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Medizin studieren

Vom Großem zum Kleinen

„In minimi deus maximi“ steht groß und breit an der Stirn unseres Mikroskopiersaales. Das bedeutet: „Im Kleinsten ist Gott am Größten“ – und trifft es wirklich gut, wenngleich ich kein religiöser Mensch bin.
Nachdem wir uns über das gesamte zweite Semester und am Anfang des jetzigen dritten in der makroskopischen Anatomie mit den Körperstrukturen beschäftigt haben, die mit bloßem Auge sichtbar sind, geht es jetzt an die Details: die Histologie oder auch mikroskopische Anatomie. Nun schauen wir uns zweimal die Woche über drei Stunden hinweg an, wie das Gewebe von Organen, Muskeln, Nerven und Blutgefäßen aufgebaut ist, ob es Gemeinsamkeiten gibt, wo Charakteristika zu finden sind und welche Funktionen bestimmte Zellen erfüllen.
Aufgebaut ist der Kurs so, dass wir abwechselnd in den drei Stunden theoretische Einführungen bekommen, um anschließend selbst am Computer zu studieren, wie benannte Kennzeichen aussehen. Das kann mitunter ziemlich ermüdend und langwierig, aber dann doch wieder faszinierend sein. Wirklich nervig ist allein, dass man die gesamte Zeit sitzen und Dinge angucken muss und nicht mehr selbst präparieren kann. Zum Glück ist es mittlerweile nicht mehr so, dass jeder vor seinem Mikroskop sitzt und brav erkannte Strukturen abzeichnet. Stattdessen schaue ich mit Kommilitonen gemeinsam am Computer, wo sich das gesuchte Gewebe befindet, wo Drüsen zu erkennen sind, ob es nun quergestreifte oder glatte Muskulatur ist, und so weiter.
Am Ende des Kurses steht eine Klausur an, in der uns Abbildungen gezeigt werden, die wir dann richtig erkennen und benennen müssen. Dabei ist wichtig, dass nicht immer alles gleich aussieht. Es gibt neben Hunderten verschiedener Bereiche im menschlichen Körper, von denen histologische Schnitte angefertigt wurden, noch viele verschiedene Arten der Färbungen, weil man ansonsten nichts erkennen würde.
Dabei ist stets unvorstellbar, dass diese vielen kleinen Zellen dafür sorgen, dass wir Menschen Menschen sind. Sie machen alles möglich, was man in seinem täglichen Leben bewerkstelligt, ohne dass man sich bewusst um irgendwas kümmern muss. Wir haben uns zum Beispiel Präparate von menschlichen Gehirnen angeschaut, bei denen die Nervenzellen mit einer Silberfärbung angefärbt wurden, sodass man manche Nervenzellen bis in ihre kleinsten Fortsätze verfolgen konnte. Das war ein wahnsinnig beeindruckendes Bild.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  09.02.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
09.02.2017

Medizin studieren

Iran

Manchmal ergeben sich wie aus dem Nichts Möglichkeiten und Chancen, an die man niemals gedacht hätte. So hat sich für mich nun die einzigartige Gelegenheit geboten, nächstes Jahr in den Iran zu fliegen. Dass ausgewählte Leute aus dem Labor, in dem ich arbeite, hin und wieder auf Konferenzen fliegen, war mir bekannt und auch, dass diese ab und zu mal an besonderen Orten sind. So durften vor einigen Wochen zehn Leute aus dem Labor nach Tel Aviv, kurz danach reiste eine Postdoktorandin nach Vancouver.
Aber dass ich – ein meines Erachtens unbedeutender Medizinstudent – mit einer Gruppe von ungefähr 15 Biologen und Ärzten für eine Woche in den Iran fliegen darf, damit hätte ich nicht gerechnet. Vor allem nicht, dass das so unkompliziert werden würde. Dabei musste man mich zu meinem Glück erst noch zwingen: Die ersten zwei E-Mails zum Thema hatte ich einfach ignoriert, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass das Angebot auch für mich galt. Schließlich fragte mich eine Postdoktorandin, ob ich das denn gar nicht spannend fände. Erst dann wurde mir klar, dass ich dabei sein darf!
Der Anlass der Reise ist eine Fortbildung, bei der es um die Sonderformen neurologischer Autoimmunerkrankungen im mittleren Osten geht. Für mich ist das ein toller Wissensgewinn, da ich ohnehin später Neurologe werden möchte.
Also sagte ich zu und siehe da: zwei Wochen später wurde nach meiner Reisepassnummer gefragt, damit die Flüge gebucht werden können.

Medizin studieren

Spannung kommt vor Entspannung

Wer hat denn behauptet, dass Prüfungen nicht entspannt sein dürfen? Unser Physiologie-Testat hat bewiesen, dass es auch mal ohne großen Druck geht. Zwar wurden wir eine halbe Stunde lang geprüft, dafür aber in Vierergruppen und von einem Prüfer, der alle, die sich vorbereitet haben, durchbringen wollte. Wir selbst durften bestimmen, was wir erzählen möchten und welches Thema abgefragt wird. Aber der Reihe nach:
In der Physiologie erwarten mich jeweils im dritten und vierten Semester zwei Testate. In diesem Semester steht die vegetative Physiologie an, die die Funktionen von Organen zum Thema hat. Im nächsten behandeln wir die Neurophysiologie, die sich rund um Nerven und die Weiterleitung von Impulsen dreht. Für das erste Testat haben wir zuletzt thematisiert, wie man ein Elektrokardiogramm (EKG) ausliest. So eines hat bestimmt jeder schon einmal gesehen, aber wirklich lesen kann man in diesen Zacken und Wellen nichts – außer sie fehlen, dann ist jedem klar, dass kein Herzschlag vorhanden ist. Nun aber haben wir verstanden, welche Zacken die Kammererregung darstellen, wann die Vorhöfe erregt sind, wann das Herz schlägt und Blut herauspumpt. Außerdem haben wir uns über Erkrankungen der Lunge und Niere Gedanken gemacht, etwa über Mukoviszidose. Das ist eine vererbbare Krankheit, die aufgrund eines Gendefekts einen wichtigen Ionentransporter ausschaltet und die Sekretion von Flüssigkeiten erheblich erschwert, wodurch Organe in ihrer Funktion gestört werden. Aber auch die Niereninsuffizienz mit akutem Nierenversagen kam zur Sprache. So bekamen wir ein Gefühl dafür, wie relevant einzelne Funktionen sind.
Zu Beginn der Prüfung wurde ich gefragt, mit welchem Thema ich einsteigen wolle. Ich dachte, dass ich ein Thema behandle und die anderen dies dann nicht mehr machen müssen. Deshalb wählte ich die Niere, weil ich wusste, dass dieses Thema den anderen etwas schwerfiel. Nachdem ich die Niere grob umrissen hatte, ihren Aufbau erklärte und erste Funktionen nannte, war mein Kommilitone gefragt. Daraufhin bemerkte ich meinen Fehler: Statt nun zum Herzen befragt zu werden, sollte er das Thema Niere noch weiter vertiefen. Ich erhaschte seinen bösen Blick von der Seite, als er weiterhin zur Niere befragt wurde. Glücklicherweise gab unser Prüfer ein wenig Hilfestellung, sodass auch er gut durchkam. Meine gute Absicht wurde auch honoriert, wenngleich die Prüfung so anspruchsvoller wurde als nötig.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  02.02.2017
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
02.02.2017