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Medizin studieren

Spendensammeln auf Deutschlands Straßen - 1

Diese Semesterferien wollte ich nutzen, um Geld zu verdienen und Neues zu erleben. Über eine gute Freundin bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, das Fundraising für große Organisationen wie den World Wide Fund for Natur (WWF), Amnesty International und die Uno-Flüchtlingshilfe betreibt. Das Konzept besteht darin, durch ganz Deutschland zu reisen, um in den Fußgängerzonen Menschen von der guten Sache zu begeistern und zum Spenden zu bewegen. Was einfach klingt, bedarf einer Menge Vorbereitung, Schulungen, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen. Ich habe vier Wochen am Stück gearbeitet, sechs Tage die Woche, über zehn Stunden am Tag. Vier Wochen, die mich geprägt haben, in denen ich neue Freundinnen und Freunde aus ganz Deutschland gefunden und viel über mich selbst gelernt habe.
Das Bewerbungsgespräch für diese Stelle fand praktischerweise über Skype statt. Mein Gegenüber stellte mir mehrere Aufgaben, beispielsweise mich in zwei Minuten möglichst präzise und begeistert vorzustellen oder ein Event zu bewerben und jemanden zum Mitmachen zu bewegen. Außerdem musste ich mich selbst einschätzen. Diese erste Hürde absolvierte ich erfolgreich, weshalb ich zur Schulung nach Berlin eingeladen wurde.
Bereits dort wurde klar, wie sehr man in diesem Job aus sich herauskommen muss. Wir wurden direkt ins kalte Wasser geschmissen und sollten auf dem Alexanderplatz einen Jutebeutel gegen andere, möglichst wertvollere Dinge eintauschen. Angelehnt ist diese Aufgabe an die Geschichte, in der ein junger Mann eine Büroklammer findet und sich nach einem Jahr des Tauschens bis zu einem eigenen Haus hochgearbeitet hat. Ich brachte es zwar nur auf zwei Payback-Karten von einem Obdachlosen, der dafür ein Feuerzeug von mir erhielt, aber konnte eine Menge wertvoller Erfahrungen sammeln.
Im Büro lernten wir einiges über Arbeitsweisen und Kommunikationsmodelle im Fundraising. Es geht darum, niemals mit Druck, sondern mit Begeisterung zu arbeiten, um jemandem schmackhaft zu machen, Teil einer großen Bewegung zu sein und zu helfen. Dabei muss erst die Aufmerksamkeit erreicht, danach das Interesse geweckt, ein Wunsch ausgelöst und eine Handlung ausgeführt werden.
Insgesamt wurden wir in zwei Tagen intensiv darauf vorbereitet, viele Menschen in kurzer Zeit kennenzulernen, uns präzise auszudrücken und Einwände zu behandeln. Dazu gab es eine kurze Einführung zu den Organisationen, für die wir durch Deutschland fahren würden. Mir wurde World Vision, das zweitgrößte Kinderhilfswerk der Welt, zugeteilt. Meine Odyssee begann – erster Halt: München.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.05.2017

Medizin studieren

Grand Malheur

Irgendwie ist es mit fast vollendeten Sachen doch immer das Gleiche: „Ah, da muss ich nur noch das und das machen, das mache ich dann beim nächsten Mal“, denkt man sich. Aber wenn es „nur noch“ ist, warum nicht gleich? Diese Frage stelle ich mir leider nie. So verbrachte ich meinen Geburtstag damit, die Kreissäge zu schwingen und für das Bett in meinem Bus Brett um Brett auf die gewünschte Länge zuzuschneiden. „Nur noch“ mussten auch die Vorhänge geschneidert werden – ganz schön viel zu tun für knapp 38 Stunden.
Und dann, der Schock: „Hi, xy hier, wo bist du?“ Oh Mist! Offensichtlich habe ich meine Mitfahrgelegenheit nicht für Mittwoch, wie geplant, sondern Montag eingestellt. Dass ich an meinem Geburtstag keine fünf Stunden nach Münster fahren will, ist dabei unerheblich, denn es stimmt, auch online werde ich des Fehlers überführt. Und der Mitfahrer steht jetzt am Nürnberger Hauptbahnhof und geht davon aus, dass ich mich nur verspäte und er in sechs Stunden in Münster ist. Aber der Bus ist ja noch nicht mal zugelassen, geschweige denn fertig eingerichtet – die Fahrt also ausgeschlossen!
Was mir bleibt, ist ein mehr als notdürftiger Kompromiss: „Sorry, das habe ich echt total verbockt! Ich nehme dich am Mittwoch umsonst mit hoch, falls das für dich geht.“ Nach zwei Stunden Hin- und Herüberlegen ist klar: es geht. Was bleibt ist ein bitterer Nachgeschmack, wahrscheinlich bei uns beiden.
Die restlichen Stunden verbringe ich damit, „nur noch“ die Reparaturen am Bus fertigzustellen, was zwei Tage später und eine Stunde vor Abfahrt auch gelingt. Auf Kante genäht, sozusagen. Und ab geht die – ziemlich schweigsame – Fahrt nach Münster ...

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  10.05.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
10.05.2017

Medizin studieren

Die Vergangenheit in die Gegenwart holen

Semesterferien eignen sich nicht nur dazu, Geld zu verdienen, Praktika zu machen oder zu entspannen. Sie können auch wunderbar dazu genutzt werden, vergangene Stationen und Weggefährten des eigenen Lebens zu besuchen. Ich habe mich zum Beispiel mit meiner Exfreundin getroffen. Es war spannend, die jeweiligen Veränderungen beieinander zu entdecken.
Wir saßen in ihrem Lieblingscafè. Es war locker, kaum angespannt. Wir unterhielten uns viel über ihre Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin, die sie bald abschließen wird. Zudem erzählte sie, dass sie bald nach Oldenburg ziehe, um einen kürzeren Weg zur Arbeit zu haben. Langfristig will sie nach wie vor Medizin studieren. Und ich wünsche ihr, dass das in Erfüllung geht. Es ist interessant, wie sehr sie mich kennt und doch gar nicht mehr weiß, wer ich bin. Vier Jahre haben wir zusammen verbracht – da kennt man die Grundbausteine des anderen, aber vielleicht nicht die Türme, die neu hinzugekommen sind. Ich fühlte mich, als sei ich kurzzeitig in meine Teenagerzeit zurückversetzt – und verabschiedete mich dann vom alten Thilo.
Als Nächstes besuchte ich die Station, in der ich meinen Freiwilligendienst absolviert habe. Ich freute mich tierisch, alle wiederzusehen. Leider wird die Station in den kommenden Monaten geschlossen. Interessanterweise werden in Deutschland überall geriatrische Reha-Stationen wie diese eröffnet, weil alle von dem Konzept begeistert sind. Nun wird eine der Ersten geschlossen, weil sie nicht rentabel ist. Die Anzahl der Betten soll von 21 auf 33 erhöht werden – bei gleichem Personal – und aus „Geriatrie“ wird „Innere und Chirurgie“. Hier wird nochmal klar, wie hart der Beruf des Krankenpflegers ist, wenn solche Umstellungen und Umschulungen geleistet werden müssen.
Zuletzt schaute ich in dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst vorbei, bei dem ich eineinhalb Jahre lang ehrenamtlich trauernde Jugendliche begleitete. Auch hier war der Wandel immens zu spüren: Von den Menschen, mit denen ich vor Beginn meines Studiums gearbeitet hatte, ist so gut wie keiner mehr da, dafür aber die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Und es tat wahnsinnig gut, mit ihnen zu sprechen, sich selbst zu reflektieren und Anerkennung zu erfahren.
Was so eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit bringt, ist die Erkenntnis, warum man der ist, der man ist, und welche Werte und Vorstellungen einem selbst mal wichtig waren und es nach wie vor sind.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  05.05.2017