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Medizin studieren

Sich in Bildern verlieren

Ich bekomme die Krise! Zwischen all den Röntgenbildern und Aufnahmen von Computertomografie und Sonografie komme ich mir klein und unwissend vor. In der Vorklinik stützt man sich noch auf die übersichtlichen anatomischen Abbildungen, die sich wunderbar auswendig lernen lassen. Bei den bildgebenden Verfahren stoße ich hingegen an meine Grenzen, denn diese bedürfen einer Interpretation – und die kann mitunter sehr unterschiedlich sein.

Beim Kurs zu diesen Verfahren am Ende des dritten Semesters hatte ich den Eindruck, dass ich viel gelernt habe und – überspitzt gesagt – direkt ins Krankenhaus könnte, um Diagnosen zu stellen. Jetzt, eine Woche vor der Klausur, wird mir doch bang. Außerdem weiß ich nicht, was und in welchem Umfang ich lernen soll. Bisher gab es ein optimales Lehrbuch für uns, sodass man sich die Inhalte nicht selbst zusammensuchen musste. Jetzt haben wir nur ein vages Skript, ein paar Altklausuren und eine App, die längst nicht alle benötigten Abbildungen enthält. Da freue ich mich glatt aufs Physikum, für das sowohl Lernpläne als auch Lernmaterialien bereits zusammengetragen wurden.

Mein Wissensstand zu den verschiedenen bildgebenden Verfahren ist geradezu erbärmlich. In den bisherigen Übungen hatte ich das Glück, dass immer die gleichen Abbildungen verwendet wurden. Genau darauf werde ich auch in der Klausur setzen – natürlich nicht, ohne noch einige Lücken aufzufüllen. Es ist kaum vorstellbar, wie schwer einem das räumliche Denken bei einem MRT fallen kann, wenn man nur zweidimensionale Schnitte sieht und dann gefragt wird, was zu sehen ist und was nicht. Ich habe ja schon Probleme, in einem Röntgenbild einen linken von einem rechten Unterarm zu unterscheiden und Arterien und Venen im Ultraschall auseinanderzuhalten.

Da hilft nur, was bisher auch stets Aufgabe war: Auswendig lernen. Auswendig lernen, auf Höhe welches Wirbelkörpers sich die Bauchaorta teilt. Auswendig lernen, an welcher Stelle die Schilddrüse ihre Engstelle hat. Auswendig lernen, welche Bedingungen bei einer Knochenszintigrafie, einem nuklearmedizinischen Verfahren zum Nachweis von Knochenmetastasen, und dem eingesetzten Marker gelten.

Praktikum im Studium

Der größte Mist auf Erden

Ich würde ja jetzt gerne fluchen, darf ich aber nicht! Dabei hätte ich allen Grund dazu, nach dem wohl miesesten Blockpraktikum aller Zeiten. Das sind Praktika, die man zusätzlich zu den zahllosen Famulaturen (viermonatiges Praktikum im Medizinstudium) und auch noch während der Semesterferien machen muss. Da man das entsprechende Fach gerade im Semester behandelt hat, soll man das Gelernte noch verpflichtend eine Woche in der Klinik vertiefen – so weit so gut.
Gelandet war ich in einer sehr spannenden, wenn auch komplexen Fachrichtung, die ich jetzt nicht weiter benennen will. Das Problem war, dass die Station extrem erpicht darauf war, während der Semesterferien mehr oder weniger motivierte, vor allem aber mittelgut informierte Studierende „an der Backe“ zu haben. Die einzige Ansage der Ärzte an mich und die anderen Blockpraktikanten lautete daher – grob vereinfacht – in etwa: „Hallo, ihr müsst jeden Morgen um 8 Uhr da sein und um 16 Uhr dürft ihr gehen. Dazwischen schaut ihr mal, wie ihr auf Station helfen könnt.“
Auf uns allein gestellt mussten wir allerdings feststellen, dass man als Studierender, der weder eingearbeitet noch als Pfleger oder Arzt qualifiziert ist, wenig kann und vor allem wenig darf. Das führte dazu, dass wir uns – von etwa ein bis zwei Blutabnahmen pro Tag mal abgesehen – acht Stunden lang, fünf Tage am Stück die Beine in den Bauch standen.
Hätte ich jetzt die Chance, Geld dafür zu bezahlen, dieses Praktikum nicht machen zu müssen, ich würde es wohl machen

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  16.05.2017

Medizin studieren

Spendensammeln auf Deutschlands Straßen - 1

Diese Semesterferien wollte ich nutzen, um Geld zu verdienen und Neues zu erleben. Über eine gute Freundin bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, das Fundraising für große Organisationen wie den World Wide Fund for Natur (WWF), Amnesty International und die Uno-Flüchtlingshilfe betreibt. Das Konzept besteht darin, durch ganz Deutschland zu reisen, um in den Fußgängerzonen Menschen von der guten Sache zu begeistern und zum Spenden zu bewegen. Was einfach klingt, bedarf einer Menge Vorbereitung, Schulungen, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen. Ich habe vier Wochen am Stück gearbeitet, sechs Tage die Woche, über zehn Stunden am Tag. Vier Wochen, die mich geprägt haben, in denen ich neue Freundinnen und Freunde aus ganz Deutschland gefunden und viel über mich selbst gelernt habe.
Das Bewerbungsgespräch für diese Stelle fand praktischerweise über Skype statt. Mein Gegenüber stellte mir mehrere Aufgaben, beispielsweise mich in zwei Minuten möglichst präzise und begeistert vorzustellen oder ein Event zu bewerben und jemanden zum Mitmachen zu bewegen. Außerdem musste ich mich selbst einschätzen. Diese erste Hürde absolvierte ich erfolgreich, weshalb ich zur Schulung nach Berlin eingeladen wurde.
Bereits dort wurde klar, wie sehr man in diesem Job aus sich herauskommen muss. Wir wurden direkt ins kalte Wasser geschmissen und sollten auf dem Alexanderplatz einen Jutebeutel gegen andere, möglichst wertvollere Dinge eintauschen. Angelehnt ist diese Aufgabe an die Geschichte, in der ein junger Mann eine Büroklammer findet und sich nach einem Jahr des Tauschens bis zu einem eigenen Haus hochgearbeitet hat. Ich brachte es zwar nur auf zwei Payback-Karten von einem Obdachlosen, der dafür ein Feuerzeug von mir erhielt, aber konnte eine Menge wertvoller Erfahrungen sammeln.
Im Büro lernten wir einiges über Arbeitsweisen und Kommunikationsmodelle im Fundraising. Es geht darum, niemals mit Druck, sondern mit Begeisterung zu arbeiten, um jemandem schmackhaft zu machen, Teil einer großen Bewegung zu sein und zu helfen. Dabei muss erst die Aufmerksamkeit erreicht, danach das Interesse geweckt, ein Wunsch ausgelöst und eine Handlung ausgeführt werden.
Insgesamt wurden wir in zwei Tagen intensiv darauf vorbereitet, viele Menschen in kurzer Zeit kennenzulernen, uns präzise auszudrücken und Einwände zu behandeln. Dazu gab es eine kurze Einführung zu den Organisationen, für die wir durch Deutschland fahren würden. Mir wurde World Vision, das zweitgrößte Kinderhilfswerk der Welt, zugeteilt. Meine Odyssee begann – erster Halt: München.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.05.2017