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Medizin studieren

Progress Report 2

Neben all der Aufregung wegen meiner Fortbildung im Iran und dem anstehenden Autokauf, hatte ich natürlich auch im Labor einiges zu tun – vor allem am Schreibtisch. Paper lesen – ich gebe es zu – gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Meist ist das Thema so speziell, dass wohl nur die Autoren so richtig wissen, was sie damit bezwecken wollten. Manchmal findet man allerdings auch „Perlen“, also Paper, die besonders gut zum eigenen Thema passen, die gleichen Probleme durchdacht – und gelöst – haben oder einfach super interessant sind.
So vergrub ich mich am Schreibtisch und verfasste ein Thesenpapier, auf dem ich in Grundzügen die Idee hinter meiner Doktorarbeit skizzierte. So langsam kommt Licht ins Dunkle! Dabei muss ich sagen, dass mir das Schreiben und Recherchieren echt erstaunlich viel Spaß gemacht hat! Auch die Herausforderung, das Ganze auf Englisch zu verfassen, war für mich positiv. Schließlich musste ich den Vortrag auch auf Englisch halten – daher war das Thesenpapier eine recht sinnvolle Übung.
Der Vortrag selbst war eher Formsache. Das ist ja nicht so wie in der Schule, wo man benotet wird. Es geht lediglich darum, seinen Kollegen kurz zu erklären, was man gerade so macht. Alle sind einem wohlgesonnen und geben sogar zahlreiche gute Tipps, wenn man Probleme erwähnt. Trotz allem war es eine große Erleichterung, als das erledigt war!

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  13.02.2017

Medizin studieren

Vom Großem zum Kleinen

„In minimi deus maximi“ steht groß und breit an der Stirn unseres Mikroskopiersaales. Das bedeutet: „Im Kleinsten ist Gott am Größten“ – und trifft es wirklich gut, wenngleich ich kein religiöser Mensch bin.
Nachdem wir uns über das gesamte zweite Semester und am Anfang des jetzigen dritten in der makroskopischen Anatomie mit den Körperstrukturen beschäftigt haben, die mit bloßem Auge sichtbar sind, geht es jetzt an die Details: die Histologie oder auch mikroskopische Anatomie. Nun schauen wir uns zweimal die Woche über drei Stunden hinweg an, wie das Gewebe von Organen, Muskeln, Nerven und Blutgefäßen aufgebaut ist, ob es Gemeinsamkeiten gibt, wo Charakteristika zu finden sind und welche Funktionen bestimmte Zellen erfüllen.
Aufgebaut ist der Kurs so, dass wir abwechselnd in den drei Stunden theoretische Einführungen bekommen, um anschließend selbst am Computer zu studieren, wie benannte Kennzeichen aussehen. Das kann mitunter ziemlich ermüdend und langwierig, aber dann doch wieder faszinierend sein. Wirklich nervig ist allein, dass man die gesamte Zeit sitzen und Dinge angucken muss und nicht mehr selbst präparieren kann. Zum Glück ist es mittlerweile nicht mehr so, dass jeder vor seinem Mikroskop sitzt und brav erkannte Strukturen abzeichnet. Stattdessen schaue ich mit Kommilitonen gemeinsam am Computer, wo sich das gesuchte Gewebe befindet, wo Drüsen zu erkennen sind, ob es nun quergestreifte oder glatte Muskulatur ist, und so weiter.
Am Ende des Kurses steht eine Klausur an, in der uns Abbildungen gezeigt werden, die wir dann richtig erkennen und benennen müssen. Dabei ist wichtig, dass nicht immer alles gleich aussieht. Es gibt neben Hunderten verschiedener Bereiche im menschlichen Körper, von denen histologische Schnitte angefertigt wurden, noch viele verschiedene Arten der Färbungen, weil man ansonsten nichts erkennen würde.
Dabei ist stets unvorstellbar, dass diese vielen kleinen Zellen dafür sorgen, dass wir Menschen Menschen sind. Sie machen alles möglich, was man in seinem täglichen Leben bewerkstelligt, ohne dass man sich bewusst um irgendwas kümmern muss. Wir haben uns zum Beispiel Präparate von menschlichen Gehirnen angeschaut, bei denen die Nervenzellen mit einer Silberfärbung angefärbt wurden, sodass man manche Nervenzellen bis in ihre kleinsten Fortsätze verfolgen konnte. Das war ein wahnsinnig beeindruckendes Bild.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  09.02.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
09.02.2017

Medizin studieren

Iran

Manchmal ergeben sich wie aus dem Nichts Möglichkeiten und Chancen, an die man niemals gedacht hätte. So hat sich für mich nun die einzigartige Gelegenheit geboten, nächstes Jahr in den Iran zu fliegen. Dass ausgewählte Leute aus dem Labor, in dem ich arbeite, hin und wieder auf Konferenzen fliegen, war mir bekannt und auch, dass diese ab und zu mal an besonderen Orten sind. So durften vor einigen Wochen zehn Leute aus dem Labor nach Tel Aviv, kurz danach reiste eine Postdoktorandin nach Vancouver.
Aber dass ich – ein meines Erachtens unbedeutender Medizinstudent – mit einer Gruppe von ungefähr 15 Biologen und Ärzten für eine Woche in den Iran fliegen darf, damit hätte ich nicht gerechnet. Vor allem nicht, dass das so unkompliziert werden würde. Dabei musste man mich zu meinem Glück erst noch zwingen: Die ersten zwei E-Mails zum Thema hatte ich einfach ignoriert, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass das Angebot auch für mich galt. Schließlich fragte mich eine Postdoktorandin, ob ich das denn gar nicht spannend fände. Erst dann wurde mir klar, dass ich dabei sein darf!
Der Anlass der Reise ist eine Fortbildung, bei der es um die Sonderformen neurologischer Autoimmunerkrankungen im mittleren Osten geht. Für mich ist das ein toller Wissensgewinn, da ich ohnehin später Neurologe werden möchte.
Also sagte ich zu und siehe da: zwei Wochen später wurde nach meiner Reisepassnummer gefragt, damit die Flüge gebucht werden können.