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Medizin studieren

Neuanfang

Lange ist im Labor für mich so gut wie gar nichts vorangegangen. Zunächst waren die Ergebnisse der Polymerase-Kettenreaktionen so wie gewünscht, doch die Kontrollen innerhalb der Reaktionen schlugen fehl. Dann bekam ich die Kontrollen zum Laufen, aber die Ergebnisse passten nicht mehr. Die folgenden zwei Monate war ich also damit beschäftigt, meine anfangs guten Ergebnisse zu reproduzieren, was mir allerdings nie in der Qualität gelang, dass es für eine etwaige Publikation ausreichen würde. Die Ergebnisse waren alles andere als ideal und immer wieder klappten Dinge nicht, für die auch erfahrene Laboranten keine Erklärung hatten. Die Aussagen „Da müssen wir alle durch, immer wieder“, oder: „Du bist nicht allein, so funktioniert Wissenschaft“ sollten mich trösten.
So recht klappte es nicht, aber ich gab nicht auf. Dann kam mein Einsatz als Physiologie-Tutor und meine Labortätigkeit war fürs Erste auf Eis gelegt. In Woche drei jedoch hatte ich ein freies Zeitfenster und beschloss, nochmal von vorne zu beginnen, also neue Proben zu gewinnen, neue Kontrollen herzustellen und dann mit neuem Material einen neuen Versuch zu starten. Ich krempelte die Ärmel hoch und verschanzte mich eine Woche sowie die angrenzenden Wochenenden im Labor.
Und siehe da: Die Ergebnisse, auf die ich ewig gewartet hatte, tröpfelten so langsam ein. Und nicht nur einmal! Innerhalb von vier Tagen hatte ich das „n“ (also die Anzahl der positiven Wiederholungen des gleichen Versuchs) so hoch geschraubt, dass es für eine Veröffentlichung wasserdicht sein würde – ein wichtiger Motivationsschub für mich. Es ist zwar erst ein geringer Teil der Gesamtarbeit getan, aber ich habe mir bewiesen, dass es doch klappen kann!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  12.01.2017

Medizin studieren

Der eigene Körper als Versuchskaninchen

Etwas beschämt bewege ich den weißen Plastikbecher in meiner Hand und schaue meine Gruppe an. Meine Kommilitonen lächeln belustigt, weil ich ausgesucht wurde und pinkeln muss. Mein Urin soll für ein paar Tests verwendet werden, die wir im Rahmen des Physiologie-Praktikums machen. Dafür werden zwei Gruppen gebildet: Jede soll vier Proben des Urins mit Zucker, Proteinen, Blut oder Sediment versetzen und eine andere Gruppe muss anschließend mit verschiedenen Analyseverfahren herausfinden, was sich im Urin befindet. Und einen Doofen, der seinen Urin spendet, muss es schließlich auch geben – ich, war ja klar.
Die Physiologie ist die Lehre des gesunden menschlichen Körpers. Sie beschreibt und erklärt, wie er funktioniert, welche Aufgaben die Niere oder die Lunge haben, was die Voraussetzungen für ein reibungsloses Ineinandergreifen der Organe sind, wie Muskeln kontrahieren oder der Darm verdaut. Für dieses Fach haben wir neben einer täglichen Vorlesung um acht Uhr morgens ein zweiwöchentliches Seminar samt Praktikum. Darin behandeln wir die zuvor in der Vorlesung abgearbeiteten Themen, können Fragen stellen und den Stoff vertiefen. Im Praktikum erfahren wir praktisch, wie Organe funktionieren.
Der erste Praktikumstag umfasste das Thema Lunge, also Atmung. Vier Versuche standen hier an. Wir wurden verschiedenen Bedingungen ausgesetzt, um zu schauen, wie unsere Atmung darauf reagiert. Eingangs hatten wir untersucht, was wir maximal und wie schnell ein- und ausatmen können. Dabei sollten wir hier ein Gefühl dafür erhalten, was körperlich normal ist. Wir lernten, dass unser Atemzentrum im Gehirn deutlich schlechter auf eine sinkende Sauerstoffkonzentration reagiert als auf eine ansteigende Kohlenstoffdioxidkonzentration, da dies aufgrund der Übersäuerung des Blutes viel gefährlicher ist. Genau das haben wir am eigenen Leib erfahren: Ein Kommilitone bekam sauerstoffarme Luft und hielt ein paar Minuten durch, seine Atmung wurde kräftiger und schneller, was auf einem Diagramm festgehalten wurde. Erst nach fünf musste er abbrechen, weil das Gefühl der Luftnot zu groß wurde. Ich versuchte es mit der kohlenstoffdioxidreichen Luft – und musste bereits nach einer Minute angeben, dass es nicht mehr ging. Schwindel, Atemnot und Übelkeit setzten sehr schnell ein, die Atmung ging rascher und der Puls kletterte in die Höhe. Einen Motivationsschub gibt dieses Fach auf jeden Fall, denn es ist greifbar und der Medizin nahe.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  11.01.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
11.01.2017

Medizin studieren

Unverhofft Medizinstudent

Eines Morgens hatte ich eine Nachricht auf dem Handy von einem Freund, den ich schon länger nicht gesehen hatte: „Thilo, ich habe einen Platz“, schrieb Raphael. Kennengelernt hatten wir uns während unseres gemeinsamen Freiwilligendienstes im Krankenhaus. Er wollte wie ich auch Medizin studieren, nur leider liegt sein Schnitt im Abitur bei 2,5, was keine gute Voraussetzung dafür ist, in Deutschland einen Studienplatz für Humanmedizin zu bekommen; außer man wartet sechs Jahre oder hat eine Menge Glück – Letzteres trifft hier zu.
Raphael begann nach dem Freiwilligendienst, Chemie zu studieren, um schon ein paar Scheine zu sammeln. Richtig Spaß fand er daran nicht, aber er hatte eine Aufgabe. Nach vielen Bewerbungen, die er ins Ausland geschickt hatte, gab er sein Traumstudium Humanmedizin vorerst auf, verlor zunehmend die Motivation. Er überlegte, wie er auf einem Umweg zum Ziel gelangen könnte. Eine Ausbildung machen? Nochmal ins Ausland gehen? Oder einfach weiter Chemie studieren, auch ohne Spaß daran? Dann bewarb er sich zu diesem Wintersemester über hochschulstart.de bei weiteren Unis, wohlwissend, dass es noch mehr Absagen hageln wird.
So kam es auch. Nach und nach sagten ihm Universitäten ab, noch nicht mal zu einem Auswahlverfahren wurde er eingeladen. Doch dann erhielt er einen weiteren Brief und da war sie: die erhoffte Zusage. Den Platz erhielt er in Jena, einige hundert Kilometer von seinem zu Hause entfernt. Da das Semester bereits begonnen hatte, packte er hastig alles Nötige zusammen, exmatrikulierte sich in seinem Studiengang und schrieb sich in Jena ein. Er organisierte sich eine vorübergehende Bleibe bei Bekannten und stürzte binnen zwei Tagen in ein völlig neues Leben.
Der Einstieg war anstrengend, erzählte er, weil die ersten Tage an der Uni schon voll mit Vorlesungen und Seminaren waren. Doch er fand sich schnell zurecht, lernte Leute kennen und begriff, dass er sich anstrengen musste. Aber er will für seinen Traum, Arzt zu werden, kämpfen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  05.01.2017