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Medizin studieren

Grand Malheur

Irgendwie ist es mit fast vollendeten Sachen doch immer das Gleiche: „Ah, da muss ich nur noch das und das machen, das mache ich dann beim nächsten Mal“, denkt man sich. Aber wenn es „nur noch“ ist, warum nicht gleich? Diese Frage stelle ich mir leider nie. So verbrachte ich meinen Geburtstag damit, die Kreissäge zu schwingen und für das Bett in meinem Bus Brett um Brett auf die gewünschte Länge zuzuschneiden. „Nur noch“ mussten auch die Vorhänge geschneidert werden – ganz schön viel zu tun für knapp 38 Stunden.
Und dann, der Schock: „Hi, xy hier, wo bist du?“ Oh Mist! Offensichtlich habe ich meine Mitfahrgelegenheit nicht für Mittwoch, wie geplant, sondern Montag eingestellt. Dass ich an meinem Geburtstag keine fünf Stunden nach Münster fahren will, ist dabei unerheblich, denn es stimmt, auch online werde ich des Fehlers überführt. Und der Mitfahrer steht jetzt am Nürnberger Hauptbahnhof und geht davon aus, dass ich mich nur verspäte und er in sechs Stunden in Münster ist. Aber der Bus ist ja noch nicht mal zugelassen, geschweige denn fertig eingerichtet – die Fahrt also ausgeschlossen!
Was mir bleibt, ist ein mehr als notdürftiger Kompromiss: „Sorry, das habe ich echt total verbockt! Ich nehme dich am Mittwoch umsonst mit hoch, falls das für dich geht.“ Nach zwei Stunden Hin- und Herüberlegen ist klar: es geht. Was bleibt ist ein bitterer Nachgeschmack, wahrscheinlich bei uns beiden.
Die restlichen Stunden verbringe ich damit, „nur noch“ die Reparaturen am Bus fertigzustellen, was zwei Tage später und eine Stunde vor Abfahrt auch gelingt. Auf Kante genäht, sozusagen. Und ab geht die – ziemlich schweigsame – Fahrt nach Münster ...

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  10.05.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
10.05.2017

Medizin studieren

Die Vergangenheit in die Gegenwart holen

Semesterferien eignen sich nicht nur dazu, Geld zu verdienen, Praktika zu machen oder zu entspannen. Sie können auch wunderbar dazu genutzt werden, vergangene Stationen und Weggefährten des eigenen Lebens zu besuchen. Ich habe mich zum Beispiel mit meiner Exfreundin getroffen. Es war spannend, die jeweiligen Veränderungen beieinander zu entdecken.
Wir saßen in ihrem Lieblingscafè. Es war locker, kaum angespannt. Wir unterhielten uns viel über ihre Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin, die sie bald abschließen wird. Zudem erzählte sie, dass sie bald nach Oldenburg ziehe, um einen kürzeren Weg zur Arbeit zu haben. Langfristig will sie nach wie vor Medizin studieren. Und ich wünsche ihr, dass das in Erfüllung geht. Es ist interessant, wie sehr sie mich kennt und doch gar nicht mehr weiß, wer ich bin. Vier Jahre haben wir zusammen verbracht – da kennt man die Grundbausteine des anderen, aber vielleicht nicht die Türme, die neu hinzugekommen sind. Ich fühlte mich, als sei ich kurzzeitig in meine Teenagerzeit zurückversetzt – und verabschiedete mich dann vom alten Thilo.
Als Nächstes besuchte ich die Station, in der ich meinen Freiwilligendienst absolviert habe. Ich freute mich tierisch, alle wiederzusehen. Leider wird die Station in den kommenden Monaten geschlossen. Interessanterweise werden in Deutschland überall geriatrische Reha-Stationen wie diese eröffnet, weil alle von dem Konzept begeistert sind. Nun wird eine der Ersten geschlossen, weil sie nicht rentabel ist. Die Anzahl der Betten soll von 21 auf 33 erhöht werden – bei gleichem Personal – und aus „Geriatrie“ wird „Innere und Chirurgie“. Hier wird nochmal klar, wie hart der Beruf des Krankenpflegers ist, wenn solche Umstellungen und Umschulungen geleistet werden müssen.
Zuletzt schaute ich in dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst vorbei, bei dem ich eineinhalb Jahre lang ehrenamtlich trauernde Jugendliche begleitete. Auch hier war der Wandel immens zu spüren: Von den Menschen, mit denen ich vor Beginn meines Studiums gearbeitet hatte, ist so gut wie keiner mehr da, dafür aber die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Und es tat wahnsinnig gut, mit ihnen zu sprechen, sich selbst zu reflektieren und Anerkennung zu erfahren.
Was so eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit bringt, ist die Erkenntnis, warum man der ist, der man ist, und welche Werte und Vorstellungen einem selbst mal wichtig waren und es nach wie vor sind.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  05.05.2017

Medizin studieren

Skifahren

Zwei Gründe führten mich nun zurück in die Heimat: Zum einen musste mein Bus, der wieder auf den Straßen verkehren darf, soweit instand gesetzt werden, dass ich darin entspannt meinen Urlaub verbringen kann. Zum anderen hatte ich keine Lust, im kommilitonenleeren Münster meinen Geburtstag alleine zu feiern, weswegen ich beschloss, diesen Tag mal wieder im Kreise meiner Familie zu verbringen.
Die Fahrt nach Nürnberg war sehr spannend. Einen Junggesellinnenabschied im Zug mitzuerleben, verlangt Nerven aus Stahl – und gute Kopfhörer. Zu allem Überfluss hatte der Zug 80 Minuten Verspätung, was zufolge hatte, dass die Bahn mir, der sich ein Sparticket für 14 Euro von Münster nach Nürnberg ergattert hatte, um 2 Uhr einen 20-Euro-Taxi-Gutschein für die Fahrt vom Hauptbahnhof nach Hause ausstellen musste.
Aber ich war guter Laune, hatte meine Mutter mich doch spontan gefragt, ob wir nicht für ein bis zwei Tage in die Alpen fahren wollten, damit ich mal wieder Schnee zu Gesicht bekäme (in Münster eine absolute Rarität). Ich war natürlich sofort begeistert und in absoluter Vorfreude, lagen meine letzten Schwünge auf dem Snowboard doch schon bald zwei Jahre zurück. Der Schnee war qualitativ in Ordnung und zumindest am ersten Tag wurden wir mit Kaiserwetter für die anstrengende Anreise auf einer vollen Autobahn entlohnt!
Wie erwartet waren die zwei Tage im Schnee natürlich viel zu kurz, aber auf jeden Fall besser als nichts. Und mal sehen, vielleicht werde ich ja künftig wieder häufiger auf dem Snowboard stehen. Ich denke nämlich mittlerweile, dass es mich als angehenden Arzt wieder in den Süden der Republik ziehen wird!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  04.05.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
04.05.2017