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Medizin studieren

Dem bloßen Auge verborgen - 2

Ich zucke zusammen und muss kichern. Der kalte Schallkopf des Ultraschallgeräts ist voll mit Gel und wird mir zwischen meine Rippen am linken Rand des Brustkorbes gesetzt, das kitzelt. Ziel ist es, meine Milz ausfindig zu machen, die sich irgendwo auf Höhe der neunten und zehnten Rippe befinden muss. Das ist aber gar nicht so einfach, weil sich die Knochen im Bild immer wieder davor schieben. Sowieso sieht mein Inneres auf dem Monitor geheimnisvoll aus. Was soll das da überhaupt sein? Sind diese grauen Farbtöne gesund? Und die schwarzen, weißen? Wer soll denn hier was erkennen?

Die Sonographie ist eine überaus relevante Möglichkeit, Brust und insbesondere Bauch zu untersuchen. Es lässt sich quasi alles darstellen, über die großen Gefäße bis hin zum heranwachsenden Leben im Leib der Mutter. Dabei braucht man lange, um zu verstehen, wo man sich auf dem Bild gerade befindet, immer abhängig davon, wie man den Schallkopf gerade hält.

Wir untersuchten so beieinander Leber und Gallenblase und maßen diese aus. Selbiges machten wir bei den Nieren, um herauszufinden, was die Bauchaorta und die große Hohlvene sind. Wunderbar praktisch ist, dass es eine Funktion des Sonografen gibt, die es ermöglicht, in Gefäße hineinzuhorchen. So lässt sich ermitteln, um welche Art Gefäß es sich handelt: Arterien schlagen einfach, bei Venen ist ein Doppelschlag und ein eher arrhythmisches Rauschen zu vernehmen.

Auch die Schilddrüse nahmen wir uns mit einem kleineren Schallkopf vor. Die Schilddrüse ist deshalb interessant, weil man recht häufig etwas findet. So auch bei uns, wo die ein oder andere Zyste auftauchte, die aber nicht weiter schlimm ist. Ob es sich tatsächlich um einen Tumor handelt, ließe sich dann mithilfe der Nuklearmedizin herausfinden. Zysten zeigen sich durch ein echoarmes, also schwarzes Inneres, das von einem echoreichen, zum Rücken hin auslaufendem Rand umgeben wird. Auch die Schilddrüse maßen wir aus, da hiermit Über- und Unterfunktionen der Schilddrüse festgestellt werden können.

Das Röntgen ist eine weitere zweidimensionale diagnostische Methode, die besonders zum Erkennen von Veränderungen des Knochens dient. Sie ist aber auch nützlich, um beispielsweise Erkrankungen von Lunge und Herz darzustellen.

Röntgenaufnahmen müssen immer in zwei Ebenen gemacht werden, um eine dreidimensionale Vorstellung davon zu bekommen, wie Organe oder Knochen im Raum liegen. Wie eine Fraktur aussieht, wurde bei den Aufnahmen jüngerer Patienten klar, die beispielsweise auf den Arm gefallen waren und sich das Handgelenk brachen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  19.04.2017

Medizin studieren

300 Wörter

300 Wörter sind verdammt viel. Oder verdammt wenig. Wie ihr euch denken könnt, kommt das sehr auf die Situation, den Standpunkt und die Tagesform an.
Für diesen Blog beispielsweise soll ich mich immer an etwa 300 Wörtern orientieren.
Das fällt schon mal schwer, wenn ich gerade nichts Aufregenderes mache als in den Wochen zuvor und nicht darüber schreiben will, wie langweilig pipettieren auf Dauer doch sein kann. Dann wiederum möchte ich verständlich machen, weshalb ich Facebook für bestenfalls harmlos und irrelevant, schlimmstenfalls sogar gefährlich halte (siehe "Facebook löschen") und komme mit 300 Wörtern kaum aus.
In genau so einer Situation bin ich auch jetzt: Für die Konferenz im Iran, zu der ich im April fliege, muss ich ein Abstract, also einen kurzen Abriss über mein Forschungsthema schreiben – limitiert auf 300 Wörter inklusive Überschrift und Nennung der Mitautoren.
Das ist eine der schwierigsten Aufgaben, denen ich mich in letzter Zeit stellen musste. Forschung ist in nahezu allen Bereichen sehr speziell, weshalb außer denjenigen, die direkt an dem Thema arbeiten, niemand einen blassen Schimmer davon hat, wozu das Ganze dient, wie man auf die Idee kam und wie die Ergebnisse einzuordnen sind. Auf einer halben Din-A4-Seite das herunterzubrechen, worüber andere Leute mehrseitige Paper veröffentlicht haben und woran ich seit acht Monaten im Labor sitze, ist alles andere als leicht.
Zum Glück habe ich Betreuer, die gerne Sätze kürzen und „Unwichtiges“ streichen. Allerdings musste ich schon schlucken, als auch bei der dritten Version meines Abstracts noch immer alles rot war und der Text eher marginal meinem ursprünglichen Entwurf entsprach. Aber naja, man lernt nie aus und letztlich war ich mit dem Ergebnis doch ganz zufrieden!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  12.04.2017

Medizin studieren

Dem bloßen Auge verborgen - 1

Der Patient klagt, dass es ihm im oberen rechten Bereich des Bauches schmerze. Der Arzt tastet ab, kann aber nichts Ungewöhnliches fühlen. Er hält das Stethoskop darauf, wieder nichts. Als er sein Skalpell zücken will, quiekt der Patient. Das muss doch einfacher gehen!
Klar, es geht deutlich einfacher und ohne, dass der Patient zu Schaden kommt, der Arzt aber dennoch eine ganze Menge sieht. Ständig werden im klinischen Alltag Hilfsmittel verwendet, um das zu sehen, was uns mit bloßem Auge verborgen bleibt. Mittels Ultraschall, Röntgen, Kernspintomographie oder Computertomographie schauen wir hinein. Erst das macht Diagnosen möglich. Dazu kommen natürlich noch Laborparameter durch Urin- und Blutproben. Doch in diesem Beitrag soll es zuerst um bildgebende Verfahren gehen, da wir diese in der Woche nach unseren letzten Klausuren in einem sehr intensiven Kurs behandelten.
Vier Tage lang von 8 bis 18 Uhr beschäftigten wir uns ausgiebig mit unseren Körpern und den Möglichkeiten, sie zu untersuchen. Im Modul „Anatomie am Lebenden“, in dem viel nackte Haut zu sehen war – da waren wir Jungs besonders gefragt –, lernten wir das gegenseitige Abhören von Geräuschen (auskultieren) und Abtasten (palpieren). Dazu malten wir uns bunt an, um beispielsweise die einzelnen Arterien und Venen der Hand und des Oberarmes darzustellen, die wir ertasten mussten. Wir zeichneten uns Lungenflügel auf die Brust, dazu in unmittelbarer Nähe das Herz und spielten auf unseren Bäuchen Tic Tac Toe, als es um die neun Regionen des Bauches ging – ich habe übrigens verloren. Außerdem hörten wir unsere Lungen an Brust und Rücken an zuvor eingezeichneten Punkten ab. Anschließend war das Herz an der Reihe mit seinen vier Klappen und der Darm mit seinen zufriedenen Geräuschen.
Weiterhin ging es um erste orthopädische Untersuchungsmethoden ohne Hilfsmittel, um zu klären, ob jemand eine schiefe Wirbelsäule, ein krummes Becken oder ungerade Schultern hat. Zu guter Letzt durften wir unsere Gesichter abtasten, um die Funktion unserer Hirnnerven auszutesten. Dafür wird beispielsweise ober- und unterhalb des Auges gedrückt, um den Nervus trigeminus zu reizen, der für die gesamte Sensibilität des Gesichtes zuständig ist. Auch haben wir die Augen auf Funktionstüchtigkeit geprüft, indem Lichtreize gesetzt werden oder aber einem Gegenstand mit dem Blick gefolgt werden muss. Stimmt in den Reflexen etwas nicht, können so recht einfach Diagnosen gestellt werden.
Grundlage geschaffen. Und nun? Nun wird es spannend!

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.04.2017