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Medizin studieren

Progress Report

Da wir ziemlich viele Leute im Labor sind, die alle zwar am gleichen Thema forschen, aber an unterschiedlichen Projekten beteiligt sind, weiß man selten, was die Nebenfrau oder der Nebenmann da eigentlich pipettiert. Daher ist es Usus, wöchentliche Progress Reports abzuhalten, in denen immer ein Laborant erzählt, an was er momentan arbeitet.
Bis jetzt war ich bei dem einen oder anderen Report dabei und finde es spannend, worüber man sich alles den Kopf zerbrechen kann und was für Theorien zur Krankheitsbekämpfung es gibt. Womit ich als kleiner Medizin-Doktorand neben all den Biologie-Schwergewichten, die tatsächlich viel Ahnung von Laborarbeit und Naturwissenschaften haben, nicht gerechnet hatte, war, dass ich auch mal so einen Progress Report würde halten müssen.
Und so wurde ich vor drei Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass es Anfang Dezember auch für mich so weit sein würde, ich also selbst ein Kurzreferat über mein Thema halten müsse. Auf Englisch. Eigentlich kein Problem, aber in Kombination mit dem Gefühl, mein Thema bei Weitem noch nicht durchdrungen zu haben, schnürt es mir doch ein bisschen die Kehle zu.
Wenigstens hat sich in den vergangenen zwei Wochen viel getan, was meine Resultate angeht. Auch das letzte Gespräch mit meinem Doktorvater war sehr ermutigend und so mangelt es mir nicht an Motivation. Nächste Woche arbeite ich mich in die Literatur ein, um mein Thema bis ins Letzte zu durchdringen – mein Wunschziel.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  19.01.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
19.01.2017

Medizin studieren

Testat-Tortur

Ich bin nun für dieses Semester am Ende der makroskopischen Anatomie, also am Ende des Präparierens von Körperspenden angekommen. Das dazugehörige Testat ist das letzte der Anatomie vor dem Physikum. Aufregung steigt in mir auf, vielleicht ein bisschen Sorge, nicht genug gelernt zu haben. Doch ich bin im Reinen mit mir und gebe einfach mein Bestes.

Die Vorbereitung auf Testate ist mit dem Lernen für Klausuren nicht gleichzusetzen, viel hängt vom Prüfer ab. Erhält man beispielsweise einen, der als anspruchsvoll gilt, lernen die Leute wie verrückt, schlafen kaum noch und sind nur noch in der Bibliothek zu sehen. Wird einem ein vermeintlich leichter Prüfer zugeteilt, ruhen sich diese Prüflinge auf dem aus, was sie bisher gelernt haben und gehen nur noch in die Uni, wenn es wirklich nötig ist.

Mein Prüfer war einer der anspruchsvollen Sorte. Er drückte mir zu Beginn einen Hirnstamm in die Hand und bat mich, ihm die Medulla oblongata zu zeigen, das verlängerte Rückenmark, und die vielen Fasern zu nennen, die diese durchziehen. Anschließend sollte ich mir die linke Hirnhälfte nehmen, die wir an unserem letzten Kurstag eine Woche zuvor so bearbeitet hatten, dass man von oben mitten in das Gehirn hineinschauen kann, um den sogenannten Hippocampus zu sehen. Ich sollte beschreiben, wohin die neurologischen Befehle von dort hingeschickt werden. Mir fiel ein Gebiet ein, ein zweites reimte ich mir zusammen, aber mehr wusste ich nicht. Als letzte Chance fragte er mich nach der Blutversorgung des hinteren Teil des Hirns, hielt mir die Arterien des Kopfes auf einem Styroporfeld befestigt hin und zeigte auf verschiedenste Arterien, deren Namen ich ihm nennen sollte. Eine nach der anderen arbeitete ich ab, machte keine Fehler. Dann nahm er meine Testat-Karte und setzte seine Unterschrift darauf: Bestanden!

Schweißgebadet verlasse ich den Raum und nehme vor Erleichterung meine Freunde in den Arm. Nun kann die Mikroskopie kommen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  18.01.2017

Medizin studieren

Neuanfang

Lange ist im Labor für mich so gut wie gar nichts vorangegangen. Zunächst waren die Ergebnisse der Polymerase-Kettenreaktionen so wie gewünscht, doch die Kontrollen innerhalb der Reaktionen schlugen fehl. Dann bekam ich die Kontrollen zum Laufen, aber die Ergebnisse passten nicht mehr. Die folgenden zwei Monate war ich also damit beschäftigt, meine anfangs guten Ergebnisse zu reproduzieren, was mir allerdings nie in der Qualität gelang, dass es für eine etwaige Publikation ausreichen würde. Die Ergebnisse waren alles andere als ideal und immer wieder klappten Dinge nicht, für die auch erfahrene Laboranten keine Erklärung hatten. Die Aussagen „Da müssen wir alle durch, immer wieder“, oder: „Du bist nicht allein, so funktioniert Wissenschaft“ sollten mich trösten.
So recht klappte es nicht, aber ich gab nicht auf. Dann kam mein Einsatz als Physiologie-Tutor und meine Labortätigkeit war fürs Erste auf Eis gelegt. In Woche drei jedoch hatte ich ein freies Zeitfenster und beschloss, nochmal von vorne zu beginnen, also neue Proben zu gewinnen, neue Kontrollen herzustellen und dann mit neuem Material einen neuen Versuch zu starten. Ich krempelte die Ärmel hoch und verschanzte mich eine Woche sowie die angrenzenden Wochenenden im Labor.
Und siehe da: Die Ergebnisse, auf die ich ewig gewartet hatte, tröpfelten so langsam ein. Und nicht nur einmal! Innerhalb von vier Tagen hatte ich das „n“ (also die Anzahl der positiven Wiederholungen des gleichen Versuchs) so hoch geschraubt, dass es für eine Veröffentlichung wasserdicht sein würde – ein wichtiger Motivationsschub für mich. Es ist zwar erst ein geringer Teil der Gesamtarbeit getan, aber ich habe mir bewiesen, dass es doch klappen kann!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  12.01.2017