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Medizin studieren

Testat-Tortur

Ich bin nun für dieses Semester am Ende der makroskopischen Anatomie, also am Ende des Präparierens von Körperspenden angekommen. Das dazugehörige Testat ist das letzte der Anatomie vor dem Physikum. Aufregung steigt in mir auf, vielleicht ein bisschen Sorge, nicht genug gelernt zu haben. Doch ich bin im Reinen mit mir und gebe einfach mein Bestes.

Die Vorbereitung auf Testate ist mit dem Lernen für Klausuren nicht gleichzusetzen, viel hängt vom Prüfer ab. Erhält man beispielsweise einen, der als anspruchsvoll gilt, lernen die Leute wie verrückt, schlafen kaum noch und sind nur noch in der Bibliothek zu sehen. Wird einem ein vermeintlich leichter Prüfer zugeteilt, ruhen sich diese Prüflinge auf dem aus, was sie bisher gelernt haben und gehen nur noch in die Uni, wenn es wirklich nötig ist.

Mein Prüfer war einer der anspruchsvollen Sorte. Er drückte mir zu Beginn einen Hirnstamm in die Hand und bat mich, ihm die Medulla oblongata zu zeigen, das verlängerte Rückenmark, und die vielen Fasern zu nennen, die diese durchziehen. Anschließend sollte ich mir die linke Hirnhälfte nehmen, die wir an unserem letzten Kurstag eine Woche zuvor so bearbeitet hatten, dass man von oben mitten in das Gehirn hineinschauen kann, um den sogenannten Hippocampus zu sehen. Ich sollte beschreiben, wohin die neurologischen Befehle von dort hingeschickt werden. Mir fiel ein Gebiet ein, ein zweites reimte ich mir zusammen, aber mehr wusste ich nicht. Als letzte Chance fragte er mich nach der Blutversorgung des hinteren Teil des Hirns, hielt mir die Arterien des Kopfes auf einem Styroporfeld befestigt hin und zeigte auf verschiedenste Arterien, deren Namen ich ihm nennen sollte. Eine nach der anderen arbeitete ich ab, machte keine Fehler. Dann nahm er meine Testat-Karte und setzte seine Unterschrift darauf: Bestanden!

Schweißgebadet verlasse ich den Raum und nehme vor Erleichterung meine Freunde in den Arm. Nun kann die Mikroskopie kommen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  18.01.2017

Medizin studieren

Neuanfang

Lange ist im Labor für mich so gut wie gar nichts vorangegangen. Zunächst waren die Ergebnisse der Polymerase-Kettenreaktionen so wie gewünscht, doch die Kontrollen innerhalb der Reaktionen schlugen fehl. Dann bekam ich die Kontrollen zum Laufen, aber die Ergebnisse passten nicht mehr. Die folgenden zwei Monate war ich also damit beschäftigt, meine anfangs guten Ergebnisse zu reproduzieren, was mir allerdings nie in der Qualität gelang, dass es für eine etwaige Publikation ausreichen würde. Die Ergebnisse waren alles andere als ideal und immer wieder klappten Dinge nicht, für die auch erfahrene Laboranten keine Erklärung hatten. Die Aussagen „Da müssen wir alle durch, immer wieder“, oder: „Du bist nicht allein, so funktioniert Wissenschaft“ sollten mich trösten.
So recht klappte es nicht, aber ich gab nicht auf. Dann kam mein Einsatz als Physiologie-Tutor und meine Labortätigkeit war fürs Erste auf Eis gelegt. In Woche drei jedoch hatte ich ein freies Zeitfenster und beschloss, nochmal von vorne zu beginnen, also neue Proben zu gewinnen, neue Kontrollen herzustellen und dann mit neuem Material einen neuen Versuch zu starten. Ich krempelte die Ärmel hoch und verschanzte mich eine Woche sowie die angrenzenden Wochenenden im Labor.
Und siehe da: Die Ergebnisse, auf die ich ewig gewartet hatte, tröpfelten so langsam ein. Und nicht nur einmal! Innerhalb von vier Tagen hatte ich das „n“ (also die Anzahl der positiven Wiederholungen des gleichen Versuchs) so hoch geschraubt, dass es für eine Veröffentlichung wasserdicht sein würde – ein wichtiger Motivationsschub für mich. Es ist zwar erst ein geringer Teil der Gesamtarbeit getan, aber ich habe mir bewiesen, dass es doch klappen kann!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  12.01.2017

Medizin studieren

Der eigene Körper als Versuchskaninchen

Etwas beschämt bewege ich den weißen Plastikbecher in meiner Hand und schaue meine Gruppe an. Meine Kommilitonen lächeln belustigt, weil ich ausgesucht wurde und pinkeln muss. Mein Urin soll für ein paar Tests verwendet werden, die wir im Rahmen des Physiologie-Praktikums machen. Dafür werden zwei Gruppen gebildet: Jede soll vier Proben des Urins mit Zucker, Proteinen, Blut oder Sediment versetzen und eine andere Gruppe muss anschließend mit verschiedenen Analyseverfahren herausfinden, was sich im Urin befindet. Und einen Doofen, der seinen Urin spendet, muss es schließlich auch geben – ich, war ja klar.
Die Physiologie ist die Lehre des gesunden menschlichen Körpers. Sie beschreibt und erklärt, wie er funktioniert, welche Aufgaben die Niere oder die Lunge haben, was die Voraussetzungen für ein reibungsloses Ineinandergreifen der Organe sind, wie Muskeln kontrahieren oder der Darm verdaut. Für dieses Fach haben wir neben einer täglichen Vorlesung um acht Uhr morgens ein zweiwöchentliches Seminar samt Praktikum. Darin behandeln wir die zuvor in der Vorlesung abgearbeiteten Themen, können Fragen stellen und den Stoff vertiefen. Im Praktikum erfahren wir praktisch, wie Organe funktionieren.
Der erste Praktikumstag umfasste das Thema Lunge, also Atmung. Vier Versuche standen hier an. Wir wurden verschiedenen Bedingungen ausgesetzt, um zu schauen, wie unsere Atmung darauf reagiert. Eingangs hatten wir untersucht, was wir maximal und wie schnell ein- und ausatmen können. Dabei sollten wir hier ein Gefühl dafür erhalten, was körperlich normal ist. Wir lernten, dass unser Atemzentrum im Gehirn deutlich schlechter auf eine sinkende Sauerstoffkonzentration reagiert als auf eine ansteigende Kohlenstoffdioxidkonzentration, da dies aufgrund der Übersäuerung des Blutes viel gefährlicher ist. Genau das haben wir am eigenen Leib erfahren: Ein Kommilitone bekam sauerstoffarme Luft und hielt ein paar Minuten durch, seine Atmung wurde kräftiger und schneller, was auf einem Diagramm festgehalten wurde. Erst nach fünf musste er abbrechen, weil das Gefühl der Luftnot zu groß wurde. Ich versuchte es mit der kohlenstoffdioxidreichen Luft – und musste bereits nach einer Minute angeben, dass es nicht mehr ging. Schwindel, Atemnot und Übelkeit setzten sehr schnell ein, die Atmung ging rascher und der Puls kletterte in die Höhe. Einen Motivationsschub gibt dieses Fach auf jeden Fall, denn es ist greifbar und der Medizin nahe.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.01.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
11.01.2017