Auswendig lernen. Auswendig lernen, auf Höhe welches Wirbelkörpers sich die Bauchaorta teilt. Auswendig lernen, an welcher Stelle die Schilddrüse ihre Engstelle hat. Auswendig lernen, welche Bedingungen bei einer Knochenszintigrafie, einem nuklearmedizinischen Verfahren zum Nachweis von Knochenmetastasen, und dem eingesetzten Marker gelten.