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Medizin studieren

Spannung kommt vor Entspannung

Wer hat denn behauptet, dass Prüfungen nicht entspannt sein dürfen? Unser Physiologie-Testat hat bewiesen, dass es auch mal ohne großen Druck geht. Zwar wurden wir eine halbe Stunde lang geprüft, dafür aber in Vierergruppen und von einem Prüfer, der alle, die sich vorbereitet haben, durchbringen wollte. Wir selbst durften bestimmen, was wir erzählen möchten und welches Thema abgefragt wird. Aber der Reihe nach:
In der Physiologie erwarten mich jeweils im dritten und vierten Semester zwei Testate. In diesem Semester steht die vegetative Physiologie an, die die Funktionen von Organen zum Thema hat. Im nächsten behandeln wir die Neurophysiologie, die sich rund um Nerven und die Weiterleitung von Impulsen dreht. Für das erste Testat haben wir zuletzt thematisiert, wie man ein Elektrokardiogramm (EKG) ausliest. So eines hat bestimmt jeder schon einmal gesehen, aber wirklich lesen kann man in diesen Zacken und Wellen nichts – außer sie fehlen, dann ist jedem klar, dass kein Herzschlag vorhanden ist. Nun aber haben wir verstanden, welche Zacken die Kammererregung darstellen, wann die Vorhöfe erregt sind, wann das Herz schlägt und Blut herauspumpt. Außerdem haben wir uns über Erkrankungen der Lunge und Niere Gedanken gemacht, etwa über Mukoviszidose. Das ist eine vererbbare Krankheit, die aufgrund eines Gendefekts einen wichtigen Ionentransporter ausschaltet und die Sekretion von Flüssigkeiten erheblich erschwert, wodurch Organe in ihrer Funktion gestört werden. Aber auch die Niereninsuffizienz mit akutem Nierenversagen kam zur Sprache. So bekamen wir ein Gefühl dafür, wie relevant einzelne Funktionen sind.
Zu Beginn der Prüfung wurde ich gefragt, mit welchem Thema ich einsteigen wolle. Ich dachte, dass ich ein Thema behandle und die anderen dies dann nicht mehr machen müssen. Deshalb wählte ich die Niere, weil ich wusste, dass dieses Thema den anderen etwas schwerfiel. Nachdem ich die Niere grob umrissen hatte, ihren Aufbau erklärte und erste Funktionen nannte, war mein Kommilitone gefragt. Daraufhin bemerkte ich meinen Fehler: Statt nun zum Herzen befragt zu werden, sollte er das Thema Niere noch weiter vertiefen. Ich erhaschte seinen bösen Blick von der Seite, als er weiterhin zur Niere befragt wurde. Glücklicherweise gab unser Prüfer ein wenig Hilfestellung, sodass auch er gut durchkam. Meine gute Absicht wurde auch honoriert, wenngleich die Prüfung so anspruchsvoller wurde als nötig.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  02.02.2017
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
02.02.2017

Medizin studieren

Mut

Respekt. Ja, Respekt möchte ich aussprechen und zwar den Menschen, die sich ein Herz fassen und sich mitsamt ihrer Krankheitsgeschichte in unseren Biochemie-Vorlesungen vorstellen. Sie erzählen, wie es ihnen mit schweren Krankheiten geht und stellen sich unseren Fragen, auch zu unangenehmen Themen wie dem Sterben.
Kürzlich war ein Junge bei uns, der Anfang 2016 die Diagnose Leukämie bekommen hatte. Das Krankheitsbild war zunächst unspezifisch: Er konnte beim Fußball nicht mehr so lange durchhalten und fühlte sich müde, hielt es selbst aber für eine verschleppte Erkältung, vielleicht eine Grippe. Aber Krebs? Sowas haben doch nur andere. Doch dann ging seine Mutter mit ihm zum Arzt. Dieser nahm Blut ab und untersuchte den Jungen. Nach ein paar Tagen kam die schockierende Diagnose: Blutkrebs. Sofort leitete die Mutter alles in die Wege, sodass ihr Sohn behandelt werden konnte. Die Bestrahlungen begannen.
In unserer Vorlesung fragten wir ihn, wie es ihm ging – mit der Diagnose, aber auch mit der Therapie. Er antwortete: „Ich habe nicht richtig verstanden, wie ernst es war. Ich wusste, dass ich eine schwere Krankheit habe, dachte aber nicht im Entferntesten daran, auch sterben zu können – das tun doch nur alte Menschen.“ Die Therapie schlauchte ihn, aber er wusste, dass sie notwendig war. Nach einigen Monaten erholte er sich bereits gut, verlor zwar seine Haare, aber die waren bei der Vorstellung bei uns an der Uni bereits prächtig nachgewachsen. Seine Prognose für die Zukunft ist gut, Angst habe er keine.
Menschen wie ihm bin ich sehr dankbar. Denn sie erinnern mich daran, wofür ich Medizin studiere. Und ich begreife, dass zu einer Krankheit immer ein Mensch gehört, der denkt und fühlt, der Sorgen und Ängste hat – und Hoffnung.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  27.01.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
27.01.2017

Medizin studieren

Autokauf?!

Da im August 2016 mein geliebter Bus den Geist aufgegeben hatte, war meine Planung für diesen Sommer lange wackelig. Die vergangenen fünf Jahre ging quasi nichts ohne meinen Volkswagen T3, in dem ich in dieser Zeit zusammengenommen fast ein halbes Jahr lang gelebt habe. Entsprechend schockiert war ich, als mir klar wurde, dass es gar nicht so einfach sein würde, ohne Auto in Europa rumzureisen. Klar, man kann überall hinfliegen, ist dort aber nicht so mobil und ein Leihauto ist ziemlich teuer. Außerdem kommen ohne Schlafmöglichkeit Kosten für Campingplätze oder Jugendherbergen oben drauf.
Nach kurzer Trauerphase war mir also klar, dass mittelfristig ein neuer Bus her muss. Doch woher das Geld dafür nehmen? Ich bin zwar einigermaßen sparsam, habe aber auch nicht mal eben 8.000 Euro für ein Auto zur Verfügung. Nach Verhandlungen mit meinem Vater gewährte dieser mir einen gehörigen Vertrauensvorschuss, nämlich ein zinsloses Darlehen, mit dem ich mir jetzt einen Bus kaufen möchte.
Doch so ein Autokauf hat mehr Tücken, als man denken mag: Für mich als absoluter Autolaie stellt die Probefahrt das erste ernstzunehmende Hindernis dar. Denn woher weiß ich, ob das Auto gut ist? Auf was muss ich achten? Zum Glück gibt es Checklisten und auch Werkstätten, bei denen man um Rat fragen kann, denn sonst wäre ich total aufgeschmissen.
Jedenfalls wartet jetzt erstmal eine neue Herausforderung auf mich, aus der ich hoffentlich mit neuen, wertvollen Erfahrungen herausgehen werde!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  24.01.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
24.01.2017