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Medizin studieren

Unterschiedliche Etappen

Mittlerweile haben wir 14 Prüfungen hinter uns. 14 Mal Anspannung, Aufregung, Nervosität, Erleichterung, Enttäuschung, Freude. Im ersten Semester standen drei Klausuren in Chemie an, jeweils eine in Biologie, Physik sowie Anatomie und Terminologie. Dann folgten im zweiten Semester die Testate: passiver Bewegungsapparat, aktiver Bewegungsapparat, Situs, also die Lage der Organe, dazu eine Klausur in Biochemie. Am Anfang des dritten Semesters war die Klausur der makroskopischen Anatomie zu bewältigen, vier Wochen später das Testat über das zentrale Nervensystem, nun das erste Physiologie-Testat.
14 Prüfungen bedeuten aber auch, dass man 14 Mal scheitern könnte. Manche meiner Kommilitonen müssen noch vier oder fünf Prüfungen wiederholen. Allerdings ist es eine große Herausforderung, neben den sowieso anstehenden Klausuren noch Altlasten zu meistern. Vielen kommt daher die Idee, ein Semester länger zu studieren. So kann in dem zusätzlichen Semester alles wiederholt werden, was vorher nicht bestanden worden ist.
Doch die Entscheidung, ein Semester zu wiederholen, ist nicht immer freiwillig. So darf man in der Physiologie nur einmal ein Testat nicht bestehen, und muss das Semester wiederholen, ebenso sieht es in der Biochemie aus, wenn man die Klausuren beide nicht besteht.
Auch wenn wir uns in unterschiedlichen Stadien befinden, studieren wir alle zusammen mit dem Ziel, Ärztinnen und Ärzte zu werden – ohne uns dabei als Menschen auf dem Weg zu verlieren. Es wird den Menschen, die wir später behandeln werden, nur nützen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  15.02.2017

Medizin studieren

Progress Report 2

Neben all der Aufregung wegen meiner Fortbildung im Iran und dem anstehenden Autokauf, hatte ich natürlich auch im Labor einiges zu tun – vor allem am Schreibtisch. Paper lesen – ich gebe es zu – gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Meist ist das Thema so speziell, dass wohl nur die Autoren so richtig wissen, was sie damit bezwecken wollten. Manchmal findet man allerdings auch „Perlen“, also Paper, die besonders gut zum eigenen Thema passen, die gleichen Probleme durchdacht – und gelöst – haben oder einfach super interessant sind.
So vergrub ich mich am Schreibtisch und verfasste ein Thesenpapier, auf dem ich in Grundzügen die Idee hinter meiner Doktorarbeit skizzierte. So langsam kommt Licht ins Dunkle! Dabei muss ich sagen, dass mir das Schreiben und Recherchieren echt erstaunlich viel Spaß gemacht hat! Auch die Herausforderung, das Ganze auf Englisch zu verfassen, war für mich positiv. Schließlich musste ich den Vortrag auch auf Englisch halten – daher war das Thesenpapier eine recht sinnvolle Übung.
Der Vortrag selbst war eher Formsache. Das ist ja nicht so wie in der Schule, wo man benotet wird. Es geht lediglich darum, seinen Kollegen kurz zu erklären, was man gerade so macht. Alle sind einem wohlgesonnen und geben sogar zahlreiche gute Tipps, wenn man Probleme erwähnt. Trotz allem war es eine große Erleichterung, als das erledigt war!

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  13.02.2017

Medizin studieren

Vom Großem zum Kleinen

„In minimi deus maximi“ steht groß und breit an der Stirn unseres Mikroskopiersaales. Das bedeutet: „Im Kleinsten ist Gott am Größten“ – und trifft es wirklich gut, wenngleich ich kein religiöser Mensch bin.
Nachdem wir uns über das gesamte zweite Semester und am Anfang des jetzigen dritten in der makroskopischen Anatomie mit den Körperstrukturen beschäftigt haben, die mit bloßem Auge sichtbar sind, geht es jetzt an die Details: die Histologie oder auch mikroskopische Anatomie. Nun schauen wir uns zweimal die Woche über drei Stunden hinweg an, wie das Gewebe von Organen, Muskeln, Nerven und Blutgefäßen aufgebaut ist, ob es Gemeinsamkeiten gibt, wo Charakteristika zu finden sind und welche Funktionen bestimmte Zellen erfüllen.
Aufgebaut ist der Kurs so, dass wir abwechselnd in den drei Stunden theoretische Einführungen bekommen, um anschließend selbst am Computer zu studieren, wie benannte Kennzeichen aussehen. Das kann mitunter ziemlich ermüdend und langwierig, aber dann doch wieder faszinierend sein. Wirklich nervig ist allein, dass man die gesamte Zeit sitzen und Dinge angucken muss und nicht mehr selbst präparieren kann. Zum Glück ist es mittlerweile nicht mehr so, dass jeder vor seinem Mikroskop sitzt und brav erkannte Strukturen abzeichnet. Stattdessen schaue ich mit Kommilitonen gemeinsam am Computer, wo sich das gesuchte Gewebe befindet, wo Drüsen zu erkennen sind, ob es nun quergestreifte oder glatte Muskulatur ist, und so weiter.
Am Ende des Kurses steht eine Klausur an, in der uns Abbildungen gezeigt werden, die wir dann richtig erkennen und benennen müssen. Dabei ist wichtig, dass nicht immer alles gleich aussieht. Es gibt neben Hunderten verschiedener Bereiche im menschlichen Körper, von denen histologische Schnitte angefertigt wurden, noch viele verschiedene Arten der Färbungen, weil man ansonsten nichts erkennen würde.
Dabei ist stets unvorstellbar, dass diese vielen kleinen Zellen dafür sorgen, dass wir Menschen Menschen sind. Sie machen alles möglich, was man in seinem täglichen Leben bewerkstelligt, ohne dass man sich bewusst um irgendwas kümmern muss. Wir haben uns zum Beispiel Präparate von menschlichen Gehirnen angeschaut, bei denen die Nervenzellen mit einer Silberfärbung angefärbt wurden, sodass man manche Nervenzellen bis in ihre kleinsten Fortsätze verfolgen konnte. Das war ein wahnsinnig beeindruckendes Bild.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  09.02.2017